Der finnische Handyhersteller Nokia hat seinen Nettogewinn im vergangenen Jahr um sagenhafte 67 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro gesteigert. Der Anteil am weltweiten Handy-Markt ist um vier Prozentpunkte auf 40 Prozent gewachsen. Dennoch will der Konzern sein Werk in Bochum schließen und die Fertigung nach Osteuropa verlagern, um noch mehr zu verdienen.
Die „Nokianer“ in Bochum haben durch Sonderschichten und Sonntagsarbeit erheblich zum Erfolg beigetragen, freuen können sie sich über dieses Ergebnis nicht mehr. 2 300 Beschäftigte sowie bis zu 1 000 Leiharbeitnehmer würden durch die Schließung ihren Arbeitsplatz verlieren, wie viele Beschäftigte bei Logistikunternehmen und Zulieferern ebenfalls betroffen wären, steht noch gar nicht fest.
"7,2 Milliarden Reinerlös – damit könnten die über 100 Jahre unsere Lohnkosten zahlen", rief die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach bei einer "alternativen Bilanzpressekonferenz" zum mittäglichen Schichtwechsel. 2007 seien in Bochum Millionen hochwertiger Handys produziert und mit Forschung und Entwicklung die Innovationskraft des Unternehmens gestärkt worden. "Der Gewinn ist auch unser", ergänzte sie unter den Pfiffen und Buhrufen der Beschäftigten.
15 Prozent Rendite am Standort Bochum
Ulrike Kleinebrahm von der IG Metall Bochum unterstrich die Leistung der Arbeitnehmerseite: „Die Beschäftigten haben mit dafür gesorgt, dass Prozesse optimiert worden sind, die Wirtschaftlichkeit der Produktion gestärkt und der Standort Bochum zukunftsfähig aufgestellt ist.“ Der Standort Bochum hat 2007 rd. 15 Prozent Rendite erwirtschaftet. Gisela Achenbach sagte: „Dieser Standort arbeitet wirtschaftlich. Wir haben mit einem Maximum an Flexibilität und Leistungsbereitschaft dafür gesorgt, dass Nokia jede Nachfrage vom Markt punktgenau bedienen konnte.“
Die soziale Bilanz des Unternehmens sei dagegen verheerend, so Ulrike Kleinebrahm: Wie hier mit den Beschäftigten und mit Bochum umgegangen wird, das ist und bleibt eine Sauerei.“ Die Pläne von Nokia hätten fatale Konsequenzen weit über Bochum hinaus. Wer ohne überzeugende Argumente und ohne Rücksicht auf die Menschen handele, trete „Grundwerte menschlichen Zusammenlebens mit Füßen.“
Zum weiteren Vorgehen der Arbeitnehmervertreter machte Ulrike Kleinebrahm deutlich: „Wir sind überzeugt, dass es für Nokia noch nicht zu spät ist, diese Geisterfahrt unfallfrei zu beenden.“ Gisela Achenbach forderte Nokia auf, die Geheimniskrämerei zu beenden und Zahlen auf den Tisch zu legen: „Wir werden dem Unternehmen kurzfristig einen detaillierten Fragenkatalog zur wirtschaftlichen Situation und zu Vergleichsrechnungen vorlegen. Wir fordern ein Entwicklungskonzept für den Standort ein und wir werden dazu selbst Vorschläge machen“ so die Vorsitzende weiter. Ulrike Kleinebrahm fügte hinzu: „Wir werden nicht hinnehmen, dass Nokia einen hochmodernen und hochwirtschaftlichen Standort vor die Wand fährt, die Beschäftigten auf die Straße setzt und gleichzeitig sein Ansehen ruiniert.“
Auch die SPD in Nordrhein-Westfalen und die Linke bezeichneten die Rekordergebnisse von Nokia als "Schlag ins Gesicht" der Bochumer Beschäftigten. "Die Wut in Bochum, NRW und ganz Deutschland über Nokia ist groß", schimpfte SPD-Generalsekretär Michael Groschek.
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