(Pressedienst 02 / 2008) Die Kfz-Innung hat alle Tarifverträge gekündigt. Entgelttarifvertrag, Manteltarifvertrag, die Vereinbarung über das Weihnachtsgeld – das alles und noch viel mehr, soll in Zukunft nicht mehr gelten. Die IG Metall will über die Tarifverträge verhandeln, aber hierzu müsste sie ihren Verhandlungspartner kennen.
Das gesamte Kfz-Handwerk in Bayern mit ca 50 000 Beschäftigten in etwa 7 000 Betrieben wird, wenn es nach den Arbeitgebern geht, den tariflichen Schutz verlieren. (siehe auch Pressedienst 60 / 2007).
Mit dieser aktuellen Situation haben sich am Samstag in München 150 Funktionäre aus den Betrieben des Kfz-Handwerks, bei einer Tarifkonferenz der IG Metall Bayern, befasst und über ihr weiteres Vorgehen verständigt. Besonders verärgert zeigten sich die Delegierten über das Versteckspiel der Arbeitgeber.
Die Kfz-Innung hat ihre Satzung geändert und sich für Tariffragen „nicht mehr zuständig“ erklärt. Die neu gegründete Tarifgemeinschaft behauptet zwar öffentlich, sie habe sich einen Flächentarif als Ziel gesetzt, weigert sich aber seit Wochen beharrlich der IG Metall mitzuteilen, welche Arbeitgeber sie denn eigentlich vertritt.
Kay Ohl, Bereichsleiter Tarifpolitik beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt sagte auf der Konferenz: „Die IG Metall verteidigt nicht die Zunftordnung. Flächentarifverträge bieten den Mitgliedern der IG Metall den notwendigen sozialen Schutz. Hierfür bedarf es aber eines Tarifpartners, der auch die Kraft hat, dafür zu sorgen, dass Tarifverträge in der Fläche wirken. Wer Tarifgemeinschaften bildet, ohne seinem Vertragspartner die Zahl und Namen der Betriebe mitzuteilen, entlarvt sich als Taschenspieler, auf dessen Trickserei die IG Metall nicht hereinfallen wird.“
Ohl warnte davor, dass Druck auf die Löhne letztlich auch Auswirkungen auf die Kunden haben werde: „Wenn Kfz-Werkstätten nur auf ‘billig’ setzen, kann dabei keine Qualität herauskommen. Das müssen auch die Kunden wissen.“
Nur wenn diese „Tarifgemeinschaft“ eine repräsentative Anzahl von Betrieben vertritt, ist es sinnvoll über Tarifverträge zu sprechen. Die Beschäftigten im bayerischen Kfz-Handwerk sind zu tiefst verunsichert und verärgert über dieses Wegtauchen der Arbeitgeber. Aber sie sind auch bereit, um ihre Tarifverträge zu kämpfen. Wenn es sein muss: Betrieb für Betrieb. Das haben die vielen Eintritte in die IG Metall gezeigt. Seit der Kündigung der Tarifverträge sind über 1 500 Kolleginnen und Kollegen aus dem Kfz-Handwerk der IG Metall Bayern beigetreten.
Zu den Spielchen der Arbeitgeber sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern: „Wir sind doch hier nicht beim Ostereiersuchen, wo man erst einmal hinter jedem Busch nachschauen muss, ob sich dort vielleicht ein Arbeitgeber versteckt hat. Falls es die Arbeitgeber auf einen Konflikt anlegen, müssen sie sich warm anziehen. Die Kolleginnen und Kollegen sind stinksauer.“





