Takata Petri will die Lenkradproduktion nach Arad (Rumänien) verlagern. Betroffen wären insgesamt 368, Arbeitsplätze, davon 335 in Aschaffenburg. Seit dem 24. September 2009 führen Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall Gespräche über die beabsichtigte Verlagerung. Jetzt haben die Arbeitnehmervertreter Vorschläge zum Umbau des Lenkradwerkes vorgelegt.
Wie bereits berichtet, sollen in Aschaffenburg 335 Arbeitsplätze in 2010 und 2011 abgebaut werden und das Herzstück des Werkes 1 im Bahnweg in Aschaffenburg-Schweinheim soweit reduziert werden, dass eine Serienfertigung nicht mehr möglich ist. Beide Seiten haben sich bei einigen Maßnahmen angenähert. Trotz guter Verhandlungsatmosphäre stehen sich die Verhandelnden bei den Kernthemen Lenkradfertigung, Logistik und der Zuordnung der Gemeinkosten mit grundsätzlich unterschiedlichen Positionen gegenüber, erklärte Herbert Reitz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg.
Acht konkrete Vorschläge
Die Verhandlungsdelegation der Arbeitnehmer hat zur Sicherung der Kernkompetenzen Lenkrad, der Erhaltung des Industriestandortes und der Sicherung von Beschäftigung auch für kommende Generationen acht konkrete Vorschläge der Geschäftsleitung unterbreitet, die die Rentabilität des Werkes wesentlich verbessern soll und die Renditeerwartung absichert. Norbert Elbert, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Takata Petri AG, präsentierte die Kernpunkte der notwendigen Veränderungen.
Die vorhandene Lenkradfertigung bleibt in Aschaffenburg, der Prozess der Automatisierung wird fortgesetzt, Lenkräder, die automatisiert gefertigt werden können, werden Zug um Zug nach Aschaffenburg zurück verlagert und eine zweite automatische Fertigungslinie wird aufgebaut.
Im Werk 1 der Takata Petri wird eine Fertigungslinie für Airbags im Sinne einer Onlinefertigung für das Werk 2 aufgebaut. Damit sollen Produktionsspitzen im Werk 2 abgefangen und zugleich Beschäftigung bei fortgesetzter Automatisierung in der Lenkradfertigung gesichert werden.
Die Entwicklungsarbeiten zur Produktion eines Kunststofflenkrades sind fortzusetzen und die automatisierte Fertigung ist in Aschaffenburg zu konzentrieren.
Innerhalb der nächsten fünf Jahre sind Maßnahmen einzuleiten, um in Aschaffenburg die Seatbeltfertigung in automatischer Produktion aufzubauen. Die gegenwärtige manuelle Fertigung in Rumänien ist hochdefizitär und gefährdet nach Ansicht der Arbeitnehmer die Substanz des Gesamtunternehmens.
Die Logistik im Werk 1 der Takata Petri ist zu erhalten und zu optimieren. Beispielhaft sind die gelungenen Optimierungen im Werk 2.
Die Organisation der Entwicklungstätigkeiten ist zu straffen und an den marktfähigen Produkten auszurichten. Die Arbeitnehmer erwarten eine klare Aufgaben- und Produktzuordnung. Hier sind wesentliche Verbesserungen möglich.
Die Zuordnung der Gemeinkosten muss verändert werden, das gilt für die Fertigungsgemeinkosten am Standort, wie auch für die Kosten für Leistungen anderer Werke.
Die Overheadkosten sind zu senken, die Konzernzentrale ist zu verschlanken, die Einkommensniveaus sind anzupassen.
Die Verhandlungskommission der Takata Petri AG hat nach einer ersten Bewertung zugesagt, die Vorschläge zu prüfen. Einige Punkte bedürfen der weiteren Konkretisierung, erklärte Norbert Elbert.
Beide Seiten verständigten sich auf die Fortsetzung der Gespräche am 09. Oktober 2009. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die Prüfungen soweit fortgeschritten sein, dass wesentliche Elemente in die Verhandlungen einfließen können.



