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22.07.2009
Kreditvergabe: Wo klemmt es eigentlich wirklich?

Gibt es nun eigentlich eine Kreditklemme, oder nicht? Die Banken weisen das weit von sich. Der „Bundesverband mittelständische Wirtschaft“ wirft den Banken vor, sie würden das Problem verniedlichen und Nebelkerzen werfen.

Nebelkerzen und hohe Zinsen

,,Die Privatbanken verniedlichen die zur Zeit bestehende Kreditklemme und werfen Nebelkerzen bei der Lösung des Problems", sagte Mittelstandspräsident Mario Ohoven. Er reagierte damit auf Äußerungen des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB), Hans-Joachim Massenberg. Massenberg hatte erklärt, dass der Kreditbestand um fünf Prozent gewachsen sei. Das sei ein rein statistischer Wert, der darüber hinwegtäusche, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen nach wie vor große Probleme hätten, an Kredite zu kommen, kontert der Mittelstandspräsident Ohoven.

Ohoven kritisierte außerdem die viel zu hohe Zinsbelastung bei Firmenkrediten. Auch wenn der Bankenverband eine Senkung der Kreditzinsen um 2,8 Prozent errechnet habe, spiegele das noch lange nicht den Zinsvorteil wider, den die Banken von der EZB erhalten haben.

Kreditkonditionen deutlich verschärft

„Fakt ist, dass die Banken ihre Kreditkonditionen im Zuge der Finanzkrise deutlich verschärft haben. Allerdings sind höhere Zinsen und Sicherheiten in Rezessionsphasen durchaus üblich, um die gestiegenen Kreditausfallrisiken abzufedern. Dass die Banken niedrigere Leitzinsen und günstige Refinanzierungsmittel der Europäischen Zentralbank nur zu ihrem eigenen Vorteil nutzen und nicht an Unternehmen und Privatkunden weitergeben, ist jedoch inakzeptabel. Besonders skandalös und arbeitsmarktpolitisch kontraproduktiv ist, wenn Banken ihre Kreditzusagen an Entlassungen und Lohnkürzungen koppeln“, bewertet Wirtschaft aktuell die aktuellen wirtschaftspolitischen Analysen der IG Metall, die Situation auf dem Kreditmarkt.

Banken- und Wirtschaftsverbände sowie die Bundesregierung sind sich einig, dass es keine flächendeckende Kreditklemme in Deutschland gibt. Nichts desto trotz erschweren die Verschärfungen der Konditionen die Kreditaufnahmen für Unternehmen. Bei der Unternehmensbefragung der KfW 2009 gaben 35,4 Prozent der befragten Unternehmen an, dass der Zugang zu Krediten sich verschlechtert habe. Dies waren sechs Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Höhere Zinsen, Anforderungen an Dokumentation, mehr Sicherheiten und langwierige Bearbeitungsdauer werden in der Unternehmensbefragung als Hauptgründe für den erschwerten Zugang zu Krediten genannt.

Offenbar gibt die Unternehmensgröße den Ausschlag, bei der Frage, welcher Betrieb zu welchen Konditionen noch Kredite bekommt. Der Mittelstand habe zur Zeit noch die wenigsten Schwierigkeiten. Allerdings seien einige Bereiche mehr betroffen als andere, wie zum Beispiel der Maschinenbau, schreibt Wirtschaft aktuell. Kleine Unternehmen haben das Problem, dass sie generell über geringere Puffer verfügen. Abhängig von ihrer Stellung in der Wertschöpfungskette kann sich das Problem unter Umständen noch verschärfen. Diese Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, höhere Kapitaldienste zu leisten. Außerdem fehlt Ihnen zumeist der Zugang zu alternativen Finanzierungsmöglichkeiten (zum Beispiel zum Finanzmarkt).

Es ist nicht erkennbar, dass sich die Banken in der Pflicht sehen, die Realwirtschaft verstärkt mit finanziellen Mitteln zu versorgen. Sie nutzen die Hilfestellungen zwar selbst kräftig aus, geben aber davon kaum etwas an ihre Kunden weiter. Zinssenkungen kommen nicht beim Kreditnehmer an. Den positiven Saldo aus Zinseinnahmen und –ausgaben nutzen sie aus, um ihre eigenen Bilanzen wieder etwas aufzupolieren.

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