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16.10.2008
Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus an Anita und Marian Blasberg

Die Otto Brenner Stiftung, die Stiftung der IG Metall, verleiht zum vierten Mal den Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus „Gründliche Recherchen statt bestellter Wahrheiten“. Aus mehr als 500 Einsendungen wählte die Jury die Preisträger aus und vergab drei Recherche-Stipendien mit einem Preisgeld von insgesamt 45.000 Euro.

„In der gegenwärtigen Finanzkrise werden auch die Defizite des Wirtschaftsjournalismus sichtbar. Damit kritischer Journalismus sich entwickeln und entfalten kann, würdigt der Otto Brenner Preis die Arbeit von engagierten Journalistinnen und Journalisten. Die Auszeichnung will auch zur Überschreitung der Grenzen des Mainstream und zu Benennung unbequemer Wahrheiten ermutigen“, sagte Jury-Mitglied Thomas Leif anlässlich der Bekanntgabe der Preisträger.

Den 1. Preis erhalten Anita und Marian Blasberg für ihren Beitrag „Abschiebeflug FHE 6842“ erschienen in DIE ZEIT, Magazin Leben. Nach Ansicht der Jury hat diese Veröffentlichung die höchste Auszeichnung für kritischen Journalismus verdient. In der Begründung der Jury heißt es: „Eine grandiose Recherche und Journalismus in seiner besten Form mit einer schlimmen Botschaft: Die falsche Flüchtlingspolitik führt geradewegs in die Unmenschlichkeit. Mit ihrer Reportage über eine dieser EU-weit organisierten Zwangsdeportationen bringen Anita und Marian Blasberg das Schicksal der Abgeschobenen und die Kälte der eingesetzten bürokratischen Maschinerie in fesselnder Dichte und präziser Sprache den Lesern ganz nah.“

Der 2. Preis geht an den WDR-Autor Jürgen Döschner für seine Hörfunksendung „Fire and forget – Krieg als Geschäft“ über die Rüstungsindustrie. In der Begründung der Jury heißt es: „Jürgen Döschner hat mit seiner Hörfunksendung ‚Fire and Forget’ ein exzellentes Radiofeature vorgelegt. Hier kommt alles Gute zusammen: kritische Themensetzung und tiefgehende Recherche, analytischer Zugriff und eine faszinierende radiophone Gestaltung. Ein spannendes Hörerlebnis voller Anschaulichkeit, das aus Sicht der Jury für politische Aufklärung von hohen Graden sorgt.“

Mit dem 3. Preis werden Steffen Judzikowski und Hans Koberstein ausgezeichnet. Die Redakteure des ZDF-Magazins Frontal 21 zeigen in ihrer Dokumentation „Das Kartell – Deutschland im Griff der Energiekonzerne“, wie die vier großen Energiekonzerne den Energiemarkt in Deutschland beherrschen. „Die Fernseh-Dokumentation schildert in vorbildlicher Form die Strukturen des deutschen Energiekomplexes und stellt mutig die Profiteure bloß. Der meisterhaft komponierte und hervorragend recherchierte Film dokumentiert zu-gleich, dass es auch im Fernsehen möglich ist, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge anschaulich darzustellen“, heißt es in der Begründung der Jury.

Den Preis in der Kategorie „Spezial“ erhält Christian Bommarius von der Berliner Zeitung für seine Kommentare, Leitartikel und Meinungsbeiträge. „Die Jury würdigt einen Autor, der mit seinen Kommentaren und Leitartikeln die Grund- und Freiheitsrechte verteidigt – scharfsinnig, pointiert und wunderbar geschrieben. Der Leitartikel galt einst als Diamant des deutschen Journalismus. Bommarius bringt ihn wieder zum Glänzen. Er ist mit seinen Meinungsartikeln ein journalistischer Widerständler: Er leistet Widerstand gegen den Abbau des Rechtsstaats“, so die Bewertung der Jury.

Den Newcomer-/Medienprojektpreis bekommt die freie Journalistin Andrea Röpke für ihre Arbeiten zum Rechtsextremismus. „Die Jury prämiert eine schwierige und akribische Rechercheleistung, sie würdigt die Hartnäckigkeit und den Mut der Autorin, die sich von Drohungen aus der Neonazi-Szene nicht hat abschrecken lassen. Andrea Röpkes Arbeit ist praktizierter Verfassungsschutz – journalistische Nothilfe für Demokratie und Grundrechte“, heißt es in der Begründung.

In Kooperation mit der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ werden zusätzlich drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Recherche-Stipendien vergeben. Die geplanten Themen der geförderten Journalisten sind unter anderen „Kinderhandel in der Ukraine“ von Clemens Hofmann, und "Das Geschäft mit illegalen Einwanderern“ von Veronica Frenzel. Mit den Stipendien soll den Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit gegeben werden, frei von ökonomischen Zwängen und mit professioneller Begleitung ihre Projektthemen recherchieren zu können.

Die Festrede anlässlich der Preisverleihung am 22. Oktober in Berlin wird Fritz Pleitgen, Präsident der European Broadcasting Union und ehem. WDR-Intendant, halten. Jury-Mitglieder sind Sonia Mikich (Monitor, WDR), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Dr. Volker Lilienthal (epd medien), Dr. Thomas Leif (Netzwerk Recherche), Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) und Jürgen Peters (Verwaltungsratsvorsitzender der Otto Brenner Stiftung).

Hinweis: Weitere Informationen über die Preisverleihung am 22. Oktober 2008 finden Sie unter www.otto-brenner-stiftung.de,

 

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