Der Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metallarbeitgeberverbände, Bertram Brossardt, rechnet für dieses Jahr mit einem Abbau von 40.000 Stellen in der bayerischen M+E-Industrie. Die IG Metall Bayern dagegen fordert: "Solange der Rahmen der Kurzarbeit nicht ausgeschöpft ist, kann und darf es keine Entlassungen geben."
Der „Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie e.V.“ (VBM) beurteilt die gegenwärtige Geschäftslage extrem negativ. 83 Prozent der Unternehmen gaben in einer am Mittwoch veröffentlichten Verbandsumfrage an, ihre derzeitige Situation sei "schlecht".
"Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Rückgang der Beschäftigung um 40.000", sagte Brossardt. Die Betriebe versuchten alles, um die Beschäftigung zu erhalten, dennoch sei ein weiterer Beschäftigungsabbau "wohl nicht zu verhindern". 15.000 Stellen seien bereits weggefallen, die meisten davon durch Nichtwiederbesetzungen freigewordener Stellen und den Abbau von Leiharbeit, allerdings hat es - nach der vbm-Umfrage - auch bereits in 26,1 Prozent der Betriebe bereits betriebsbedingte Kündigungen gegeben.
Kurzarbeit ausschöpfen - keine Entlassungen
Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, ermahnte die Arbeitgeber, gemeinsam mit der Gewerkschaft alles zu unternehmen, um Kündigungen "soweit als nur irgend möglich zu vermeiden". Die Arbeitsmarktinstrumente, vor allem die verbesserte Kurzarbeit, hätten sich in den vergangenen Monaten bewährt und seien noch lange nicht ausgeschöpft.
Neugebauer: "Die Erfahrungen der Krise in den 90er Jahren zeigen, dass Fachkräfte, die man heute entlässt, morgen wieder gebraucht werden. Wir können nur hoffen, dass auch die Arbeitgeber daraus die richtigen Schlüsse ziehen und mit uns gemeinsam alles unternehmen, um Kündigungen soweit als nur irgend möglich zu vermeiden. Solange der Rahmen der Kurzarbeit nicht ausgeschöpft ist, kann und darf es keine Entlassungen geben."
Flexible Tarifpolitik
Brossardt forderte eine Neuausrichtung der Tarifpolitik. "Wir brauchen noch mehr Flexibilisierungselemente". Als Beispiele nannte er Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen oder Arbeitszeitkonten. Auch regte Brossardt mit Blick auf die nächste Tarifrunde in rund neun Monaten an, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld langfristig erfolgsabhängig zu gestalten, um einen "atmenden Tarifvertrag" zu erreichen.
"Die Forderung nach mehr Flexibilisierung geht an der Praxis völlig vorbei", reagierte Neugebauer mit Unverständnis auf die Forderungen der Arbeitgeber: "Die IG Metall Bayern hat hinreichend bewiesen, dass sie in Krisenfällen in der Lage ist, flexibel zu reagieren. Die IG Metall Bayern war in der Vergangenheit immer bereit, in konkreten betrieblichen Notsituationen nach geeigneten Mitteln und Wegen aus der Krise zu suchen."
Seit 2004 sind in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ca. 200 Ergänzungstarifverträge nach dem Pforzheimer Abkommen geschlossen worden. Das Pforzheim-Abkommen aus dem Jahr 2004 ermöglicht Firmen, vorübergehend durch den Abschluss von Ergänzungstarifverträgen die flächentariflichen Standards zu unterschreiten. Voraussetzung ist, dass dadurch Beschäftigung im Inland geschaffen oder gesichert wird.
Erst im August 2008 haben sich die IG Metall Bayern und der VBM auf eine Verlängerung des Abkommens bis Ende 2011 geeinigt. Die Tarifvertragsparteien haben darüber hinaus beschlossen, den „Tarifvertrag Beschäftigungssicherung“ ebenfalls bis 2011 fortzuführen und in das Pforzheim-Abkommen zu integrieren.



