aktueller Pfad: Home » Nachrichten » Ansicht
11.04.2008
Mehr Arbeit, aber nicht mehr Geld

Im Aufschwung der vergangenen Jahre haben zahlreiche Betriebe ihre Arbeitszeiten verlängert. Nur in jedem zweiten davon bekommen die Beschäftigten für mehr Arbeit aber auch mehr Geld.

Dass die Wirtschaft brummt, merken viele Arbeitnehmer in letzter Zeit vor allem beim Blick auf die Uhr. Das ergibt die neue Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

 

Die Untersuchung, bei der gut 2000 Betriebsräte interviewt werden, ist repräsentativ für alle Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten und Betriebsrat. Diese beschäftigen in Deutschland rund 12 Millionen Menschen.

 

Ein Viertel der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten und Betriebsrat hat zwischen Anfang 2005 und Herbst 2007 die Arbeitszeit ausgeweitet – deutlich mehr als in den zwei Jahren zuvor.

 

In Betrieben mit Betriebsrat muss die Unternehmensleitung mit der Arbeitnehmervertretung eine Vereinbarung treffen, wenn sie die Arbeitszeit verändern will. In Betrieben ohne Arbeitnehmervertretung tritt sie an die einzelnen Beschäftigten heran. "Häufig argumentiert das Management mit einer verschärften Wettbewerbssituation", sagt Hartmut Seifert, Leiter des WSI. Die Arbeitszeit auf diese Weise auszuweiten, sei für Arbeitgeber sehr attraktiv. Denn dabei handele es sich nicht um Überstunden, für die Zuschläge bezahlt werden müssen, sondern um längere "normale" Arbeitszeiten, so Seifert.

 

Das spart Kosten. Insbesondere, wenn Unternehmen ihren Beschäftigten für die Mehrarbeit keinen Lohnausgleich zahlen. So verfährt nach den WSI-Daten fast die Hälfte der Betriebe. Lediglich rund 37 Prozent der Arbeitnehmervertreter, in deren Betrieb die Arbeitszeit verlängert wurde, berichten auch über einen vollständigen Lohnausgleich. Weitere 16,6 Prozent der Betriebe bezahlen die Mehrarbeit teilweise.

 

Der Trend zu längeren Arbeitszeiten ist seit gut fünf Jahren ungebrochen, beobachtet Seifert, und ein Teil davon tauche in keiner Statistik auf: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt, dass auf jede bezahlte Überstunde eine unbezahlte kommt.

 

Druckansicht weiterempfehlen
Share/Bookmark/Subscribe


Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.