Das stimmt, wenn der eine Facharbeiter und der andere Manager ist. Dass Manager mehr Geld bekommen als Facharbeiter ist nicht neu. Doch während bei den Managern großer Unternehmen Gehaltssteigerungen von 30 Prozent eher die Regel als die Ausnahme sind, halten die Arbeitgeber die Tarifforderung der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für „unrealistisch“ und „völlig überzogen“.
Früher galt mal die Faustformel, dass Manager das sieben- bis zehnfache eines Facharbeitergehaltes bekommen, die Zeiten sind längst vorbei. Wie nun jede und jeder selber nachlesen kann beim ultimativen Gehaltsvergleich der IG Metall Jugend.
Wer dort sein Monatsgehalt eingibt, erfährt sofort, wie lange er oder sie für das Jahresgehalt von einem der zur Auswahl stehenden 18 deutschen Spitzen-Managern arbeiten müsste. Auf die in der Überschrift genannten 960 Jahre kommt z.B. ein Metall-Facharbeiter in der Entgeltgruppe 5, Stufe B, der inklusive eines Leistungsentgelts von 14 Prozent monatlich 2 532 Euro erhält und sein Entgelt mit dem Jahreseinkommen von Jürgen Schrempp im Jahr 2004 vergleicht. Jürgen Schrempp war 2004 laut Manager-Magazin der bestbezahlte Manager in der Bundesrepublik. Vergleicht der gleiche Metall-Facharbeiter sein Gehalt mit dem des Siemens-Chefs, so muss er „nur noch“ 592 Jahre und 4 Monate arbeiten, um auf das gleiche Gehalt zu kommen.
Die Zahlen des ultimativen Gehaltsrechners beziehen sich auf das Jahr 2004 und stammen aus dem Manager-Magazin (Ausgabe Juli 2005). Die Gehaltssteigerung von 30 Prozent, die sich der Siemens-Vorstand genehmigt hat, ist also in dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt. Da dürften noch mal ein paar Jahrzehnte Mehrarbeit dazu kommen.
In der Hoffnung, dass alle die dort ihr Gehalt vergleichen, von den Tarifverträgen der IG Metall profitieren, wird das Monatsgehalt auf das 13fache heraufgerechnet. Wenn nicht, sieht es noch schlimmer aus.
Dass das Gehalt eines Managers in keinem Verhältnis zu seinen Leistungen steht muss, lässt sich z.B. im Artikel von Wikipedia über den genannten Jürgen Schrempp nachlesen. Gleichgültig aus welcher Perspektive man seine Leistungen beurteilen mag, das Ergebnis bleibt mäßig. Aktionäre beurteilen die Leistungen eines Managers in erster Linie nach der Entwicklung des Aktienkurses, bei einem erklärtem Anhänger des Shareholder Value wie Jürgen Schrempp wohl nahe liegend. Allerdings stieg der Aktienkurs während seiner Amtszeit nur leicht von 30 auf 35 Euro und damit erheblich schwächer als der Markt. Arbeitnehmer beurteilen die Leistung eines Managers anders, aber da kommt Schrempp erst recht nicht gut weg. 1989 wurde er Vorstandsvorsitzender der neu gebildeten Daimler-Tochter DASA. Um deren Verluste zu reduzieren, begann er ein radikales Kostensenkungsprogramm, „Dolores“ (Dollar Low Rescue) genannt. 16.000 Angestellte wurden entlassen.
Dass Spitzenmanager auch ein ordentliches Einkommen haben sollen, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass sie heute vielfach das 400- oder 600-fache Gehalt eines Facharbeiters bekommen, steht allerdings in keinerlei Relation. Der Verdacht, dass der Begriff „Verdienst“ längst nichts mehr damit zu tun hat, was jemand „sich verdient hat“, liegt auch beim Blick auf die Gehälter anderer so genannter Spitzenmanager nahe.


