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11.06.2008
Sackgasse Niedriglohn

Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile gehört mehr als jeder sechste Vollzeitbeschäftigte zu den Geringverdienern. Laut einer aktuellen Studie haben sie kaum Chancen, jemals in eine höhere Lohngruppe aufzusteigen: Nur jeder Achte schafft den Sprung aus dem Niedriglohnsektor.

Etwa jeder dritte Geringverdiener von 1998/99 war sechs Jahre später immer noch im Niedriglohnbereich beschäftigt. Nur jedem Achten gelang der Sprung über die Niedriglohnschwelle, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Lehrstuhls für Arbeitsmarkt- und Regionalpolitik der Universität Erlangen-Nürnberg.

 

Frauen besonders betroffen

Die Forscher untersuchten die Erwerbsbiografien von Männern und Frauen, die 1998 und 1999 zur Gruppe der Geringverdiener gehörten. Sie kommen zu dem Fazit, dass Jüngere und besser ausgebildete Geringverdiener eine deutlich höhere Aufstiegswahrscheinlichkeit haben, während Frauen den Aufstieg seltener schaffen (selbst wenn sie vollzeitbeschäftigt bleiben).

 

Frauen sind von niedrigen Löhnen überproportional betroffen. Sie stellen nur gut 35 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten, aber fast 60 Prozent der vollzeitbeschäftigten Geringverdiener. Frauen sind zudem besonders gefährdet, im Niedriglohnsektor zu verbleiben: Bei den Männern schaffte rund jeder fünfte innerhalb von sechs Jahren den Sprung über die Niedriglohnschwelle, bei den Frauen nur jede zehnte.

 

Auch die Betriebsgröße sei mitentscheidend, bei der Frage, ob ein Arbeitnehmer in eine höhere Lohn- und Gehaltsklasse aufsteigen kann: „Je größer ein Betrieb ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Geringverdieners, entweder innerbetrieblich oder durch einen Wechsel in diesen Betrieb den Aufstieg zu schaffen“. Gerade der freiwillige Betriebswechsel erweise sich als eine nicht zu vernachlässigende Möglichkeit für den Aufstieg aus dem Niedriglohnbereich.

 

Umfassende Strategie gefordert

Auch von staatlicher Seite könne durch Qualifizierungsmaßnahmen für die Betroffenen sowie durch gezielte Vermittlung von Arbeitsplätzen in Betrieben mit besseren Aufstiegsmöglichkeiten versucht werden, die Aufwärtsmobilität von Geringverdienern zu steigern, fordern die Autoren der Studie. Problemgruppen wie Frauen oder ältere Arbeitnehmer bedürfen dabei einer besonderen Beachtung.

 

Entwicklungen wie der nicht qualifikationsneutrale technische Fortschritt und die Bildungsstagnation der nachwachsenden Generation sprächen dafür, dass die Problematik der Geringqualifizierten – und damit auch der Geringverdiener – in Deutschland eher noch zunehmen wird. Deshalb sei eine umfassende Strategie zur Vermeidung bzw. Milderung dieser Probleme erforderlich. Diese „schließt eine effizientere Gestaltung des deutschen Bildungssystems und eine Intensivierung der betrieblichen Weiterbildung mit ein“.

 

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