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07.08.2009 Von: MJ
Takata Petri: IG Metall ist verhandlungsbereit
Die Takata Petri AG will die Lenkradproduktion von Aschaffenburg nach Arad (Rumänien) verlagern. Die IG Metall startet die Kampagne „Eine Region steht auf, Takata kämpft“. Ziel ist es, den Vorstand davon zu überzeugen, die Lenkradproduktion im Stadtteil Schweinheim aufrecht zu erhalten. Über den Umfang der Produktion besteht durchaus Verhandlungsbereitschaft.
Zusagen nicht eingehalten
Bereits im Jahr 2004 war der Vorstand aufgefordert worden und hatte dies im Aufsichtsrat zugesagt, eine Alternative oder eine zum Lenkrad ergänzende Produktion aufzubauen. Im Gespräch und in der Vorausentwicklung war damals die Lenkradelektronik (Tipp- und Wippschalter) und die Herstellung von Armaturenbrettern für PKW und LKW-Fahrzeuge. Warum diese Entwicklung nicht weiter vorangetrieben wurde, ist der IG Metall nicht bekannt. Mit der jetzigen Entscheidung, die Lenkradfertigung ganz aufzugeben, gefährdet nach Auffassung der IG Metall der Vorstand den gesamten Standort der Takata in Aschaffenburg, denn sowohl die Entwicklung als auch die Airbag-Produktion sind eng mit dem Lenkrad verknüpft.
Anders als in den 80iger und 90iger Jahren bringt die Trennung der Entwicklung von der Produktion keine Synergien mehr. Nur durch eine enge Verknüpfung und Zusammenarbeit zwischen Produktion und Entwicklung entstehen sinnvolle Weiterentwicklungen und effizientere Produktionsverfahren. Nicht nur der Konkurrent TRW verknüpft Entwicklung und Produktion eng miteinander, sondern auch alle anderen Automobilzulieferer in der Region. Das Nilkheimer Werk der Takata produziert hoch automatisiert Fahrer-Airbags, Module also, die in das Lenkrad eingebaut werden. Die notwendigen Abstimmungsprozesse zwischen den beiden Fertigungswerken sind elementar, auch und gerade für die Weiterentwicklung der Airbag-Module. Nicht umsonst hatte Takata die Werkleitung zwischen dem Werk in Nilkheim und Schweinheim zusammengeführt, allerdings vor wenigen Monaten wieder getrennt. Zu vermuten ist, dass es sich dabei um die ersten Vorboten der beabsichtigten Entscheidung gehandelt hat.
Veränderte Kostenbetrachtung
In den letzten Tagen haben sich bei der IG Metall die Informationen verdichtet, dass die in Aschaffenburg produzierten Lenkräder mit zusätzlichen Kosten belastet werden (indirekte und Overhead-Kosten), um bewusst und zielgerichtet die Produktionskosten negativ im Verhältnis zu den Produktionskosten im Takata -Werk in Arad / Rumänien erscheinen zu lassen. Hierzu seien die Vorgesetzten in den letzten Monaten zu einer veränderten Kostenbetrachtung angewiesen worden. Wenn sich diese Informationen bestätigen, dann ist dies ein ungeheuerlicher Vorgang.
In der nächsten Woche findet eine Betriebsversammlung statt, da wird sich das zuständige Vorstandsmitglied auch hierzu einige Fragen gefallen lassen müssen.
Nach den der IG Metall vorliegenden Informationen erwirtschaftet der Standort Arad in Rumänien keinen wesentlichen Beitrag für den Konzern. Jeder verantwortliche Vorstand würde in vergleichbarer Situation die Produktion Schritt für Schritt zurückholen und dort ansiedeln, wo die Kernkompetenzen zu Hause sind.
Mit langem Atem in die Auseinandersetzung
Im Gegensatz zur Darstellung des Vorstandes ist der Lohnkostenanteil am Lenkrad in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Bei der jetzt getroffenen Entscheidung des Takata Vorstandes geht es offenbar nicht um die direkten Lohnkosten, sondern um die indirekten Kosten und die der Europazentrale, die den Lenkrädern zugeordnet werden.
Die IG Metall wird mit einem sehr langen Atem die Auseinandersetzung bei Takata bis zu einem vertretbaren Ergebnis führen. Vertretbar ist und bleibt die Lenkradfertigung in Aschaffenburg - Schweinheim, erklärte der erste Bevollmächtigte der IG Metall, Herbert Reitz.
Er rechnet damit, dass es in der nächsten Woche bei Takata zu den ersten Aktionen kommt. Nach Informationen des Rathauses wird voraussichtlich am 20. August 2009 der von MdL Bausback (CSU) angeregte „runde Tisch“ stattfinden.
Wie Bürgermeister Elsässer, der zur Zeit den urlaubsabwesenden OB Klaus Herzog vertritt, bestätigte, laufen die Vorbereitungen für ein Treffen der Abgeordneten aller Parteien und den politisch Verantwortlichen des Stadt- und des Landkreises Aschaffenburg.
 

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