Vereinbarung für die Leiharbeitnehmer bei BMW
(Pressedienst 57 / 2007) „Jetzt muss Schluss sein, mit dem Missbrauch von Leiharbeit“ sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel mit Blick auf das Ausmaß an Leiharbeit in der Metall- und Elektroindustrie. Leiharbeit diene längst nicht mehr nur dazu, Auftragsspitzen aufzufangen.
„Wir nehmen es nicht hin, dass Stammbelegschaften durch Leiharbeit verdrängt werden und es Beschäftigte erster und zweiter Klasse gibt. Hier muss der Grundsatz gelten: Gleiches Geld für gleiche Arbeit“, sagte Wetzel auf einer Konferenz von 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte der IG Metall Bayern am Dienstag in Fürth.
Von der Politik forderte Wetzel mehr Verantwortung gegenüber Leiharbeitnehmern und eine wirksame Regulierung. „Die Politik ist in der Pflicht, sich um die Menschen zu kümmern. Ungeschützte prekäre Arbeit kann kein Leitbild für unsere Gesellschaft sein.“ Wetzel kündigte an, die IG Metall werde das Thema Leiharbeit „aktiv, konsequent und dauerhaft anpacken.“
Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer unterstrich, die IG Metall wolle die Leiharbeit nicht abschaffen: „Wir sehen sie als Ventil für Produktionsspitzen. Aber sie darf kein Ersatz für dauerhafte Arbeitsplätze sein. Manche Leiharbeiter machen seit vielen Jahren denselben Job. Das hat nichts mehr mit Produktionsspitzen zu tun“, betonte Neugebauer.
Die IG Metall Bayern werde sich verstärkt der Probleme der Leiharbeiter annehmen kündigte Neugebauer an und verwies in diesem Zusammenhang auf das positive Beispiel des Tarifvertrages der IG Metall Bayern mit Adecco für die Leiharbeitnehmer bei Audi (siehe auch Pressedienst 48 / 2007) und die soeben unterschriebene Vereinbarung zwischen der BMW AG und dem BMW-Gesamtbetriebsrat (GBR).
Vereinbarung für die Leiharbeitnehmer bei BMW
Die BMW AG und der GBR haben vereinbart, dass der Konzern künftig nur noch mit Personaldienstleistern zusammenarbeiten wird, die sich bei der Entlohnung ihrer Beschäftigten bei BMW an den einschlägigen Tarifentgelten der Metall- und Elektroindustrie orientieren. Die Vereinbarung mit BMW, die der Betriebsrat gemeinsam mit der IG Metall erstritten hat, bedeute für viele Leiharbeitnehmer eine Steigerung ihrer bisherigen Entgelte von bis zu 50 Prozent und mehr, betonte Neugebauer und sagte: „Leiharbeit darf es nur noch auf der Basis unserer Tarifverträge geben, das werden wir durchsetzen, wenn es sein muss Betrieb für Betrieb, Zeitarbeitsfirma für Zeitarbeitsfirma.“
Hans Haumer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im BMW-Werk München: „Basis für die Entlohnung der Leiharbeiter ist künftig das tarifliche Grundentgelt des jeweiligen Tarifgebietes (Bayern, Sachsen, Berlin-Brandenburg). Das bedeutet für die ca. 5 000 Leiharbeiter bei BMW in Bayern neue vereinbarte Entgelte zwischen 11,61 €/Std. und14,82 €/Std im gewerblichen Bereich bzw. zwischen 13,20 €/Std. und 28,17 €/Std. für die Angestellten. (Für Beschäftigte in den anderen Tarifgebieten ergeben sich entsprechend der dortigen M+E-Tarifverträge abweichende Stundensätze). Die BMW AG und GBR werden gemeinsam ein Qualifizierung- und Anforderungsprofil für den Einsatz der Leiharbeitnehmer erstellen, entsprechend der Entgeltgruppen im Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie.“
Die IG Metall Bayern verhandelt in enger Abstimmung und Rückkopplung mit dem IG Metall-Betreuer des Gesamtbetriebsrates der BMW AG, Horst Lischka, mit den Verleihern die entsprechenden Tarifverträge. Lischka zeigte sich optimistisch, dass bis Ende Januar 2008 mit den 15 größten Personaldienstleistern bei BMW entsprechende Tarifverträge abgeschlossen werden können. Lischka: „Damit hätten wir bereits etwa 90 Prozent aller Leiharbeitnehmer bei BMW erfasst. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Beschäftigten bei den Verleihfirmen in der IG Metall organisieren und wir dadurch ein starkes Verhandlungsmandat erhalten.“
Lischka kündigte an, dass dazu in den nächsten Tagen in allen BMW-Werken Betriebsversammlungen stattfinden werden, an denen auch die Beschäftigten der Verleihfirmen teilnehmen. Lischka: „Die Vereinbarung, die wir aktuell mit BMW abgeschlossen haben, ist ein wichtiges Signal für andere Betriebe und Konzerne.“
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