So überraschend die Bekanntgabe der Personalabbaupläne vergangene Woche kam, so schnell reagieren die empörten Beschäftigten: Bei Betriebsversammlungen und Kundgebungen machten am Dienstag Morgen von Hamburg bis München und Berlin bis Düsseldorf mehrere Tausend ihrer Wut Luft.
Bundesweit an allen NSN-Standorten einheitlich um neun Uhr informierten Betriebsräte und IG Metall die Belegschaften über das, was allgemein schon als "Kahlschlag" bezeichnet wird: NSN will allein in Deutschland bis 2010 knapp 3.000 Stellen abbauen. Handfeste wirtschaftliche Gründe gibt es nicht, der Verdacht liegt nahe, dass es einzig und allein um Profitmaximierung auf dem Rücken der Mitarbeiter geht.
Die aber denken gar nicht daran, da so ohne weiteres mitzuspielen. Im Anschluss an die durchweg sehr gut besuchten Betriebsversammlungen zogen mehrere Tausend frühere Siemensianer durch die Betriebe und vor die Tore, um ein erstes Zeichen gegen den Abbau zu setzen. Dass durch die Vereinbarungen zwischen IG Metall und Siemens bei der Ausgliederung von COM betriebsbedingte Kündigungen bis 2009 ausgeschlossen sind, bedeutet zwar eine gewisse Sicherheit, tut der Wut aber keinen Abbruch: Zum einen entsteht durch die Möglichkeit von Aufhebungsverträge usw. dennoch Druck auf die Beschäftigten, zum anderen kann das kurzfristige Aufpolieren von Geschäftszahlen durch Personalabbau keine tragfähige und nachhaltige Unternehmensstrategie ersetzen.
Nicht nur in der Münchner Martinsstraße zeigten die NSN-Mitarbeiter daher heute der Firmenleitung die gelbe und auch einige rote Karten. In Schreiben an die verantwortlichen Manager appellierten die Beschäftigtenvertreter an das Management, die Abbaupläne zurückzuziehen und statt dessen das hohe Potenzial ihrer Beschäftigten im Sinne einer konstruktiven Unternehmensstrategie einzusetzen.
Wie Betriebsräte und IG Metall-Vertreter betonten, kommt es nun auf den Zusammenhalt in der Belegschaft an - nicht nur unter der Mehrheit ehemaliger Siemensianer, sondern auch mit den Kollegen von Nokia, die zum Teil noch nicht einmal in NSN eingegliedert worden sind. Die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, ob der Widerstand der Beschäftigten weitere Stufen wird steigen müssen; dann gilt es für alle, sich aktiv einzubringen und dem Arbeitgeber gemeinsam zu zeigen, dass seine Pläne in eine Sackgasse führen.



