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14.12.2006
Herausforderung und Chance

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall Berthold Huber stellte Ende November in einer Rede vor Beschäftigtenvertretern im Bosch-Konzern eine Reihe von Gesichtspunkten bei der ERA-Einführung dar - "eine der entscheidenden Fragen für unsere zukünftige Stärke in den Unternehmen."

Nachfolgend eine inhaltliche Zusammenfassung wesentlicher Punkte der Rede:

 

Aus Sicht der IG Metall steht im Zusammenhang mit der Einführung das Bewusstsein im Mittelpunkt, dass "die Qualität des ERA wesentlich von seiner konkreten Umsetzung abhängt", zumal die Arbeitgeberseite versucht, "gut organisiert und flächendeckend, aus der ERA-Einführung Kapital zu schlagen und die Entgelte zu drücken." Ziel der Beschäftigtenvertreter muss es daher nun sein, ERA umso entschlossener im Sinne der Belegschaften zu gestalten.

 

"Unverschämte Begehrlichkeiten"

An die Adresse der Arbeitgeber gerichtet erklärte Huber, dass ERA ein gemeinsames Projekt der Tarifvertragsparteien ist und bei der Umsetzung auf der betrieblichen Ebene "unverschämte Begehrlichkeiten" nicht akzeptabel sind. Die aus den zugespitzten tarifpolitischen Konflikten resultierende Auseinandersetzung ändert allerdings nichts daran, dass es zur ERA-Einführung keine Alternative gibt; eine veränderte Arbeitswelt, die Angleichung vieler Tätigkeiten von Arbeitern und Angestellten und die zunehmende Entwertung tariflicher Normen durch die betriebliche Realität. Eine schematische Umsetzung ist mangels bundesweiter Einheitslösungen nicht möglich. Die bezirksübergreifende Koordinierung in Grundfragen wie der Höhe und Bandbreite der Eckentgelte und der Finanzierung schafft jedoch die Voraussetzung für solide betriebliche Umsetzungen. Die Arbeitgeber allerdings verfolgen mit der ERA-Einführung das Ziel, Einkommen über Abgruppierungen zu senken - eine Strategie, der IG Metall und Betriebsräte in vielen Punkten sachlich fundiert und praxisbezogen entgegentreten müssen. Der Drang zu Einkommensverschlechterungen darf auch nicht mit dem billigen Scheinargument gerechtfertigt werden, schließlich trage die IG Metall als Tarifvertragspartei die Verantwortung für Inhalt und Konsequenzen des Vertrags.

 

Sachargumente aus der betrieblichen Praxis

Bei den Angestellten gibt es oft anstatt klarer Tätigkeitsbeschreibungen eine an der jeweiligen Arbeitsmarktlage orientierte Eingruppierung. Geht es hier um die Eingruppierung, muss berücksichtigt werden, dass oft die Qualifikation und der Anforderungsbezug zählen: "Also gilt auch hier: aufschreiben - vor allem was in Teamsitzungen, Dienstbesprechungen etc. festgelegt wird. Gerade Angestellte, die schon länger im Betrieb sind, arbeiten als Allrounder. Sie müssen sich vergegenwärtigen, wie das Niveau der Arbeitsanforderung wäre, wenn sie gerade neu angefangen hätten." Betriebsräte und Vertrauensleute brauchen zusätzlich zum notwendigen Fachwissen auf ihren Betrieb zugeschnittene Umsetzungs- und wenn nötig auch Konfliktstrategien. Besonders in diesem Zusammenhang sind auch die hauptamtlichen Betriebsbetreuer der IG Metall gefordert, um betriebliche Schwerpunktsetzungen und Weichenstellungen nach der jeweiligen Beschäftigungs- und Problemkonstellation vorzunehmen.

 

Chance auf zukunftsweisende Neugestaltung

  1. Trotz dieser und anderer Herausforderungen birgt die ERA-Umsetzung auch Chancen. Richtig umgesetzt, werden Betriebsräte, Vertrauensleute und Beschäftigte viel umfassender an der Eingruppierung beteiligt als bisher. Ist die Herausforderung einmal gemeistert, "dann muss uns vor der nachhaltigen Wirkung der ERA-Umsetzung über das Jahr 2009 hinaus nicht Bange sein. Im Gegenteil: wir haben den Einstieg in die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts dann betriebs-, tarif- und organisationspolitisch vollzogen. Die Kraft und die Kreativität, uns dort zu bewähren, haben wir."
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