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31.05.2009
Eine Region steht auf und gewinnt: Mahle Alzenau bleibt!

Nach wochenlangen zähen und aufreibenden Verhandlungen haben sich die Unternehmensleitung der Mahle GmbH, Gesamtbetriebsrat, Betriebsrat des Werkes Alzenau und IG Metall geeinigt: das Werk wird nicht geschlossen! Die Arbeitsverhältnisse der 423 Beschäftigten bleiben bestehen. Das Mittel der Kurzarbeit wird genutzt.

Kundgebung in Alzenau am 18.4.

Bis Mitte 2011 wird es keine betriebsbedingten Kündigungen in dem unterfränkischen Werk geben. Wegen der schlechten Auftragslage in der Branche werden die Mitarbeiter des Standorts von Juli an allerdings kurzarbeiten. Möglicherweise wird in Alzenau die neue Obergrenze von 24 Monaten für Kurzarbeit ausgeschöpft werden.

In dieser Zeit soll ein Projektteam prüfen, mit welchen Produkten in dem Werk künftig Gewinne zu machen sind. ‚‚Die Kolben alleine reichen nicht, um den Standort zu erhalten. Wir haben in den kommenden zwei Jahren die große Aufgabe, ein neues Produkt nach Alzenau zu bekommen’’, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Standortes, Dieter Wissel.

Das Projektteam wird paritätisch aus Vertretern von Gesamtbetriebsrat- und Arbeitgeberseite gebildet, zu seinen Beratungen kann es Sachverständige hinzuziehen. Das Projektteam hat die Aufgabe auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsberechnungen Alternativprodukte für den Standort Alzenau zu finden. Die Ergebnisse dieser Prüfung soll das Projektteam spätestens vier Monate vor Ablauf der Kurzarbeit vorlegen.

Bei den Verhandlungen in der Nacht zum Freitag sei auch die geplante Tariferhöhung beschlossen worden, sagte Percy Scheidler von der IG Metall Aschaffenburg. Von 1. Juli an wird es in Alzenau 2,1 Prozent mehr Geld geben. "Weiche Maßnahmen" wie Aufhebungsverträge, Vorruhestand etc. sind auch in der Phase der Kurzarbeit weiterhin möglich.

Interessenausgleich und Sozialplan

Die Auszubildende sollen für mindestens zwölf Monate übernommen werden, können allerdings künftig in allen Mahle-Werken in Deutschland eingesetzt werden.

"Ich bin einigermaßen zufrieden", betonte Herbert Reitz, erster Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg. "Unklar ist allerdings, wie es mit dem Standort in zwei Jahren weitergeht. Die Zukunftsperspektive ist noch offen." Dies sei unter anderem von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig.

Nach Ende der maximal zwei Jahre langen Übergangsfrist wird voraussichtlich eine bestimmte Zahl der Mitarbeiter – abhängig von Konjunkturentwicklung und Auftragslage – für ein Jahr in eine Transfergesellschaft wechseln. Bis 2014 gilt dann ein bereits vereinbarter Sozialplan. Den Mitarbeitern über 55 Jahre sollen Altersteilzeitverträge angeboten werden.

Arbeitnehmer, die aufgrund einer Personalreduzierung in Alzenau bereit sind, eine offene Stelle an einem anderen Standort im Konzern anzunehmen, werden mit Fahrgeldpauschale und Umzugskostenpauschale unterstützt. Außerdem regelt der Sozialplan die Abfindungen und enthält eine eigene Härtefallregelung

Zustimmung spät in der Nacht

Für Donnerstagabend hatte die IG Metall ihre Mitglieder zur Beratung über das Verhandlungsergebnis eingeladen. Bis 0.45 Uhr wurde über das Ergebnis diskutiert, dann stimmten mehr als drei Viertel der Gewerkschaftsmitglieder dem ausgehandelten Kompromiss zu.

Eine Region steht auf und gewinnt!

Seit Mitte März haben die Beschäftigten für ihren Standort und ihre Arbeitsplätze gekämpft. Ihr Slogan dabei: „Eine Region steht auf – Mahle kämpft“. Und tatsächlich: die Unterstützung aus der ganzen Region war überwältigend. Politiker, Parteien, Kirchen und Verbände unterstützten die vielfältigen Proteste und Kundgebungen. Viele Menschen aus Alzenau und Umgebung engagierten sich bei der Mahnwache, oder brachten Essen und Getränke. Bereits am 18. April waren mehr als 3.000 Teilnehmer zu einer Demonstration gegen die geplante Werksschließung gekommen, doppelt so viele wie erwartet.

Für die ganze Region wäre der Verlust von mehr als 400 Arbeitsplätzen ein herber Schlag gewesen, und so ist der Erhalt der Arbeitsplätze nun auch ein Erfolg für die ganze Region. IG-Metall-Verhandlungsführer Herbert Reitz sagte: „damit ist zum ersten Mal in 20 Jahren in Bayern eine bereits beschlossen Werkschließung durch den Widerstand der Belegschaft verhindert worden.“

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Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

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