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22.10.2008
"Lohnerhöhung vernichtet Arbeitsplätze, vernichtet Arbeitsplätze, vernichtet Arbeitsplätze…….."

Nur die etwas Älteren erinnern sich wie das geklungen hat, wenn Schallplatten hängen geblieben sind, die Nadel immer wieder in die gleiche Rille gehupft ist und so immer die gleiche Leier abgespielt wurde. Wer dieses Gefühl vermisst, muss sich nur die Aussagen der bayerischen Metallarbeitgeber zum Zusammenhang von Lohnentwicklung und Arbeitsplätzen anhören.

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Quelle: Statistisches Landesamt

Immer wieder das Gleiche hören zu müssen, wie bei einer hängen gebliebenen Schallplatte, ist schon schmerzlich genug, vollkommen ärgerlich wird es aber, wenn die Platte auch noch längst widerlegte Behauptungen in Penetranz wiederholt.

„Lohnerhöhung gefährdet Arbeitsplätze …“ ist das Lieblingsargument der bayerischen Metallarbeitgeber in jeder Tarifrunde, das sie völlig unabhängig von der konjunkturellen Lage und der tatsächlichen Entwicklung der Beschäftigung gebetsmühlenartig wiederholen.

„Arbeit in der Heimat halten!" lautete das Motto der bayerischen M+E-Arbeitgeber in der Tarifrunde 2007. Das könne nur gelingen, wenn der Abschluss unterhalb dem des Vorjahres läge, jeder Prozentpunkt darüber würde jeweils 10.000 Arbeitsplätze kosten behauptete der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm).

2006 einigten sich die Tarifparteien auf Lohnerhöhungen von 3 Prozent. Seit der Tarifrunde 2007 sind die Löhne und Gehälter (in zwei Stufen) um insgesamt 5,8 Prozent gestiegen (2,8 Prozentpunkte mehr als in der Tarifrunde 2006), nach der Vorhersage des vbm müsste es also in der bayerischen M+E-Industrie heute ca. 28.000 Beschäftigte weniger geben als im Jahr 2007, tatsächlich sind es aber 40.000 Beschäftigte mehr.

Die Erde ist keine Scheibe - auch wenn das noch so oft behauptet wird

„Offenbar ist den Arbeitgebern jedes Mittel recht, um Arbeitnehmern Angst einzujagen und die Gewerkschaften für das Arbeitgeberversagen bei der Beschäftigung verantwortlich zu machen,“ sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern schon im November 2003, zu den Äußerungen des bayerischen Metallarbeitgeberpräsidenten Randolf Rodenstock, eine Tarifforderung von vier Prozent würde 20.000 Arbeitsplätze kosten. „Diese Behauptung ist genau so falsch wie die Behauptung die Erde ist eine Scheibe.“

Ob ein Unternehmen Arbeitsplätze schafft oder vernichtet hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: von der Nachfrage nach den hergestellten Produkten und der Produktivitätsentwicklung. Eigentlich sollte das niemand besser wissen als die Verantwortlichen des vbm.  Der Anteil der Löhne am Umsatz macht in der Metall- und Elektroindustrie gerade mal 15,8 Prozent aus, das ist historischer Tiefstand, im Jahr 1995 waren es noch fast 25 Prozent.

Die IG Metall Bayern hat einige der einschlägigen Zitate der letzten Jahre zusammengestellt, den Vergleich dieser Unkenrufe mit der tatsächlichen Entwicklung der Beschäftigung, kann jeder selber ziehen (siehe Grafik).

  • „Ein Tarifabschluss, wie ihn die IG Metall fordert, gefährdet den Wettbewerb und Arbeitsplätze in mittelständischen Unternehmen“ (Wolfram Hatz, Vorsitzender VBM Niederbayern, zitiert nach Passauer Neue Presse, 1. Februar 2000)
  • „Wer Arbeitsplätze in Deutschland halten will, darf die Kosten durch Tarifverträge nicht auf Dauer mehr steigern als die Produktivität“ (Stephan Götzl Hauptgeschäftsführer der vbw, Welt am Sonntag vom 29.06.2003)
  • „Eine Tarifforderung von vier Prozent kostet 20 000 Arbeitsplätze“ (Arbeitgeberpräsident Randolf Rodenstock, zitiert nach ddp 16.11.2003)
  • „Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Zahl der Firmen wie auch der Arbeitsplätze in der bayerischen Metallbranche in den kommenden zehn Jahren halbiert … Arbeit ist in Deutschland schlichtweg zu teuer" (Stephan Götzl, Süddeutsche Zeitung vom 28.08.2004)
  • "Es gibt tarifpolitisch nichts zu verteilen … bis Juni wird der Umsatz der bayerischen Wirtschaft steigen, doch die Beschäftigung wegen des Kostendrucks weiter sinken." (Randolf Rodenstock, Präsident der vbw, Süddeutsche Zeitung vom 19.01.2005)
  • „Die IG Metall bemüht sich nur um die Menschen, die Arbeit haben und gefährdet damit Arbeitsplätze“ (Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbm, zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 20.03.2006)
  • "Das ist Gift für die Branche" (Bertram Brossardt, zur Forderung der IG Metall Bayern von 8 Prozent, Süddeutsche Zeitung vom 17.09.2008)
  • „Es muss deshalb jetzt darum gehen, die Arbeitsplätze in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zu halten" (Bertram Brossardt,  Welt am Sonntag 19.10.2008)
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