Im Anschluss an eine Betriebsversammlung zogen die Beschäftigten von Takata Petri auf den Stiftsplatz in Aschaffenburg. 500 Menschen demonstrierten dort während der Arbeitszeit für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen die Pläne des Vorstandes, die Lenkradproduktion nach Rumänien zu verlagern.
Betroffen von der geplanten Verlagerung wären allein in Aschaffenburg 335 Arbeitsplätze. Mit dem Abbau der Lenkradfertigung ginge im Stadtteil Schweinheim eine 80-jährige Tradition zu Ende.
Vorgeschobene Gründe
Bei der Betriebsversammlung begründete Vorstandsvorsitzender Heinrich Binder die Verlagerungspläne mit angeblich zu hohen Personalkosten am Standort in Aschaffenburg, weshalb die komplette Lenkradfertigung ins Werk nach Arad (Rumänien) ausgelagert werden soll. Betriebsrat und IG Metall halten diese Begründung für vorgeschoben. Tatsächlich beträgt der Personalkostenanteil bei der Lenkradfertigung nur drei bis maximal zehn Prozent. Das heißt, wenn Takata seine Lenkräder für ca. 50 Euro an die Kunden verkauft, dann sind darin lediglich 1,50 Euro bis maximal 5 Euro Lohnkosten enthalten - das kann also nicht der wahre Grund sein.
Die Ankündigung des Takat-Konzerns ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die tagtäglich gute Arbeit am Standort Aschaffenburg machen. Die IG Metall wird sich diesen Plänen entgegenstellen und die Arbeitsplätze nicht kampflos aufgeben.
Zu niedrigsten Löhnen und niedrigsten Steuern im Osten produzieren, aber zu höchsten Preisen und höchsten Gewinnmargen im Westen verkaufen, dieses Konzept geht auf Dauer nicht auf.
Betriebsrat fassungslos
Der Betriebsratsvorsitzenden Norbert Elbert hat keinerlei Verständnis für die Pläne des Vorstandes: "Wir haben gerade wieder angefangen voll zu arbeiten, wir haben in der Lenkradproduktion nur drei Monate Kurzarbeit gehabt. Wir produzieren nun wieder voll für den neuen Polo und in dieser Situation eine so schlechte Nachricht zu hören, ist eigentlich unfassbar. Wir wollen, dass diese Arbeitsplatzverlagerungen aufhören, es sollen keine Arbeitsplätze in Aschaffenburg vernichtet werden."
Erste kleine Erfolge der Proteste zeichnen sich bereits ab, so versprach der Vorstandsvorsitzende Binder dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall Aschaffenburg, Herbert Reitz, dass es vor Abschluss der Verhandlungen keine Verlagerung von Produktion oder Aufträgen nach Rumänien geben werde.
Solidarität von Politik und Kirchen
Bei der Kundgebung am Stiftsplatz demonstrierten hochrangige Vertreter aus Kirche und Politik ihre Solidarität mit den Beschäftigten. Der katholische Stadtdekan Stefan Eirich versprach die Unterstützung der Kirche. Aschaffenburgs Bürgermeister Werner Elsässer und Landrat Ulrich Reuter versprachen ihre Unterstützung ebenso, wie die örtliche Abgeordnete der Grünen, Christine Scheel.
Am 20. August treffen sich auf Einladung von Aschaffenburgs Oberbürgermeister Klaus Herzog die Abgeordneten aus Bundestag und Landtag mit Vertretern der IG Metall und des Betriebsrates um gemeinsam über das weitere Vorgehen zu beraten.
Die IG Metall bedankte sich bei der Kundgebung ausdrücklich für die zahlreiche Unterstützung aus der Politik, forderte die anwesenden Politiker aber auch auf, sich bei ihren Parteifreunden in München und Berlin für eine Veränderung der Steuergesetzgebung einzusetzen. In kaum einem anderen Land ist es so einfach wie in Deutschland, Standorte zu schließen. Das Prinzip ist dabei immer das Gleiche: Gewinne werden privatisiert, die Kosten der Arbeitslosigkeit auf die Allgemeinheit abgewälzt. Deshalb brauchen wir ein Gesetz, das dafür sorgt, dass Unternehmen die sozialen Folgekosten von Verlagerungen mittragen müssen. Es ist ein Skandal, dass Arbeitsplatzvernichtung noch immer als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt werden kann.





