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15.02.2008
Wo bleibt das Ergebnis?

Nicht vorstellbar, dass eine Gewerkschaft eine Urabstimmung durchführt und zwei Wochen später immer noch kein Ergebnis vorliegt. Bei anderen Berufsverbänden ist das offenbar anders: Der Bayerische Hausärzteverband hat am 30.01. in Nürnberg eine Abstimmung über die geplante Rückgabe der Kassenzulassung abgestimmt – ein Ergebnis gibt es bis heute nicht.

Aus Protest gegen angeblich zu niedrige Honorare wollen bayerische Hausärzte ihre Kassenzulassung zurückgeben, aber nur, wenn sich in jedem Regierungsbezirk mehr als 70 Prozent der Hausärzte am Ausstieg beteiligen, werde der Ausstieg perfekt, teil der Bayerische Hausärzteverband mit. Denn dann hätten die Krankenkassen keine andere Möglichkeit, als sofort neue Verträge abzuschließen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten.

 

Der Hausärzteverband hat noch immer nicht die Frage beantwortet, die er selbst aufgeworfen hat: Wie viele Hausärzte haben in Nürnberg für eine Rückgabe ihrer Kassenzulassung gestimmt? Diese Zahl wollte der Landesvorsitzende, Wolfgang Hoppenthaller unmittelbar nach der Veranstaltung bekannt geben.

 

Eine mögliche massenhafte Rückgabe der Kassenzulassung hätte gravierende Folgen für die Patienten, Kassenpatienten müssten dann privat bezahlen. Deshalb hat der bayerische DGB-Vorsitzende, Fritz Schösser, der auch alternierender Vorsitzender des AOK-Verwaltungsrates in Bayern ist, die geplante Rückgabe der Kassenzulassung scharf kritisiert: Es sei verantwortungslos und mit dem Ethos eines Heilberufes unvereinbar, wie auf dem Rücken von Patienten und Beitragszahlen eine Drohkulisse aufgebaut würde, um die finanziellen Interessen einer einzelnen Arztgruppe durchzusetzen. Die Hausärzte dürften auch die finanzielle Situation der Beitragszahler nicht aus den Augen verlieren, so der bayerische DGB-Vorsitzende. (Siehe auch: in Verbindung stehende News)

 

Offene Briefe

Auf die Kritik des bayerischen DGB-Vorsitzenden hat der Landesvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes Wolfgang Hoppenthaller mit einem offenen Brief reagiert, in dem er die Gesetzliche Krankenversicherung als „Zwangssystem“ bezeichnet, sich aber weiterhin weigert, das Ergebnis der Abstimmung in Nürnberg bekannt zu geben, dieses „werden wir Ihnen zu gegebener Zeit mitteilen“.

 

In seiner Antwort auf den offenen Brief des Hausärzteverbandes an den DGB-Bayern schreibt Fritz Schösser:, wer wie Herr Hoppenthaller vom Gesundheitswesen als einem „totalitären System“ (Deutsches Ärzteblatt, 8.2.2008) spreche oder die Gesetzliche Krankenversicherung als „Zwangssystem“ (Offener Brief Hoppenthaller, 11.02.2008) bezeichne, der habe „jegliches Recht verloren für Versicherte und Patienten zu sprechen“. Schösser forderte erneut die Offenlegung des Abstimmungsergebnisses von Nürnberg ein.

 

Dabei verkenne er (Schösser) nicht die oft schwierige Situation von jungen Medizinern insbesondere im ländlichen Raum: „Ein guter Hausarzt darf nicht um seinen guten Lohn gebracht werden, deshalb hat die AOK Bayern einen Vertrag mit den bayerischen Hausärzten abgeschlossen, mit dem sich die Allgemeinmediziner durchschnittlich 12 Prozent besser stellen als in anderen Bundesländern.“

 

Durcheinander bei den Zahlen

In seinem Schreiben behauptet Hoppenthaller, in Nürnberg seien mehr als 7 000 – also nahezu 90 Prozent der bayerischen Hausärzte anwesend gewesen. Wenn diese Zahl stimmen sollte, müsste der Hausärzteverband jetzt doch eigentlich ein vollständiges Bild über die Austrittsbereitschaft seiner Mitglieder haben.

 

Auf seiner Homepage schreibt der Hausärzteverband, er habe derzeit 6 700 Mitgliedern und repräsentiere damit knapp 70 Prozent der bayerischen Hausärzte. Wenn 6 700 Mitgliedern 70 Prozent sind, dann können 7 000 Teilnehmer in Nürnberg nicht 90 Prozent sein - irgendetwas stimmt da nicht. Vielleicht ist es diese Schwierigkeit im Umgang mit den Zahlen, die den Hausärzteverband bis heute hindert das Abstimmungsergebnis endlich bekannt zu geben und so die Patienten weiter in Unsicherheit lässt.

 

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