Auch die dritte Tarifverhandlung über einen neuen Tarifvertrag zur Altersteilzeit für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ging am Montag in Stuttgart ohne erkennbare Annäherung der Tarifparteien zu Ende. In Baden-Württemberg wird federführend für die gesamtdeutsche Metallbranche über einen tariflichen Anspruch auf Altersteilzeit verhandelt. Jetzt könnte es zu Streiks kommen.
IG Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann warf den Arbeitgebern im Anschluss an die Verhandlungen eine Blockadehaltung vor. „Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, Südwestmetall spielt auf Zeit und ist gar nicht ernsthaft an einer Lösung interessiert“, sagt er und kündigte Aktionen der Beschäftigten nach Ablaufen der Friedenspflicht an. „Wenn es nicht doch noch irgendwelche verwertbaren Signale gibt, werden die Beschäftigten entsprechend reagieren“, so Hofmann. Die Friedenspflicht endet am 4. Juni 2008.
Den Vorschlag von Südwestmetall wies Hofmann zurück und bezeichnete ihn als „vollkommen inakzeptabel“. Nach Willen der Arbeitgeber sollen künftig nur noch Beschäftigte in Altersteilzeit gehen können, die bei einer Betriebszugehörigkeit von mindestens 20 Jahren während der letzten 15 Jahre mindestens 12 Jahre davon in Drei-Schicht-Arbeit oder in Dauernachtschicht gearbeitet haben. Zusätzlich sollen Beschäftige Altersteilzeit künftig nur nutzen können, wenn sie einen Eigenbeitrag leisten. Hofmann: „Somit hätte kaum noch ein Beschäftigter Anspruch auf Altersteilzeit, für Angestellte, Ingenieure und andere Beschäftigtengruppen gäbe es faktisch keine Möglichkeit des früheren Ausstiegs über Altersteilzeit mehr“.
Kundgebung vor Verhandlungsbeginn
Um vor den Verhandlungen Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen, haben über 2.500 Beschäftigte der Branche am Vormittag vor den Räumen des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall lautstark demonstriert. Auf T-Shirts stand „Wir holen uns die Zeit“ und mit zahlreichen Transparenten und Plakaten machten die Kundgebungsteilnehmer ihre Forderung nach einer neuen Altersteilzeitregelung deutlich. Mit Trillerpfeifen und Klatschen sorgten sie zudem für die entsprechende Geräuschkulisse.
Der Kundgebungsort war umrahmt von einem „Band der Generationen“, mit dem die Gewerkschafter deutlich machten, dass Altersteilzeit alle Beschäftigten angeht.
IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann griff die Arbeitgeber auf der Kundgebung scharf an und warf ihnen vor auf Zeit zu spielen. „Wir lassen uns nicht auf den Sankt Nimmerleinstag vertrösten. Es war verabredet bis zur Sommerpause eine Lösung zu finden, deshalb machen wir jetzt Druck.“



