Die Rente mit 67 ist beschlossen, aber die Betriebe scheinen nicht darauf eingestellt zu sein: Nur noch 17 Prozent der Betriebe kümmern sich besonders um ihre älteren Beschäftigten, dass ist sogar weniger als noch vor fünf Jahren – und das trotz älter werdender Belegschaft.
Sich auf ältere Belegschaften einzustellen, ist die größte Herausforderung für die Betriebe in den nächsten Jahren. Betriebliche Maßnahmen für ältere Beschäftigte sind aber noch eher selten, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ihre Verbreitung hat zwischen 2002 und 2006 sogar leicht abgenommen: Der Anteil der Betriebe mit Maßnahmen für Ältere ist zwischen 2002 und 2006 von 19 auf 17 Prozent zurückgegangen.
Die Zahl der 55- bis 64-Jährigen wird bis 2020 um rund 40 Prozent zunehmen. Ein genereller Arbeitskräftemangel ist bis dahin nicht zu erwarten: Das Angebot an Arbeitskräften wird allenfalls leicht abnehmen.
Viele Betriebe tun noch zu wenig
Um die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten, müssten die Unternehmen bereits heute verstärkt in betriebliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Weiterbildung und Motivation investieren. Aus dem IAB-Betriebspanel – einer jährlichen Befragung von 16.000 Betrieben und Verwaltungen – geht jedoch hervor, dass sich viele Betriebe derzeit noch zu wenig auf die neue Situation am Arbeitsmarkt einstellen. „Es stellt sich die Frage, ob die bisher dominierende Methode der Aufklärungskampagnen wirklich erfolgreich war“, schreiben die Autoren der IAB-Studie.
Wenig Gesundheitsvorsorge
Von den befragten Unternehmen gab nur ein Fünftel an, Gesundheitsprävention jenseits der gesetzlichen Mindestnormen zu praktizieren. Und auch bei diesem Fünftel bestanden die Maßnahmen in erster Linie aus Krankenstandsanalysen und Mitarbeitergesprächen.
Kaum Weiterbildung für Ältere
Nur 26 Prozent aller Beschäftigten wurden 2005 bei Weiterbildungsmaßnahmen von ihren Unternehmen unterstützt. „Erschwerend ist zudem, dass nur wenige Betriebe Ältere in Weiterbildungsaktivitäten einbeziehen oder spezifische Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere fördern – und ihr Anteil sinkt“, merken die Arbeitsmarktforscher dazu an.
Altersteilzeit bei BMW
Weiterbildung und bessere Gesundheitsvorsorge werden aber nichts daran ändern, dass es immer Menschen geben wird, die ihre Arbeit nicht bis 65 oder künftig gar bis 67 ausüben können. Und völlig unberücksichtigt bleibt, bei all diesen Überlegungen, wie künftig Jüngere eigentlich in den Job hineinfinden sollen, wenn Ältere immer länger im Betrieb bleiben.
Positive Beispiele gibt es aber auch: BMW hat mit dem Betriebsrat und der IG Metall den Aufbau eines Kapitalstocks von insgesamt etwa 600 Mio. Euro vereinbart. Dieser sichert ab dem Jahrgang 1955 eine betriebinterne Altersteilzeitregelung, auch wenn das entsprechende Gesetz 2009 ausläuft. Ca. 800 bis 1000 Arbeitnehmer pro J ahr können vorzeitig ausscheiden können und einen Freizeitblock zwischen einem bis maximal drei Jahren in Anspruch nehmen. Damit können BMW-Beschäftigte früher "aussteigen", unabhängig davon ob es eine Altersteilzeit-Nachfolgeregelung durch die Bundesregierung geben wird oder nicht. Zudem ist die Einstellung und Übernahme von jungen Menschen möglich. Bisher sind durch die gesetzliche Altersteilzeit jährlich rund 900 Beschäftigte "ausgestiegen".
Durch diese Maßnahme können jährlich 800 bis 1000 Auszubildende / Arbeitnehmer eingestellt werden. Für den Zeitraum der nächsten 20 Jahre regeln wir dadurch ca. 18.000 Arbeitsplätze.
Deutschland nicht gerüstet für Rente mit 67
"Andere Länder, wie beispielsweise Schweden, haben deutlich bessere Voraussetzungen geschaffen, um Ältere zu beschäftigen." So auch Professor Diether Döring von der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität. Ein höheres Renteneinstiegsalter müsse flankiert werden mit einer breiten Palette anderer Maßnahmen - "und da steckt Deutschland noch sehr in den Anfängen". Wenig verbreitet seien hierzulande beispielsweise "Konzepte für lebenslanges Lernen", erläutert die Wirtschaftswissenschaftlerin Lioba Trabert, die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zusammen mit Döring den Zusammenhang zwischen Rentenalter und Jugendarbeitslosigkeit erforscht hat, worüber die beiden in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins »Forschung Frankfurt« berichten.


