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23.12.2008
Schlecht beraten

Schlechte Anlageberatung durch Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister kostet die Bundesbürger jedes Jahr 20 bis 30 Milliarden Euro. Falsche Beratung ist eher die Regel als die Ausnahme. Hintergrund der oft schlechten Beratung ist das Provisionsinteresse der Berater, sie verdienen am Verkauf von Finanzprodukten.

Titelbild der Studie

Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine die Studie "Anforderungen an Finanzvermittler – mehr Qualität, bessere Entscheidungen“ die im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums erstellt wurde. Die Studie gibt es als Download (3624 KB) auf den Seiten des Ministeriums.

Unter dem Deckmantel von Kompetenz und Seriosität

"Viel zu oft wird das Vertrauen von Anlegern in den Rat von Finanzvermittlern enttäuscht, zum Beispiel dann, wenn unter dem Deckmantel von Kompetenz und Seriosität ungeeignete Investments als sichere Anlage für die Altersvorsorge verkauft werden", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Das ist nicht hinnehmbar. Die Interessen der Verbraucher sollten im Vordergrund stehen und nicht das Erreichen geschäftsinterner Vertriebsziele von Banken oder anderen provisionsorientierten Finanzdienstleistern", so die Ministerin weiter.

Die Ministerin fordert eine Umkehr der Beweislast zu Gunsten der Anleger. Bisher müssen Anleger beweißen, dass sie falsch beraten wurden. Nach dem Willen der Ministerin sollen künftig die Berater beweißen müssen, dass sie korrekt und umfassen informiert und über alle möglichen Risiken aufgeklärt haben. „Die Kernbotschaft müsste sein, dass die Verbraucher einen Nachweis haben, was der Berater gesagt hat", sagte Aigner.

Aigner regt auch eine Verlängerung der Verjährungsfristen an, die kurze kapitalmarktrechtliche Verjährungsfrist (max. 3 Jahre) solle dazu an die allgemeine zivilrechtliche Verjährungsfrist (max. 10 Jahre) angepasst werden. Aber auch die Strukturen des Vertriebs von Finanzprodukten gehörten auf den Prüfstand.

„systematische Unvollkommenheit“

Das größte Problem für die Verbraucher seien die "systematischen Unvollkommenheiten" bei der Finanzberatung, sagt Marco Habschick, einer der Autoren der Studie, gegenüber dem Hamburger Abendblatt. "Das reicht von einem Chaos bei der Regulierung bis zum provisionsgesteuerten Vertrieb von Finanzprodukten", sagt Habschick. "Die Aufsicht verteilt sich je nach Produkt auf mehrere Behörden und selbst einzelne Produkte werden reguliert, dennoch bleibe der Verbraucher häufig auf der Strecke", beklagt Habschick.

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