Am 17. Mai 07 kommt ein sehenswerter Dokumentarfilm von Florian Opitz in die Kinos, der zeigt, wie der Verkauf öffentlicher Leistungen den Alltag der Menschen beeinflusst – von der durchtrennten Stromleitung bis hin zur Privatisierung des Regens.
Opitz bringt mit seinem Dokumentarfilm DER GROSSE AUSVERKAUF dem Zuschauer das komplexe Phänomen „Privatisierung“ über einfühlsame Porträts von Menschen aus verschiedenen Kontinenten nahe, die von den oft inhumanen und fehlgeleiteten Versuchen, das Wirtschaftswachstum zu steigern, unmittelbar betroffen sind. Menschen, die sich auf ihre ganz persönliche Art und Weise dagegen zur Wehr setzen.
Doch auch „die andere Seite“ kommt zu Wort. Diejenigen, die Privatisierungen befürworten und für die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme halten. Wasser, Strom, Bahn, Gesundheit oder Bildung... Schnell werden die Parallelen zu den wirtschaftspolitischen Entwicklungen in Deutschland deutlich und der Film macht klar: das Thema Privatisierung betrifft uns alle.
„Eine großartige Produktion! Kino, das man sehen muss!“ schreibt der STERN. Anschauliche Filme über ein Wirtschaftsthema sind selten und so kommentiert TV Spielfilm: „Wirtschaftstheorie in anschaulichster und aufrüttelndster Form!“
Der Regisseur Florian Opitz sagt über sein jüngstes Werk: „Mir ist wichtig zu zeigen, dass die Protagonisten in DER GROSSE AUSVERKAUF keine passiven Opfer, sondern würdevolle und aktive Individuen, die in der Lage sind, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und die privatisierte Realität, in der sie leben, zu verändern. Und wenn es nötig ist - Widerstand zu leisten. Der Film möchte die Öffentlichkeit aufrütteln und auf eine schleichende und gefährliche Entwicklung aufmerksam machen, die unser aller Leben betrifft.“
Die Protagonisten
Simon Weller bekommt eine neue Uniform. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Doch bei dem britischen Lokführer stehen bereits zwei Kartons voller Dienstkleidung herum – so oft hat sein Arbeitgeber bereits gewechselt. Im Jahr 1999 wurde die britische Eisenbahngesellschaft privatisiert und an 150 Einzelunternehmen verkauft. Die neuen Bahngesellschaften aber investieren zu wenig in den Schienenverkehr, sagt Simon: „Oft werden marode Stellen an den Zügen nur übermalt.“ Außerdem sehen sich Simon und seine Kollegen jetzt ständig wechselnden Chefs gegenüber, haben schlechtere Arbeitsbedingungen und bekommen weniger Lohn.
Die Ironie der Geschichte: Ein Hauptgrund für die Privatisierung der britischen Eisenbahn war die Steigerung der Effizienz und die Verminderung der staatlichen Subventionen. Beide Ziele wurden verfehlt. Schlimmer noch: Die britische Eisenbahn wird heute nach der Privatisierung mit mehr als doppelt so vielen Steuergeldern subventioniert als vor der Privatisierung
Viele Bahnmitarbeiter in Deutschland fürchten, dass es ihnen bald ähnlich gehen könnte, wenn die Deutsche Bahn ihre Privatisierungspläne in die Tat umsetzt. Mit ihren Ängsten und ihrer Wut sind sie nicht allein, wie Florian Opitz in seinem Dokumentarfilm „Der große Ausverkauf“ zeigt: In vielen Ländern leiden Menschen unter den Folgen von Privatisierungen.
Opitz erzählt Geschichten der Opfer, aber auch Geschichten von Menschen, die sich wehren. So etwa die Bewohner der bolivianischen Stadt Cochabamba. Dort wurde die Wasserversorgung privatisiert und die Bürger durften kein Regen- oder Flusswasser mehr sammeln – selbst der Regen wurde so gleichsam privatisiert. Doch im Jahr 2000 gingen die Bewohner auf die Straße und zwangen die Regierung, den Verkauf rückgängig zu machen.
Einen solchen Erfolg wünschen sich auch die Menschen in Soweto in Südafrika: Dort stellt der private Anbieter Eskom immer mehr Familien den Strom ab, weil sie nicht bezahlen können. Aber die Betroffenen haben eine Stromguerilla gegründet, welche die Haushalte wieder ans Netz anschließt. Einer ihrer Wortführer, Bongani Lubisi, wurde schon mehrmals verhaftet. Im Jahr 2006 starb er unerwartet – die Hintergründe konnten nicht geklärt werden.
Die Kamera folgt den Menschen, verbindet die Erzählstränge miteinander. Florian Opitz lässt Bilder sprechen, und die sind oft plakativ: In einem philippinischen Krankenhaus hält ein Mann einen Verwandten mit einem Handblasebalg am Leben. Ein Beatmungsgerät wäre zu teuer. Dann, in der nächsten Einstellung, präsentiert ein Arzt stolz seine Privatklinik für Besserverdienende. Während Opitz die Betroffenen ausführlich befragt, kommen die Verursacher nur selten zu Wort. „Viele wollten einfach nicht mit uns reden“, erklärt der Regisseur. So bleiben die Hintergründe der Privatisierung leider oft unklar. Auch über die Rolle der Politiker vor Ort erfährt der Zuschauer nichts. Florian Opitz erzählt einfach nur Geschichten – aber das macht er gut. „Die größte Schwierigkeit war es, diese Menschen in den Slums überhaupt zu finden und ihr Vertrauen zu gewinnen“, erläutert der Regisseur. Auch deshalb hat die Arbeit am Film vier Jahre gedauert. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die eindrucksvollen Bilder, die Schicksale der Menschen bleiben lange im Gedächtnis. So liefert Opitz gute Argumente gegen eine ungebremste Privatisierung öffentlicher Leistungen. Der Film ist ein Muss für Globalisierungskritiker, aber auch für Arbeitnehmer, die zu Hause gegen den „großen Ausverkauf“ ihrer Arbeitsplätze kämpfen.
Der von WDR, BR und Arte mitfinanzierte Dokumentarfilm „Der große Ausverkauf“ kommt am 17. Mai in die Kinos.
Weitere Informationen: http://www.dergrosseausverkauf.de



