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27.01.2010
Pfleiderer: schon wieder Sparkurs auf Kosten der Belegschaft?

Die Situation bei Pfleiderer, einem Systemanbieter für Holzwerkstoffe, Oberflächenveredelung und Laminatfußböden in Neumarkt i.d. Oberpfalz, ist angespannt. Die Geschäftsleitung will schon wieder bei den Beschäftigten sparen und forderten einen Beitrag der Belegschaft. Sie drohte damit, dass es zu massiven Entlassungen kommen werde, falls die IG Metall keine weiteren Zugeständnisse mache.

Produktion von LAminat bei Pfleiderer<br>Bild: Pfleiderer AG<br>Alle Rechte vorbehalten

Produktion von LAminat bei Pfleiderer
Bild: Pfleiderer AG
Alle Rechte vorbehalten

Die Firmenleitung konnte in den vergangenen Wochen die Banken aber davon überzeugen, die Finanzierung des Unternehmens bis 2013 sicherzustellen. Das ist teuer geworden – ein „kleiner zweistelliger Millionenbetrag“, wie Vorstandsvorsitzender Hans Overdiek mitteilte. Zusätzlich zu den 800 Millionen Euro Verbindlichkeiten, die den Konzern sowie schon drücken. Was heißt das für die Beschäftigten? Nicht viel Gutes. Denn sparen will die Firmenleitung, wie immer, vor allem an den Kolleginnen und Kollegen. Konkret geht es um den Ergänzungstarifvertrag II (ETV II), den die IG Metall mit Pfleiderer vor zweieinhalb Jahren abgeschlossen hat.

Ein Beitrag zur Sanierung

Dieser Vertrag sieht vor, dass die Beschäftigten drei Stunden pro Woche unbezahlt länger arbeiten, um zur Sanierung des Unternehmens beizutragen. Im Gegenzug hat sich die Geschäftsleitung zu einer Beschäftigungssicherung verpflichtet, das heißt, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Bestandteil des Ergänzungstarifvertrags ist auch, dass die unbezahlten Mehrarbeitsstunden nach einem Stufenplan abgebaut werden. Für 2010 ist die letzte Stufe fällig, es werden also alle 38 Arbeitsstunden voll bezahlt. Dazu kommt eine Lohnerhöhung von 0,5 Prozent. Im Dezember 2009 suchte die Geschäftsleitung das Gespräch mit dem Tarifpartner, also der IG Metall. Dem Unternehmen ging es um die Verschiebung dieser letzten und dritten Stufe um ein Jahr. Um Zeit zu gewinnen, erklärte sich die Gewerkschaft zunächst zu einer Aussetzung für zwei Monate bereit. In einer weiteren Verhandlungsrunde kam die Verhandlungskommission der IG Metall der Geschäftsleitung noch weiter entgegen. Die IG Metall erklärte sich bereit, auf die 0,5 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung im Jahr 2010 zu verzichten. Außerdem soll die Arbeitszeit um eine Stunde in der Woche verkürzt werden. Es werden also nur die 37 Stunden gearbeitet, die auch bezahlt werden.

Die Geschäftsleitung droht

Die Geschäftsleitung lehnte dies sofort ab und drohte damit, dass es zu massiven Entlassungen kommen würde, falls die IG Metall keine weiteren Zugeständnisse mache. Stattdessen stellte sie für das Jahr 2011 eine Bonuszahlung in Aussicht, deren Höhe vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abhängig sei.

Ein ungedeckter Scheck

Darauf konnte sich die IG Metall nicht einlassen. Denn die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens ist nicht absehbar. Eine ungewisse Bonuszahlung im kommenden Jahr – das ist wie ein ungedeckter Scheck. Dem Unternehmen macht natürlich auch die Wirtschafts- und Finanzkrise zu schaffen. Doch im Kern hat die schlechte Lage ihre Ursache in Managementfehlern. Die Firma hat in den letzten Jahren viel zu wenig in die deutschen Betriebe investiert. Stattdessen ging man auf Einkaufstour.

Die Fehler des Managements

Die Schulden, die bei der Übernahme von Kunz oder Pergo entstanden, belasten die Firma bis heute erheblich. Die mangelnde Investitionsbereitschaft führte außerdem dazu, dass die Konkurrenten am Markt Pfleiderer teilweise abhängten. Sie können schneller, besser und billiger produzieren. Die Belegschaft hat in den vergangenen Jahren erhebliche Zugeständnisse gemacht. Dieser Beitrag zum Überleben des Unternehmens kann aber nicht heißen, dass die Kolleginnen und Kollegen ständig und jederzeit zu immer neuen Zugeständnissen bereit sind. Und mit Drohungen lassen sie sich dazu erst recht nicht zwingen.

Nicht beim Personal sparen

Jetzt muss die Unternehmensleitung ihre Hausaufgaben machen. Dazu gehört unter anderem, Einsparpotentiale nicht einseitig bei den Personalkosten zu suchen. Die vielen großen und kleinen Manager bei Pfleiderer haben hier ein weites Betätigungsfeld.

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