Schaeffler hat sich offensichtlich an der geplanten Übernahme der dreimal so großen Continental AG verschluckt. Den fränkischen Automobilzulieferer drücken Schulen in Milliardenhöhe. Mehrere Medien spekulieren nun, der ganze Deal würde umgedreht werden und Conti könnte Schaeffler schlucken. Betriebsräte und Beschäftigte sind bisher nicht informiert.
Wie das Handelsblatt berichtet, gibt es angeblich im Ringen um Continental und Schaeffler eine überraschende Wende:
Die Berater von Roland Berger spielen ein „Reverse Take-over“ von Schaeffler durch. Die beiden Unternehmen sollen dabei nach Handelsblatt-Informationen unter dem Dach der Conti AG fusionieren. Die Politik signalisiert angeblich schon Zustimmung. Der Plan sieht nach Informationen der Zeitung vor, die private Schaeffler-Gruppe komplett in den börsennotierten Conti-Konzern zu überführen. In den Plan seien die Ministerpräsidenten von Bayern, Niedersachsen und Hessen – wo wichtige Werke mit Tausenden Arbeitsplätzen sind – bereits eingeweiht.
Vorgesehen seien für das neue Konstrukt aus Continental und Schaeffler drei Kraftzentren: Hannover für Contis Reifensparte, Frankfurt für das fusionierte Automobilzuliefergeschäft und Herzogenaurach für Schaefflers Industriegeschäft. Auf diesem Weg könnten wohl auch die betroffenen Landesregierungen für das Konzept gewonnen werden.“
Ein Schaeffler-Sprecher bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AP entsprechende Überlegungen, „die Integration des Unternehmens in Conti sei eine Option, die geprüft werde. Das Ergebnis sei aber offen.“
Die Betriebsräte und die Beschäftigten von Conti und Schaeffler sind über diese und andere mögliche Szenarien nicht informiert. Die Belegschaften werden damit zu Objekten der Unternehmensspiele und Beraterszenarien degradiert.
Eigentumsfrage nachrangig
"Für uns ist die zentrale Frage, ob die Werke und Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte der Schaeffler-Betreuer bei der IG Metall, Wolfgang Müller, zu Dow Jones Newswires. "Es muss vor allem geklärt werden, wo es hingehen soll, was das Zukunftskonzept ist. Die Eigentümerfrage ist dann nachrangig."
„Wir sind eher für einen Zusammenschluss auf Augenhöhe», sagte Betriebsratschef Norbert Lenhard der Nachrichtenagentur AP Lenhard. „Faire Partner sind uns lieber als aggressive Übernahmen.“
Der Betriebsrat sei aber im Interesse der Mitarbeiter an einer schnellen Lösung interessiert. Intern habe das Gremium mit der IG Metall eine mögliche Übernahme von Schaeffler durch Conti schon vor Monaten durchgespielt: „Es ist eine der möglichen Lösungen“, sagte Lenhard.
Allerdings erwarten die Beschäftigten eine rasche Auflösung der Pattsituation zwischen Eigentümern, Banken und Politik, in der sie zu Objekten der Unternehmensspiele und der Beraterszenarien degradiert sind und die Unternehmen Conti und Schaeffler teilweise gelähmt sind.
Egal welches Szenario für den Konzernverbund Conti-Schaeffler Wirklichkeit wird: Aus Arbeitnehmersicht haben folgende Forderungen Priorität:
• der Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte;
• der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen;
• ein Konzept, das den Konzernverbund Conti-Schaeffler stabilisiert und die Zukunft nachhaltig sichert.



