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11.12.2007
"Unanständig und nicht akzeptabel"

Endlich, so möchte man sagen, ist eine Diskussion um die Höhe der Gehälter und Abfindungen so mancher Manager entbrannt. Am Wochenende haben sich u.a. der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber und Siemens-Chef Peter Löscher zu Wort gemeldet.

Auslöser der Debatte ist wohl die Grundsatzrede der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin, Angela Merkel beim CDU-Parteitag in Hannover. Merkel äußerte ihr Missverständnis, darüber „wenn das Versagen von Spitzenkräften mit Fantasieabfindungen vergoldet“ wird. Lebhaften Beifall verzeichnet das Parteitags-Protokoll für ihre rhetorische Frage: „Warum wird mit Geld überschüttet, wer auf ganzer Linie versagt hat?“

 

„Weil ein amerikanischer Autoboss das Tausendfache eines Arbeiters verdient, muss ganz offensichtlich auch ein deutscher Autokonzernchef eine Gehaltssteigerung bekommen, die er seinen Mitarbeitern nie zugestehen könnte“ schlug Merkel fast klassenkämpferische Töne an.

 

IG-Metall-Chef Berthold Huber warnte in ZDF-Sendung „Berlin direkt“ am Sonntagabend vor einer Verallgemeinerung, nannte aber manche Zahlungen „unanständig“ und „nicht akzeptabel“, Der Staat könne dafür Sorge tragen, dass solche Abfindungszahlungen nicht noch als Kosten von der Steuer abgezogen werden können. Außerdem könne die Politik auch dafür sorgen, dass der Höchststeuersatz für solche Abfindungen nach oben gesetzt werde, betonte Huber. „Dass ein Mann wie Jürgen Schrempp, der das Unternehmen an den Rand größter Probleme geführt hat, dafür noch 50 Millionen Euro Aktienoptionen bekommt, ist nicht akzeptabel“, kritisierte Huber.

 

In der „Bild am Sonntag“ sagte Berthold Huber: „Wir akzeptieren unverschämte Managergehälter nicht. Die Beschäftigten erarbeiten die Unternehmenswerte. Sie werden mit Recht ihre Ansprüche vertreten. Die nächste Tarifrunde kommt bestimmt."

 

In den Tagesthemen forderte Berthold Huber eine komplette Offenlegung der Gehälter. Dazu gehörten auch Aktienoptionen und zu erwartende Renten. Huber kritisierte die Zahlungen als häufig viel zu hoch.

 

Sein Namensvetter, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, forderte in der "Bild am Sonntag" eine Obergrenze für gerechte Löhne: "Wenn aus dem Gehalt eines Menschen mehr als 100 Arbeitsplätze finanziert werden könnten, und gleichzeitig in demselben Unternehmen aus Kostengründen Arbeitsplätze abgebaut werden, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit."

 

Unverständnis beim DIHK

Auf völliges Unverständnis stößt die Diskussion beim Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Die Debatte werde zunehmend absurder, sagte Ludwig Georg Braun, der "Berliner Zeitung". Es gebe schon seit einigen Jahren weit gehende Offenlegungspflichten. Ohnehin würden Managergehälter "nicht von Managern festgesetzt. Das machen Aufsichtsräte, in denen Mitbestimmung herrscht."

 

Ganz anders dagegen Siemens-Chef Peter Löscher, der die durch Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler begonnene Debatte über die Höhe der Managergehälter „gesellschaftspolitisch sehr wichtig“, nannte. Diese Debatte richte sich ja nicht gegen hohe Gehälter an sich, „sondern gegen Exzesse, bei denen Bezahlung und Leistung in keinem Verhältnis zueinander stehen“ sagte der Siemens-Vorstandschef gegenüber dem Spiegel.

 

Und in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Löscher: „Antrittsgelder, Abfindungen, für die es keine Gegenleistung gibt, hohe Gehälter, mit denen nicht Erfolg belohnt, sondern Misserfolg bezahlt wird - das darf es nicht geben. Aber das sind Exzesse. Manager dürfen die Bodenhaftung nicht verlieren.“

 

SPD-Arbeitsgruppe und Cromme-Kommission

Das Präsidium der SPD hat in seiner Sitzung am Montag die Arbeitsgruppe "Angemessenheit und Transparenz von Manager-Vergütungen" eingerichtet. Unverhältnismäßig hohe Managerbezahlungen seien ein gesellschaftliches und politisches Problem, da sie mit guten Gründen als ungerecht empfunden werden, heißt es in dem Beschluss. Wichtig für die politische Diskussion sei nicht nur die absolute Höhe der Bezüge von Managern, sondern auch was an Nebenleistungen gezahlt werde z.B. in Form von Aktienoptionen. Der Arbeitsgruppe gehören u.a. der bayerische SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler und die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries an.

 

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber plädiert für die Wiedereinsetzung der sogenannten Cromme-Kommission. "Meines Erachtens sollte die Bundesregierung den Auftrag an die Kommission erneuern", sagte Stoiber dem Sender N24

 

Gehaltsvergleich der IG Metall Jugend

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, spricht von Managergehältern, die einhundertmal so hoch sind, wie das eines „normalen“ Beschäftigten. Früher galt mal die Faustformel, dass Manager das sieben- bis zehnfache eines Facharbeitergehaltes bekommen, das diese Zeiten sind längst vorbei sind, kann jede und jeder selber nachlesen kann beim ultimativen Gehaltsvergleich den die IG Metall Jugend anlässlich der Tarifrunde 2007 ins Netz gestellt hat. Wer dort sein Monatsgehalt eingibt, erfährt sofort, wie lange er oder sie für das Jahresgehalt von einem der zur Auswahl stehenden 18 deutschen Spitzen-Managern arbeiten müsste.

 

 

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