(Bamberg 14.07.2006) Arbeit, Innovation und Gerechtigkeit sind die zentralen Themen der Bezirkskonferenz der IG Metall Bayern in Bamberg.
„Trotz aller Unkenrufe während der Tarifrunde im Frühjahr 2006, ist die wirtschaftliche Entwicklung in der bayerischen Metallbranche insgesamt positiv“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Erstmals seit fünf Jahren sind 2 000 Beschäftigte mehr in der Metall- und Elektroindustrie Bayern gezählt worden und der Aufwärtstrend dürfte im Jahresverlauf anhalten. Neugebauer berief sich bei seiner Einschätzung auch auf Aussagen des Arbeitgeberverbands.
Diese insgesamt erfreulichen Entwicklungen dürften aber nicht den Blick auf die allgegenwärtigen Herausforderungen vernebeln, mahnte Neugebauer. Beim AEG-Streik in Nürnberg oder bei Infineon in München wurde deutlich, dass auch erfolgreich geführte Kämpfe um Sozialtarifverträge, Verlagerungen und Betriebsschließungen letztendlich nicht stoppen können. Die IG Metall habe dabei ihre Handlungsfähigkeit bewiesen, aber bei der Einschränkung des grenzüberschreitenden Steuer- und Sozialdumpings, sei vor allem die Politik gefordert. Die IG Metall fordert keinen Protektionismus der heimischen Wirtschaft, aber die Herstellung fairer Bedingungen im Standortwettbewerb. Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion widmet sich diesem Thema am zweiten Konferenztag.
Die IG Metall stellt sich den Anforderungen zunehmender Globalisierung und gibt auch tarifpolitische Antworten. Mit den tariflichen Regelungen zur Weiterbildung für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sind wichtige Grundlagen geschaffen worden. Die bundesdeutsche Wirtschaft könne nur mit Innovation und Qualität auf den Weltmärkten konkurrieren, betonte Werner Neugebauer. Das erfordert innovative Unternehmen mit entsprechend qualifizierten Belegschaften. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und alternder Belegschaften ist die offensive Umsetzung des Weiterbildungstarifvertrags eine Zukunftsfrage. Die Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters kritisierte Neugebauer dabei als Rentenkürzungsprogramm, das die Lage zudem verschärfe.
Die beharrlichen Versuche die Einkommen der Arbeitnehmer zu senken, seien ebenfalls keine Zukunftslösung. Gesetzliche Mindestlöhne wären vor allem in den tariflosen Bereichen notwendig gegen die Ausbreitung von Arbeitsverhältnissen, bei denen das Einkommen nicht mehr zum Leben ausreicht.
Die Tarifabschlüsse der IG Metall liegen 2006 über der Preissteigerungsrate und verbessern damit auch die Realeinkommen. Die Möglichkeit einer Differenzierung der tariflichen Einmalzahlungen haben die Unternehmen kaum genutzt. Vereinbart war die Möglichkeit der Erhöhung für Betriebe mit guter Ertragslage, wie auch der Absenkung bei wirtschaftlich schwieriger Situation. Vermehrt gab es, selbst bei ausgewiesener guter Ertragslage, Bestrebungen die Einmalzahlungen abzusenken. Das relativiert die arbeitgeberseitig oftmals gestellte Forderung nach differenzierten Lösungen und gibt für künftige Tarifrunden zu denken. Schon zum Jahresende wird sich die IG Metall bereits wieder auf die Tarifverhandlungen für 2007 vorbereiten. „Dafür sind wir bestens gerüstet,“ so Werner Neugebauer.
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