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24.06.2008
Halbfinale

Ganz Fußball-Deutschland und viele tausend hier lebende türkische Kolleginnen und Kollegen fiebern dem Mittwochabend entgegen: Da steigt bei der Europameisterschaft das Halbfinale Deutschland gegen die Türkei. Der Bezirksleiter der IG Metall in Bayern, Werner Neugebauer, fordert alle Unternehmen mit Spätschichten auf, den Mitarbeitern vor dem Halbfinalspiel rechtzeitig freizugeben.

„Ich empfehle jedem Arbeitgeber dringend, den Mitarbeitern zu erlauben, während des Spiels die Arbeit ruhen zu lassen. Daran geht Deutschland ökonomisch nicht kaputt. Es gibt genügend Wege, die Stunden nachzuholen“, sagte Neugebauer der Bild-Zeitung. Er plädierte für flexible Regelungen, die es den Beschäftigten ermöglichen bei dem EM-Halbfinale mitzufiebern. Eine Möglichkeit wäre z. B. – wenn Beschäftigte dies wünschen – eine Verrechnung mit dem Arbeitszeitkonto.

 

Einige Firmen gehen bereits mit gutem Beispiel voran, dort endet die Spätschicht am Mittwoch früher als üblich. Unter anderem ließen die Unternehmen Porsche, Opel, ABB und Alstom ihre Mitarbeiter in den deutschen Werken früher gehen, berichtete die „Bild“-Zeitung.

 

Zuvor hatte bereits Daimler-Chef Dieter Zetsche angekündigt, dass alle Mitarbeiter in den deutschen Werken das Spiel Deutschland gegen Türkei verfolgen können. Zetsche ist in Istanbul geboren, sein Vater war in der Türkei am Bau eines Staudammprojektes beteiligt. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass der Daimler-Chef schneller als andere entschieden hat, der Belegschaft das Daumendrücken vor dem Fernseher zu ermöglichen.

 

Flexible Regelungen bei BMW, Siemens und Audi

Zumindest bei den Großen der Branche stieß Neugebauer mit seiner Anregung auf offene Ohren. BMW, Audi und Siemens haben beschlossen, dass ihre Schichtarbeiter die Möglichkeit haben sollen, das Spiel live zu verfolgen. Bleibt zu hoffen, dass weitere Betriebe folgen.

 

Bei BMW endet die Spätschicht am Mittwoch in allen deutschen Werken ausnahmsweise schon um 19.00 Uhr statt um 24.00 Uhr. Damit sollen alle Mitarbeiter die Möglichkeit haben, rechtzeitig zu der Partie zu Hause zu sein. „Da ist der Erregungszustand bei den Mitarbeitern so hoch, dass es zu Effizienzeinbußen kommen könnte,“ sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die fünf Stunden Fehlzeit müssen die Mitarbeiter allerdings später nacharbeiten.

 

Bei Audi hat sich der Betriebsrat mit der Unternehmensleitung auf veränderte Schichtzeiten aufgrund des EM-Halbfinales geeinigt. Die Spätschicht arbeitet am 25. Juni von 14.30 Uhr bis 20.30 Uhr und die Dauernachtschicht am 26. Juni von 00:00 Uhr bis 6:00 Uhr.

 

Bei Siemens ermöglichen die flexiblen Arbeitszeiten den Schichtarbeitern das EM-Halbfinale mitzuerleben. Dort, wo im Schichtsystem in der Fertigung gearbeitet werde, gebe es meist Aufenthaltsräume mit Fernsehern, in denen sich die Beschäftigten nach Absprache untereinander das Spiel anschauen könnten, zitiert dpa einen Siemens-Sprecher. Auch bei Siemens müssen etwaige Fehlzeiten anschließend nachgearbeitet werden, bzw. mit dem Arbeitszeitkonto verrechnet werden.

 

Damit können zumindest die Beschäftigten dieser drei Betriebe live verfolgen welche der beiden Mannschaften ins Endspiel am Sonntag in Wien einzieht. Ob die Deutsche Nationalmannschaft zum bisherigen 4-4-2-System zurückkehrt oder am ungewohnten - aber im Spiel gegen Portugal so erfolgreichen - 4-2-3-1- System festhält, wie die Türken ihre vielen Ausfälle verkraften können und ob Nationaltrainer Fatih Terim seine Ankündigung wahr macht, gegen Ende des Spiels den 3. Torhüter als Feldspieler einzusetzen, das alles und noch viel mehr wird bis Mittwochabend sicherlich noch für ausreichend Gesprächsstoff sorgen.

 

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