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18.04.2008
Gekaufte Pseudogewerkschaften

Siemens hat es gemacht, die PIN-Group und Aldi-Nord auch. Aber nicht nur die AUB, sondern offenbar auch andere Pseudogewerkschaften scheinen entdeckt zu haben, dass sich mit Dienstleistung der ganz besonderen Art gute Geschäfte machen lassen. „Report Mainz“ hat mit versteckter Kamera „Tarifverhandlungen“ mit der „DHV“ gefilmt, einer Einzelgewerkschaft des „Christlichen Gewerkschaftsbundes“.

Wer legt eigentlich Löhne fest? Ganz einfach, denkt man, Arbeitgeber und Arbeitnehmer setzen sich an einen Tisch und verhandeln. Tarifverhandlungen nennt man das. Was aber, wenn die Arbeitnehmervertreter gar nicht die Interessen der Arbeitnehmer vertreten, sondern mit den Arbeitgebern unter einer Decke stecken und plötzlich Dumpinglöhne als Ergebnis rauskommen?

 

Weihnachts- und Urlaubsgeld streichen, Gehalt kürzen – alles kein Problem, mit dem „richtigen“ Verhandlungspartner

Gibt es nicht? Gibt es doch, haben Thomas Dauser und Gottlob Schober von „Report Mainz“ herausgefunden. Die Reporter gaben sich als Unterhändler eines finanzstarken Investors aus machten ihren Test bei einem Treffen mit dem hohen Funktionär der DHV. Sie erzählten, dass sie in der Lausitz ein städtisches Pflegeheim übernehmen wollen und Billiglöhne bräuchten. Sie packten den Tarifvertrag aus, den die angeblichen Investoren von der „Christlichen Gewerkschaft“ unterschrieben haben wollten. Die Mitarbeiter sollen nachts ohne Zuschläge arbeiten, sonntags auch, Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll gestrichen werden und das Gehalt um etwa 20 Prozent niedriger sein als üblich – offenbar alles kein Problem, wenn der Arbeitgeber den „richtigen“ Verhandlungspartner hat.

 

„Gewerkschaftsmitglieder“ die organisiert der Arbeitgeber

Auch als die Reporter dem DHV-Vertreter berichten, dass es in dem Betrieb kein einziges DHV-Mitglied gibt, stellt das offenbar für „Tarifverhandlungen“ kein Hindernis dar. Die Mitglieder so „vier-fünf DHV-Mitglieder wären schon wichtig“, die organisiert einfach der Arbeitgeber. Und das scheint öfters so zu funktionieren. Das legt das Rundschreiben eines Rettungsdienstes nahe, das REPORT MAINZ vorlag: Mitarbeiter, die Mitglied der DHV geworden sind, bekommen vom Arbeitgeber eine vereinbarte Einmalzahlung von 650 Euro. Der Arbeitsrechtler Prof. Peter Schüren sagte dazu in der Sendung: „Ich nenne es Korruption, ja. Wenn man sich von der Gegenseite finanzieren lässt als Gewerkschaft, ist das Korruption.“

 

Die „Report-Sendung“ lief schon am 7. April. Als Video ist der Beitrag im Internet unter reportmainz.de zu sehen. Zum Sendungsprotokoll geht es hier.

 

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