Wenn Arbeitgeber sich was wünschen dürften, dann wäre das Weihnachts- und Urlaubsgeld futsch, aber dafür dürften die Beschäftigten fünf Stunden länger arbeiten - natürlich für umsonst. Das glauben Sie nicht? Ist aber so, der Verband der Holzindustrie und Kunststoffverarbeitung hat die entsprechenden Tarifverträge gekündigt und seine Forderungsliste an die IG Metall geschickt.
Per Einschreiben gegen Rückschein hat der Verband den Manteltarifvertrag für den Bereich der Möbelindustrie, die Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie einschließlich Kunststoffindustrie sowie verwandter Industriezweige für Bayern und den Tarifvertrag zu den betrieblichen Sonderzahlungen (sprich: Urlaubs- und Weihnachtsgeld) gekündigt.
Doch damit nicht genug: Die Arbeitgeber hätten von ihren Beschäftigten auch gerne noch bis zu fünf unbezahlte Stunden Mehrarbeit pro Woche. Im Arbeitgeber-Deutsch ließt sich dass dann, wie folgt: „Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 5 Stunden. Davon abweichend kann auf betrieblicher Ebene im Rahmen von freiwilligen Betriebsvereinbarungen eine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit zwischen 30 und 40 Stunden vereinbart werden. Bezahlt wird die vereinbarte Stundenzahl bis zu einer Höchstgrenze von 35 Stunden. Darüber hinaus erfolgt kein Entgeltausgleich.“
In der bayerischen holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie sind etwa 45.000 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt, die jetzt um ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld zittern müssen. Dabei wird in der Branche nach einer jahrelangen Flaute wieder Geld verdient - aber nur von den Unternehmern. In den letzten Jahren hatten die Beschäftigten in sehr vielen Betrieben durch Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder unbezahlte Arbeit wesentliche Beiträge zum Unternehmensergebnis beigetragen. Die IG Metall war dabei immer Gesprächs- und Verhandlungsbereit. Die Kündigung der beiden Tarifverträge und die Forderungen sind ein zynischer Schlag in das Gesicht der Beschäftigten.



