Die aktuelle Ausgabe der "metall" beschäftigt sich im Schwerpunkt mit den "Plattmachern der Nation". Unter der Rubrik "Manager als Jobkiller" findet sich auch der Siemens-Vorstandsvorsitzende - überraschend kommt das wohl nicht.
Das Handy-Debakel wird mittlerweile als Lehrbuch-Beispiel für das gehandelt, woran es in vielen deutschen Unternehmen krankt. Nicht nur Gewerkschaften, sondern zunehmend auch Wirtschaftswissensschaftler, Politiker und kritikfähige Manager selbst wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking warnen vor einer langfristig für alle unguten Entwicklung. Im Schwerpunktartikel der "metall" fasst Technologieberater Viktor Steinberger die "Zeitkrankheit" zusammen: "Viele Manager denken nur bis zum Ende ihres Zeitvertrags, und der läuft meist drei Jahre. was danach passiert, interessiert sie nicht."
Und daher fällen sie ihre "Entscheidungen danach, was kurzfristig Gewinn bringt oder den Shareholder Value steigert. Über die langfristigen Folgen müssen sie sich keine Gedanken machen. Bricht der Laden zusammen, sitzen sie längst in einer anderen Vorstandsetage." Ein weiterer Trend ist das Abwälzen von Risiken auf die Beschäftigten: "Das erleben wir beim Lohnverzicht, aber auch bei der Arbeitszeit.Wenn der Laden gut läuft, sollen die Beschäftigten länger arbeiten,wenn keine Aufträge da sind, unbezahlt zu Hause bleiben."
Mit voller Kraft vor die Wand
Die Ursachen sind laut einer Untersuchung der Universität Mannheim und der Kreditversicherung Euler Hermes häufig in der Chefetage zu finden. Steinberger erklärt, ein Manager tue nun einmal, "was er kann.Und wenn er nur das Unternehmen vor die Wand fahren kann, dann tut er auch das mit voller Kraft. Die Ursachen wird er natürlich nie bei sich selbst suchen. Dafür gibt es schließlich die 'Lohnnebenkosten' oder die 'hohen Steuern'. Von der Uni Mannheim befragte Insolvenzverwalter allerdings machen in über 70 Prozent der Pleiten Managementfehler als Grund ausfindig.
So auch bei Siemens, ob beim weltweit ersten Schieber-Handy, das technisch nicht ausreichend ausgereift auf den Markt kam, oder beim zögerlichen Umsetzen neuer deen wie Handys mit Farbdisplay oder Kamera. "Wir sind immer hinterher gehinkt. Siemens hat seinen Technologievorsprung nicht genutzt. [...]. Wir haben keinen Unternehmer, sondern ein Management aus Risikominimierern und Investitionstötern", erklärt Michael Leucker, der vor seiner Zeit als BenQ-Gesamtbetriebsratsvorsitzender schon lange Jahre bei Siemens in Kamp-Lintfort war. Dass der frühere Hauptverantwortliche Heinrich von Pierer jetzt im Auftrag der Bundesregierung über innovative Impulse in der Wirtschaft nachdenkt, bekommt da schon einen seltsamen Nebenton, aber, fügt die "metall" hinzu: "Mit Nachfolger Klaus Kleinfeld wurde alles noch schlimmer. Statt Werke zu sanieren, verkaufte er sie lieber."



