a&o iTec und a&o 4tec haben bei den zuständigen Amtsgerichten in München und Düsseldorf Insolvenzantrag gestellt. 2005 wurde die Siemens-Tochter SINITEC an die a&o-Gruppe verkauft. Nun sind insgesamt 550 Beschäftigte in den Nachfolgegesellschaften von der Pleite betroffen, davon allein in München 100.
Die ehemaligen Siemensianer verzichteten beim damaligen Betriebsübergang auf Geld und leisteten Mehrarbeit, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Ein Auftragsbestand von Fujitsu-Siemens Computers (FSC) sollte eine Mindestauslastung sichern. Im Mai diesen Jahres informierte a&o iTec die Beschäftigten, man werde sie mit der a&o 4Tec verschmelzen. Damit sollten die Beschäftigten von einem auf den anderen Tag auf bis zu 50 % ihres Einkommens verzichten.
Schon damals befürchteten viele Beschäftigte, dass diese Nacht- und Nebel-Aktion aufgrund starker wirtschaftlicher Probleme vorgenommen wird. Die Beschäftigten fragen sich jetzt: Wo ist das Geld aus den FSC-Aufträgen hingeflossen? Wie kann es zur Insolvenz von zwei a&o GmbHs kommen, wenn die a&o-Gruppe sich weiter für gesund hält?
Horst Lischka, 2. Bevollmächtigter der IG Metall München: „Wenn a&o Gesellschaften trotz Auftragsgarantien und Zugeständnissen der Beschäftigten pleite machen, ist das unternehmerisches Versagen in der schlimmsten Form.“
Seit Wochen Auseinandersetzung um einen Sanierungstarifvertrag
Die sich in den vergangenen Monaten verdichtenden Gerüchte über eine wirtschaftliche Schieflage hatte Geschäftsführer Müller vehement bestritten. Stattdessen hat der Unternehmer versucht, mit unlauterem Geschäftsgebaren gegenüber der IG Metall und unseriösem Verhalten gegenüber den Mitarbeitern, von den eigentlichen Problemen des Unternehmens abzulenken und sich seiner unternehmerischen Verantwortung zu entziehen.
Im Sommer 2005 hatte die IG Metall für die 700 Beschäftigten der a&o itec (ehemals Sinitec) einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen, um den Beschäftigten ein möglichst hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit zu gewährleisten. Damit wurde die a & o itec um rund 1,5 Millionen Euro im Jahr entlastet. Die Firma hatte vertraglich zugesagt, im Gegenzug ihre Bilanzen sowie die Gewinn- und Verlustrechnungen offen zu legen. Dies ist bei Abweichungen von Tarifverträgen üblich. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass vereinbarte Einsparungen tatsächlich einer mittel- und langfristigen Beschäftigungssicherung dienen.
Dieser vertraglichen Verpflichtung ist die Geschäftsführung jedoch trotz mehrfacher Aufforderungen nicht nachgekommen. Deshalb hat die IG Metall im Mai 2007 den Sanierungstarifvertrag gekündigt. Somit standen den Beschäftigten wieder die ungekürzten Ansprüche aus dem Flächentarifvertrag für die Metallindustrie zu. Die Geschäftsführung hat jedoch die Kündigung des Sanierungstarifvertrages und die Folgen, wie die höheren Entgeltansprüche der Beschäftigten, nicht akzeptiert. Im Gegenteil: Vielen Mitarbeitern der Schwestergesellschaft a&o 4tec wurden die Gehälter noch einmal um mehrere hundert Euro monatlich gekürzt. Mehr als 350 Beschäftigte haben sich bislang gegen die rechtsgrundlosen Gehaltskürzungen zur Wehr gesetzt und ihre Forderungen mit Hilfe der IG Metall geltend gemacht.
a&o 4tec begründet die Gehaltskürzung mit dem Verweis auf einen angeblich für dieses Unternehmen existierenden Tarifvertrag, der jedoch in der von Geschäftsführer Müller behaupteten Form weder verhandelt noch vereinbart wurde. Zu der Behauptung von Michael Müller findet derzeit eine Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt statt. Ein erster Gütetermin blieb am 22. Juni ohne Ergebnis.
IG Metall fordert die Sicherung der Arbeitsplätze
Das vorhandene Potenzial lässt die Fortführung durchaus möglich erscheinen. Eine Sprecherin der IG Metall in Frankfurt erklärte: "Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten verfügen die beiden Gesellschaften über motivierte und qualifizierte Mitarbeiter und gute Auftragsbestände, die ein Fundament für den Erhalt der Arbeitsplätze bilden." Oberstes Ziel des Insolvenzverwalters muss in Zusammenarbeit mit den Hauptkunden die Fortführung des bisherigen Geschäftsfeldes und der Erhalt der Arbeitsplätze sein.
Ziel der IG Metall ist es, möglichst alle 550 Arbeitsplätze in den insolventen a&o-Unternehmen, aber auch in den noch nicht von Insolvenz betroffenen a&o-Gesellschaften, zu erhalten und langfristig zu sichern. „Dazu war die bisherige Geschäftsführung offenbar nicht gewillt oder in der Lage“, sagte die Sprecherin.
Bisher hat das Management nicht erklären können, warum trotz angeblich stabiler wirtschaftlicher Lage der a&o-Gruppe die Tochter-Gesellschaften in die Insolvenz geschickt werden.“ Unternehmerische Verantwortung würde das Management dann zeigen, wenn es zu seinen zahlungsunfähigen Tochtergesellschaften steht und diese so ausstattet, dass sie überlebensfähig sind, sagte die IG-Metall Sprecherin. Die aktuelle Krisensituation lässt derzeit nur einen Schluss zu: Wenn trotz vertraglich abgesicherter Auftragsgarantien von wichtigen Kunden und Zugeständnissen seitens der Beschäftigten Insolvenz angemeldet wird, liege offensichtlich unternehmerisches Versagen vor.
Wie geht es jetzt weiter?
Das zuständige Amtsgericht hat einen vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt, der prüfen muss, wie sich die wirtschaftliche Situation darstellt. Er prüft vor allem, ob und wie ein Weiterbetrieb möglich ist.
Da es sich um eine vorläufige Insolvenz handelt, arbeiten die Beschäftigten weiter wie bisher. Auch kann zu solch einem frühen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, wie lange das Gehalt weitergezahlt wird und ab wann es (als Ersatz) Insolvenzgeld gibt.
Darüber, wie sich Betroffene bei einer Insolvenz am besten verhalten, informiert ein Faltblatt der DGB-Rechtsschutz GmbH (im Anhang als pdf-Datei).
- Dateien:
Flyer_Insolvenz.pdf


