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28.03.2007
AUB-Chef Schelsky zurückgetreten

Noch Mitte Februar hatte die AUB bekannt gegeben: "Herr Schelsky bleibt weiterhin Chef unserer Organisation." Seitdem hat sich die Affäre um ihn und die Jahrzehnte lang mit fester Hand von ihm geführte AUB rapide ausgeweitet und droht auch Siemens erheblich in Mitleidenschaft zu ziehen. Viel zu spät versucht man nun, durch die Trennung von ihm schwerwiegenden Folgen auszuweichen.

Am 19. Februar wollte AUB-Verbands-sprecherin Traute Jäger noch selbst von einem Ruhen Schelskys Funktionen während des Verfahrens gegen Schelsky nichts wissen. Nach einigen Wochen "schlimmer Zeit" für die anscheinend wohl doch nicht so ganz "Unabhängigen" reagiert die "Anti-Gewerkschaft" endlich so, wie man es von einer weniger autokratisch geführten Organisation deutlich früher erwartet hätte: Schelsky ist nach den jüngsten Entwicklungen von seinem Amt als Bundesvorsitzender zurückgetreten.

 

Zeitnahe Neuausrichtung

 

Seine erste Stellvertreterin Ingrid Brandt-Hückstädt versuchte im Zusammenhang mit der Bekanntgabe dieses Schritts am Dienstag in Nürnberg, wenigstens ansatzweise den Eindruck zu erwecken, die AUB sei durch die Ereignisse seit dem 15. Februar nicht bis ins Mark erschüttert: Die Arbeit werde in vollem Umfang aufrecht erhalten, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung werde man zeitnah einen neuen Bundesvorstand wählen und sich außerdem "vor dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Wochen" als Organisation neu ausrichten.

 

Das Statement klingt tapfer, vermag allerdings eine Tatsache kaum zu verbergen: Der AUB wird nach rund 20 Jahren unbehelligter Alleinherrschaft Schelskys (beispielsweise gab Brandt-Hückstädt selbst an, sie sei über die Finanzierung ihrer Organisation nicht informiert) nicht nur mit einem Schlag ihr zentraler Fädenzieher entzogen, obendrein ;wirft die Art und Weise seines Abgangs auch noch einen dunklen Schatten über die gesamte Organisation.

 

Vertrauen ist gut ...

Wie untrennbar diese mit ihm verbunden war, zeigt schon die offizielle Stellungnahme, mit der die AUB auf ihrer Website nach seiner Verhaftung um weiteres Vertrauen für ihn warb: "Wir drüfen [sic] Sie erinnern, das Wilhelm Schelsky seit nunmehr fast 20 Jahren als ehrenamtlicher AUB-Bundesvorsitzender immer wieder gewählt und ihm damit das Vertrauen der Delegierten attestiert wurde."

 

... Kontrolle wäre besser gewesen

 

Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse wird wohl schon jetzt, vor der juristischen Aufarbeitung der Ära Schelsky, eines klar: Dieses Vertrauen hat er allem Anschein nach aufs Übelste missbraucht. Geprellt wurden nicht nur Beschäftigte bei Siemens und anderen Betrieben, die den flotten Sprüchen der AUB vertrauten; Opfer des Filzes im organisatorischen Überbau sind auch zahlreiche AUB-Betriebsräte, die sich an der betrieblichen Basis in gutem Glauben für eine echte Interessenvertretung engagierten.

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