Siemens hatte am Montag Morgen in einer Ad hoc-Meldung seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr um fast eine Milliarde Euro nach unten korrigiert. Gesamtbetriebsrat und IG Metall kritisieren scharf, die fehlende Information und Beratung mit der Arbeitnehmerseite und äußern die große Sorge, dass nun wieder die Belegschaft die Zeche für Managementfehler bezahlen soll.
„Uns alarmiert das Ausmaß der Problemfelder und die erheblichen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Wir kritisieren scharf, dass das Unternehmen seinen gesetzlichen Verpflichtungen auf vorherige Information und Beratung mit der Arbeitnehmerseite in keiner Weise nachgekommen ist“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von IG Metall und Gesamtbetriebsrat, die am Montagabend veröffentlich wurde.
„Das ist ein Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Siemens", so Ralf Heckmann, Gesamtbetriebsratsvorsitzender. „Ich bin wütend darüber, dass die Firmenleitung weder den Wirtschaftsausschuss noch den Aufsichtsrat über so weitreichende Entscheidungen rechtzeitig vorgewarnt hat.“
"Wir haben voll eine in die Schnauze gekriegt," sagte Heckmann gegenüber der Süddeutschen Zeitung und kritisierte, dass Personalvorstand Siegfried Russwurm den Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats erst am Dienstag im Detail unterrichten wolle.
Gesamtbetriebsrat und IG Metall äußerten in der gemeinsamen Erklärung „die große Sorge, dass das Unternehmen nun wieder beginnt, über Verkäufe, Schließungen und Arbeitsplatzabbau nachzudenken und damit wieder die Belegschaft die Zeche für Managementfehler bezahlen soll.“
Ein solches Vorgehen lehnen Gesamtbetriebsrat und IG Metall ab. "Wir fordern eine gründliche Ursachenanalyse“, sagte Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall. „Ein Vorgehen wie bei der Kommunikationstechnik wird mit uns nicht zu machen sein. Wichtige Bereiche wie die Bahnindustrie, der Kraftwerksbau und die Informationstechnologie sind Kernbestandteile des Unternehmens, sie müssen erhalten und weiter entwickelt werden.“
Die Belegschaft ist zutiefst verunsichert und demotiviert, weil das Unternehmen urplötzlich die Katze aus dem Sack gelassen hat und vernünftige Perspektiven für den Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen nicht zu erkennen sind.
Die Firmenleitung ist jetzt gefordert, das verlorene Vertrauen bei Belegschaft und Arbeitnehmervertretern wieder zurück zu gewinnen. Dazu gehört, dass das Unternehmen sofort die bisher unterlassenen Beratungen mit den Arbeitnehmergremien beginnt.
Siemens machte für die Belastungen Projekte in der Kraftwerksparte, dem Eisenbahngeschäft und der IT-Branche verantwortlich. Die Aktie des Konzerns brach nach der Ad hoc-Meldung im Lauf des Montags um über 17 Prozent ein.
Die Süddeutsche Zeitung zitiert ein nicht näher genanntes Mitglied des Aufsichtsrates mit der Vermutung Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld habe sich bei seinem Abschied im vergangenen Frühjahr offenbar mit einem tollen Ergebnis verabschieden wollen und deshalb die Zahlen in die Höhe getrieben; im Rahmen dessen, was rechtlich zulässig sei. "Man kann Risiken unterschiedlich einschätzen, Kleinfeld hat mehr die Chancen als die Risiken gesehen.“



