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19.02.2008
Lohnzurückhaltung nach Vorstandsart

Wenn die IG Metall in der Stahltarifrunde Einkommenssteigerungen von 8 Prozent und in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie von 5,5 Prozent fordert, dann nennen das die Arbeitgeber gerne „unverschämt“ und „maßlos überzogen“. Stellt sich die Frage, was sind dann die Einkommenssteigerungen von 17,5 Prozent im letzten Jahr bei den Vorständen deutscher Unternehmen?

Die Vorstände deutscher Unternehmen haben 2007 einer Studie zufolge wieder kräftige Gehaltszuwächse verbucht. Dank Boni und Erfolgszulagen ging es im Schnitt um 17,5 Prozent aufwärts, bei den Chefs der DAX-Unternehmen war es im Schnitt sogar 23,3 Prozent und im Tec-Dax satte 50 Prozent mehr.

 

Das geht aus am Montag veröffentlichten Vorstandsstudie 2006/2007 der Management-Beratung Kienbaum hervor.

 

Die Manager toppen damit sogar noch die auch schon exorbitanten Gehaltssteigerungen aus den beiden Vorjahren, als die Steigerung „nur“ 14,8 Prozent beziehungsweise 9,1 Prozent betrug. Das macht in drei Jahren eine Gehaltssteigerung von über 47 Prozent!! (Für Zweifler: Nein, es langt nicht die Prozentwerte nur zu addieren, dann wären es ja „nur" etwa 41 Prozent mehr. Durch die Steigerung im Vorjahr wächst der jeweilige Ausgangswert.)

 

Im Rahmen der Studie wurden die Vergütungsdaten von 4 300 Vorstandsmitgliedern aus 1 300 Unternehmen erhoben. Der deutliche Zuwachs sei in erster Linie auf die Erhöhung variabler erfolgsabhängiger Vergütungsbestandteile zurückzuführen, die Grundgehälter dagegen weitgehend konstant geblieben, erläutert Kienbaum-Vergütungsexperte Dr. Alexander v. Preen.

 

Große Spanne

Die Bezüge der Vorstandsmitglieder deutscher Aktiengesellschaften unterscheiden sich teils erheblich voneinander. Die Spanne der Vergütungen reichte von 40 000 Euro bis hin zu mehr als sieben Millionen Euro im Jahr, teilte Kienbaum mit.

 

36 Prozent der untersuchten Bezüge lagen zwischen 200 000 und 400 000 Euro. Knapp 40 Prozent der Unternehmen bezahlen ihre Vorstände noch besser. Rund 350 Unternehmen überschreiten dabei die 500 000-Euro-Schwelle, 128 Gesellschaften zahlen ihren Vorstandsmitgliedern mehr als eine Million Euro, 44 liegen sogar bei mehr als zwei Millionen Euro.

 

Auch Misserfolg wird belohnt

Insbesondere die Ertragssituation des Unternehmens wirke sich auf die Höhe des Gehalts - und dabei der variablen Bestandteile - der Vorstandsmitglieder aus, stellt Kienbaum fest, denn mit der Höhe des Jahresüberschusses steige die Durchschnittsvergütung der Vorstände. In dieser Steigerung mag ja sogar vielleicht eine gewisse Logik stecken - auch wenn Gehaltszuwächse in dieser Größenordnung den jeweiligen Arbeitnehmern, die den Erfolg erwirtschaftet haben, immer noch unverhältnismäßig vorkommen müssen.

 

Aber Kienbaum weißt ausdrücklich darauf hin, dass auch „Unternehmen in schwieriger wirtschaftlicher Lage ihren Vorständen attraktive Gesamtgehaltspakete anbieten“.

 

Mal angenommen

Ulrich Schäfer entwirft in seinem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung folgendes Szenario: „Mal angenommen, es gäbe eine Gewerkschaft der deutschen Manager, und diese Gewerkschaft würde mit den Konzernen über das Gehalt dieser Manager verhandeln. Was wäre los in diesem Land, wenn am Beginn der Verhandlungen eine Forderung von, sagen wir mal, 40 oder gar 50 Prozent stünde? Und wenn man sich am Ende auf eine Steigerung von 17,5 Prozent einigen würde? Würden die Unternehmen dies als einen Pilotabschluss akzeptieren, den man problemlos auf andere Berufe übertragen kann?“

 

Wie gerne würde man diese Frage doch mal an die sog. Wirtschaftsexperten weiterreichen und an all diejenigen, die ständig Lohnzurückhaltung predigen.

 

Die Bild-Zeitung vom 25.1. zitiert den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn mit den Worten: „Die US-Krise bedroht die Weltkonjunktur, deshalb wären hohe Lohnsteigerungen jetzt Gift.“ In der gleichen Ausgabe kommt auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Klaus Zimmermann zu Wort: „Lohnforderungen von bis zu acht Prozent passen nicht in die Zeit. Es darf nur zu mäßigen Lohnsteigerungen in diesem Jahr kommen“. Auch Hagen Lesch, Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, warnte wegen der Börsenturbulenzen vor höheren Risiken für die deutsche Wirtschaft. „Kräftige Lohnsteigerungen passen überhaupt nicht in die Landschaft“, sagte Lesch.

 

Mal angenommen, Hans-Werner Sinn, Klaus Zimmermann und Hagen Lesch würden die gleichen flammenden Appelle an die Manager der deutschen Unternehmen richten, ob sie dann in Wirtschaft und Bild-Zeitung auch ein so großes Echo fänden?

 

Nur mal angenommen, die Manager würden nicht dauernd die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten mit denen in Polen oder Rumänien vergleichen, sondern mal ihre eigenen Einkommen. Mal angenommen, Lohnzurückhaltung würde nicht immer nur denen gepredigt, die ohnehin schon jeden Euro dreimal umdrehen müssen, sondern denen, die soviel Geld haben, dass sie nicht wissen wohin damit. Mal angenommen, alle Manager würden ihr Geld auch hier versteuert und nicht z. B. nach Lichtenstein schaffen …

War ja nur mal so angenommen …

 

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