Die Tarifvertragsparteien der Metall- und Elektroindustrie starten heute in Berlin mit einem Spitzengespräch die Verhandlungen über einen Tarifvertrag „Flexibler Altersübergang“. Es geht jetzt darum, einen Grundstein dafür zu legen, dass auch zukünftig Ältere zu akzeptablen Bedingungen früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden und Jüngere nachrücken können.
In der Metall- und Elektroindustrie bestehen seit 1997 Tarifverträge zur Altersteilzeit. Diese Tarifverträge regeln, dass, entsprechend den Bestimmungen des Altersteilzeitgesetzes, Beschäftigte ab dem 55. Lebensjahr in Altersteilzeit gehen können.
Die Rentengesetzgebung der letzten Jahre hat zu einer massiven Verschlechterung des Rentenniveaus geführt. Ende 2009 läuft zudem noch die im Gesetz verankerte Förderung von Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit aus. Die Tarifverträge der IG Metall zur Altersteilzeit sind an diese Förderung gekoppelt und würden damit ebenfalls ihre Gültigkeit verlieren.
Würden die derzeitigen Tarifverträge zur Altersteilzeit ohne eine Nachfolgeregelung enden, so hätte dies die Konsequenz, dass sich die Altersstruktur der Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in den kommenden Jahren weiter verschiebt, ohne dass jüngere Menschen eingestellt würden. Deshalb hat die IG Metall die Tarifverträge zur Altersteilzeit gekündigt um eine Anschlussregelung zu erreichen.
Die Forderungen der IG Metall richten sich dabei einerseits an die Arbeitgeber, andererseits an die Politik. Von den Arbeitgebern fordert die IG Metall eine Anschlußregelung ab dem Jahr 2010. Von der Politik erwartet die IG Metall, dass die Förderung der Altersteilzeit aufrecht erhalten und die Fehlentscheidungen zur Heraufsetzung des Rentenalters auf das 67. Lebensjahr korrigiert wird.
Denn Altersteilzeit ist nicht nur ein Ausstiegsmodell für ältere Arbeitnehmer, sondern auch ein Einstiegsmodell für jüngere Beschäftigte ins Arbeitsleben. Die Aufstockungsbeträge der Bundesanstalt für Arbeit werden nämlich unter der Voraussetzung gezahlt, dass Arbeitslose oder jüngere Arbeitnehmer in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden. Ein Ende des Altersteilzeitmodells würde diese Beschäftigungsbrücke faktisch zerstören und zu enormen beschäftigungspolitischen Folgen führen.
Wie geht es weiter?
Beim Verhandlungsauftakt in Berlin soll der Rahmen für regionale Verhandlungen abgesteckt werden. Anschließend sollen in allen Tarifgebieten Verhandlungen über die Altersteilzeit aufgenommen werden, da die Altersteilzeit bisher in den einzelnen Tarifgebieten regional vereinbart wurde.
Die große Tarifkommission für die Metall- und Elektroindustrie der IG Metall Bayern hat für die Verhandlungen in Bayern folgende Eckpunkte beschlossen:
- Die IG Metall Bayern will Ausstiegsperspektiven und Planungssicherheit für die Beschäftigten erreichen.
- Die IG Metall Bayern will die Chancen von Jugendlichen auf Ausbildung und Übernahme absichern und verbessern.
- Die IG Metall Bayern will einen tariflich ungeregelten Zustand und die Beschränkung auf einzelbetriebliche Lösungen verhindern.
Die IG Metall strebt ein Verhandlungsergebnis bis zur Sommerpause an.



