Die "größte politische Kundgebung seit Jahrzehnten in München" (die stellvertretende bayerische DGB-Vorsitzende Heide Langguth) brachte am vergangenen Samstag über 30.000 Menschen auf den Marienplatz. Bundesweit gingen rund 220.000 auf die Straße.
In München mussten die Teilnehmer der Hauptkundgebung auf dem Marienplatz wiederholt weiter zusammenrücken, als deutlich nach Beginn immer noch Teilnehmerzüge auf den Platz strömten - der Aktionstag des DGB kann ohne Wenn und Aber als Erfolg bezeichnet werden - dass die kritisierten Politiker der großen Koalition scharf und inhaltlich bisweilen erkennbar an den Tatsachen vorbei reagierten, unterstreicht diesen Eindruck nur noch.
Schon bei den Auftaktkundgebungen hagelte es Kritik an den Plänen der Regierung. Am Münchner Gewerkschaftshaus sprach unter anderem Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer einen der vielen wunden Punkte an, als er forderte, die "Fehlentscheidung" der Rente mit 67 rückgängig zu machen und statt dessen angesichts der 4,3 Millionen Arbeitslosen über Arbeitszeitverkürzung und flexible Ausstiegsmöglichkeiten nachzudenken. "Mag ja sein, dass Politiker erst mit 60 Jahren ihre Arbeitstemperatur erreicht haben. Aber wer 40 Jahre lang am Band gestanden hat, weiß, was er getan hat!", wetterte Neugebauer.
Nicht nur in der Ansprache des bayerischen DGB-Vorsitzenden Fritz Schösser spielte bei der Kritik am immer rücksichtloseren Verhalten der Wirtschaft das aktuelle Beispiel Siemens beziehungsweise BenQ eine Rolle. Er griff besonders die Situation in Bayern an und fragte "Wo steckt der bayerische Ministerpräsident, wenn es darum geht, der Allianz, Siemens, Telekom und anderen Konzernchefs den Marsch zu blasen, wenn sie Arbeitsplätze leichtfertig vernichten und die Produktion wichtiger Technologien am Standort Bayern eliminieren, wie zuletzt bei BenQ?" Starker Applaus auf diese Frage kam nicht nur von zahlreichen durch ihre lila T-Shirts erkennbaren BenQ-Beschäftigten.
Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und Hauptredner in München, brachte die Stimmung auf den Punkt: man sei es "leid, dass immer auf den Ärmsten der Gesellschaft rumgeknüppelt" werde. Entgegen vieler Vorurteile sei man durchaus für angesichts der ökonomischen Realität erforderliche Reformen zu haben, aber Reformen mit falschem Ansatz müssten vom Tisch.



