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27.02.2007
Fünf gute Gründe für 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt

Es gibt zahlreiche gute Gründe, warum Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen in der M + E-Industrie jetzt deutlich steigen müssen - und auch deutlich steigen können. Die fünf wichtigsten Gründe haben wir hier zusammengefasst:

Die Laufzeit der Tarifverträge für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten (davon 710 000 in Bayern) in der Metall- und Elektroindustrie soll zwölf Monate betragen.

 

Die IG Metall sieht im Wesentlichen fünf Gründe für eine deutliche Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen.

 

1.) Die Konjunktur in der M + E Industrie brummt

In fast allen Teilbranchen der Metall- und Elektroindustrie läuft die Produktion auf Hochtouren. Der Maschinenbau erlebt gerade einen Boom wie seit 25 Jahren nicht mehr. Die Produktion explodiert und stieg im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf bisher unerreichte 158 Mrd. Euro.

 

In der Elektroindustrie und in der Automobilherstellung wurden ebenfalls Produktions- und Absatzrekorde erreicht. Im Jahr 2006 liefen 5,4 Millionen Fahrzeuge am Standort Deutschland von den Bändern - ein Prozent mehr als im Jahr zuvor.

 

Das Wachstum geht weiter: Der Maschinenbau-Verband geht für dieses Jahr von einem Zuwachs von vier Prozent aus, der Elektroverband erwartet einen Produktionsanstieg um fünf Prozen.

 

Für die gesamte Metall- und Elektroindustrie wird 2007 eine Produktionszunahme von 4,5 bis 5,5 Prozent erwartet - das liegt deutlich über dem prognostizierten gesamtwirtschaftlichen Wachstum von bis zu 2,1 Prozent.

 

2.) wer mehr leistet, muss auch mehr verdienen

Erst die enorm gestiegene Arbeitsleistung und -belastung der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie hat diese neuen Produktionsrekorde möglich gemacht.

 

Die Produktionsleistung je Beschäftigtenstunde (die sogenannte Arbeitsproduktivität) ist in der Metall- und Elektroindustrie schon seit Jahren weit höher als in der Gesamtwirtschaft. Im abgelaufenen Jahr stieg sie noch einmal um mehr als sieben Prozent - in der Gesamtwirtschaft lag die Steigerung bei rund zwei Prozent.

 

Auch 2007 wird die Arbeitsleistung der Beschäftigten weiter zunehmen. Es ist ein Zuwachs der Metallproduktivität von 4,5 Prozent zu erwarten.

 

3.) mehr Kaufkraft bringt mehr Konsum

Die private Konsumnachfrage rauscht 2007 wieder in den Keller. Dafür ist unter anderem die Regierung mit ihrer dummen Politik der Mehrwertsteuererhöhung verantwortlich. Dazu trägt aber auch die immer noch unzureichende Entwicklung der Arbeitseinkommen bei. So sind nach Berechnungen des ifo-Instituts die Nettolöhne und -gehälter je Beschäftigten im Jahr 2006 in Deutschland um 0,3 Prozent gesunken.

 

Auch langfristig sanken die Realeinkommen der Haushalte. Im Jahr 2006 sind die tariflichen Löhne und Gehälter weniger stark gestiegen als die Lebenshaltungskosten. Lohnerhöhungen sind nötig, um der privaten Konsumnachfrage wieder auf die Sprünge zu helfen. Der private Konsum trägt immerhin zwei Drittel zum Sozialprodukt bei und ist damit ein wesentlicher Pfeiler der Konjunkturentwicklung. Erst wenn sich der private Konsum stabilisiert hat, kann von einem sich selbst tragenden Aufschwung gesprochen werden. Der wiederum ist dringend nötig, um Beschäftigung zu schaffen. "Jetzt gibt es Spielraum, um die Löhne anzuheben und so auch den Konsum zu stärken!  meint auch die nicht gerade gewerkschaftsnahe Rating-Agentur Standard&Poor´s.

 

4.) die Kosten für die Lebenshaltung werden teurer

Immer mehr Menschen leben von der Hand in den Mund. Die tägliche Lebenshaltung frisst das monatlich verfügbare Geld schlicht und einfach auf. Und das Leben wird immer teurer. Um sich das gleiche wie im Vorjahr leisten zu können, werden Arbeitnehmer 2007 alleine wegen der gestiegenen Verbraucherpreise 2,3 Prozent mehr ausgeben müssen. Zusätzlich belastet werden die Arbeitnehmer durch die Anhebung der Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge, der Erhöhung der Mehrwert- und Versicherungssteuer und den Wegfall der Pendlerpauschale (sofern der Weg zur Arbeit kürzer als 20 Kilometer ist). Entlastet werden die Beschäftigten nur dadurch, dass die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sinken. Doch  unter dem Strich“ wird in den meisten privaten Haushalten ein Minus bleiben.

 

Eigentlich benötigen die Arbeitnehmer einen Teil ihres Einkommens, um ihn zu sparen.

 

Deshalb: Kräftige Einkommenssteigerungen sind dringend nötig, um steigende Verbraucherpreise auszugleichen und um für die private Vorsorge und für den Kauf langlebiger Konsumgüter anzusparen.

 

5.) Gewinne und Einkommen klaffen immer weiter auseinander

Die Schere zwischen Löhnen und Gewinnen ist in den vergangenen Jahren immer stärker auseinander gegangen. Die Bruttolohnquote (der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen) ist in Deutschland im ersten Halbjahr 2006 auf 65,2 Prozent zurückgegangen. Sie hat damit "ein historisches Tief erreicht", stellt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in seinem jüngsten Verteilungsbericht fest.

 

Zwar sind in der Metall- und Elektroindustrie die Bruttolöhne und -gehälter im vergangenen Jahr gestiegen - sogar stärker als in der Gesamtwirtschaft - , doch die Gewinne der Metallunternehmen haben weit kräftiger zugelegt. So schossen die Gewinne der börsennotierten Metall- und Elektrounternehmen im Jahr 2006 um gut 30 Prozent nach oben - die Tariferhöhung lag bei 3,2 Prozent; die tatsächliche Entgelterhöhung machte 2,7 Prozent aus.

 

Für 2007 gehen die Experten davon aus, dass die Gewinne der börsennotierten Unternehmen weiter kräftig steigen - erwartet werden Steigerungen von über 20 Prozent. Das wird nicht nur die großen Konzerne der Branche betreffen, sondern auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU). Denn diese machen schon seit Jahren dicke Gewinne. So stiegen die Gewinne der KMUs des Verarbeitenden Gewerbes in den Jahren 2003 und 2004 um 35 Prozent - und aufgrund der hervorragenden Wirtschaftslage werden auch 2007 wieder zweistellige Zuwachsraten erwartet.

 

Höhere Löhne erhöhen die Kosten der Unternehmen in weit geringerem Umfang als oftmals angenommen wird: In der Metallindustrie ist der Anteil der Löhne und Gehälter am gesamten erwirtschafteten Umsatz seit den 90er Jahren beständig gesunken. 2006 hat diese Lohnquote mit 16,5 Prozent einen neuen Tiefststand erreicht.

 

Die Gerechtigkeitslücke darf nicht noch größer werden - auch deshalb ist eine höhere Steigerung des Tarifentgelts nötig.

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