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01.09.2009
Keine Annährung bei Takata

Der Hersteller von Insassenschutzsystemen für Automobile, Takata Petri AG, will die Lenkradproduktion von Aschaffenburg nach Arad (Rumänien) verlagern. IG Metall und Belegschaft protestieren gegen die Verlagerungspläne, zeigen sich aber auch verhandlungsbereit. Ein erstes Gespräch im kleinen Kreis blieb allerdings ohne Annährung.

Zu einem ersten „Sechs Augen Gespräch“ trafen sich am Montag der Vorstandsvorsitzende Heinrich Binder, der Betriebsratsvorsitzende der Aschaffenburger Werke, Norbert Elbert, und der IG Metall Bevollmächtigte, Herbert Reitz. Ziel der Arbeitnehmerseite war es, Verhandlungsmöglichkeiten auszuloten, um Streit und Auseinandersetzungen in den Folgemonaten zu vermeiden.

Zuspitzung erwartet

Ansatzpunkte für eine Verhandlungslösung gibt es nach Angaben von Norbert Elbert, dem Betriebsratsvorsitzenden der Takata Petri AG, in der Ausgestaltung des Lenkradkompetenzzentrums. Die Bereitschaft, den Personalabbau zu reduzieren, war nicht gegeben. Reitz rechnet daher mit einer weiteren Zuspitzung der Verhandlungssituation.

Im Anschluss an das Gespräch fand ein Austausch der Positionen auf Initiative von OB Klaus Herzog mit den Bundes- und Landtagsabgeordneten aller Parteien, den Landräten sowie den Arbeitnehmervertretern mit dem Vorstandsvorsitzenden der Takata Petri statt. Die Abgeordneten unterstützen den Erhalt und Ausbau der Lenkradfertigung und wollen mit der Unternehmensspitze weiter im Dialog bleiben.

Bereits Ende letzter Woche hatten sich die Verhandlungsdelegationen auf einen Zeitplan verständigt. Danach gehen beide Seiten davon aus, bis Mitte Oktober eine Lösung gefunden zu haben.

Seehofer schaltet sich ein

In den Konflikt bei Takata Petri hat sich nun auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer eingeschaltet. Er hat den Vorstand aufgefordert, eine Verhandlungslösung mit der Arbeitnehmerseite zu finden und das Lenkrad Kompetenzzentrum in Aschaffenburg auch im Interesse der Herstellung zukunftsfähiger Produkte zu sichern. Eine Delegation der Arbeitnehmervertreter wird am 04.09.09 mit dem Ministerpräsidenten ein Gespräch führen, erklärte Herbert Reitz von der IG Metall.

Betriebsrat und Vertrauenskörper der IG Metall bei Takata Petri haben für die Verhandlungen drei zentrale Forderungen beschlossen, berichtet der stellvertretende Vertrauenskörperleiter Manfred Jendt. Sie umfassen:

  1. Erhalt und Ausbau des Kompetenzzentrums Lenkrad mit den Funktionen Forschung, Entwicklung, Konstruktion, Anlagenplanung und –steuerung, Service, Logistik, Prototypenbau, Muster- und Werkzeugbau, Chemisches und Physikalisches Labor, Vorserien- und Nullserienfertigung sowie Serienanläufe.
  2. Weiterentwicklung der automatischen Lenkradfertigung mit Montage der Elektronik.
  3. Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen über den 31.12. 2009 hinaus für weitere fünf Jahre. Ohne die Realisierung dieser Mindestforderungen wird es kein vertretbares Verhandlungsergebnis geben.

Breite Unterstützung

Die Forderungen der Arbeitnehmervertreter werden inzwischen von über 3000 Aschaffenburger Bürgerinnen und Bürgern durch ihre Unterschriften unterstützt. Auftakt der Unterschriftensammlung war das Aschaffenburger Stadtfest.

Die IG Metall rüstet sich vorsorglich für härtere Auseinandersetzungen. In ihrer turnusmäßigen Vorstandssitzung am 14.09.09 wird sie einen entsprechenden Aktionsplan verabschieden. Zurzeit lässt die IG Metall vorsorglich prüfen, ob sie den bestehenden Sozialtarifvertrag außerordentlich kündigen kann, da ein darin enthaltenes wesentliches Element, der Ausbau des Kompetenzzentrums für die Lenkradfertigung in Aschaffenburg gefährdet ist.

Auf Veranlassung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wird dieser sich voraussichtlich Ende September mit dem Stand der Verhandlungen zum Lenkradwerk befassen. Ziel sei es, so Reitz weiter, eine klare Entscheidung für den Standort Aschaffenburg zu treffen und die Kostennachteile des hiesigen Standortes zu verändern.

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