aktueller Pfad: Home » Nachrichten » Ansicht
25.05.2007
Siemens wollte AUB zur Gegengewerkschaft aufbauen

Geahnt haben es alle, nun ist es offiziell: In der Siemens-Affäre hat der Anwalt des inhaftierten langjährigen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky erstmals erklärt, dass Siemens durch Millionen an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) eine Gegengewerkschaft zur IG Metall aufbauen wollte.

Schelsky war 20 Jahre lang Vorsitzender der AUB und ist erst Ende März dieses Jahres von seinem Amt zurückgetreten. Zum Zeitpunkt seines Rücktritts saß Schelsky schon sechs Wochen in Untersuchungshaft, dort sitzt er immer noch.

 

Wie viel Geld wirklich von Siemens an Schelsky bezahlt wurde, weiß bisher niemand genau. Anfangs ging es bei den Ermittlungen der Nürnberger Staatsanwaltschaft um "ungeklärte Zahlungen" in Höhe von bis zu 14,5 Millionen Euro an den AUB-Mitbegründer und Dauer-Bundesvorsitzenden. Unterdessen sprechen einzelne Medien von ungeklärten Zahlungen in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro.

 

Als Gegenleistung hat Schelsky laut seinem Anwalt die Arbeit der als arbeitgeberfreundlich geltenden AUB finanziert. „Der Deal bestand darin, eine weniger streikfreundliche Organisation zu schaffen“, sagte Schelsky-Verteidiger Jürgen Lubojanski gegenüber dem Magazin Focus.

 

Der Anwalt bestätigte gegenüber dem Magazin auch, dass Schelsky Büros und Broschüren der AUB bezahlt und diverse Sportvereine in der Region gesponsert hat, um die Arbeitnehmertruppe bekannter zu machen.

 

Die Süddeutsche Zeitung hatte bereits Ende März berichtet, dass Wilhelm Schelsky 20 Mitarbeiter und Honorarkräfte in seinen Firmen beschäftigte (und beim Finanzamt als Betriebsausgaben steuerlich geltend machte), die in Wirklichkeit in Bundes- und Landesgeschäftsstellen der AUB arbeiteten.

 

Einen persönlichen Vorteil einzelner AUB-Betriebsräte bestritt der Anwalt: "Es gab keine persönliche Bereicherung", sagte Lubojanski zu FOCUS - eine solche persönliche Bereicherung hatte allerdings auch nie jemand behauptet.

 

Strafantrag der IG Metall

Die IG Metall hatte Anfang April Strafantrag nach §119 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) wegen möglicher Begünstigung der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) und der Beeinflussung von Betriebsratswahlen bei Siemens gestellt.

 

„Wir haben den Verdacht und Indizien dafür, dass die AUB durch das Unternehmen Siemens finanziert wurde, um eine Art Gegen-Gewerkschaft zur IG Metall aufzubauen", sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters damals. Dieser Verdacht hat sich nun durch die Einlassungen des Schelsky-Anwaltes bestätigt.

 

Siemens hat immer vehement bestritten, sich mit Hilfe von Wilhelm Schelsky eine eigene Arbeitnehmervertretung aufgebaut und gehalten zu haben. Doch spätestens, seit mit Zentralvorstand Johannes Feldmayer Ende März erstmals ein Mitglied des engsten Führungszirkels in diesem Zusammenhang unter Verdacht der Untreue und Steuerhinterziehung in U-Haft genommen wurde, war wohl den meisten Beobachtern klar, was von diesem Dementi zu halten ist: Die AUB ist nicht unabhängig - wie sie selber immer gerne für sich wirbt – sondern im Gegenteil im höchsten Grade abhängig von Millionenzahlungen eines Konzerns, der sich die Gründung einer Gegengewerkschaft zur IG Metall so richtig viel Geld hat kosten lassen.

 

 

Druckansicht weiterempfehlen
Share/Bookmark/Subscribe


Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.