Bis zur nächsten Tarifrunde in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie dauert es noch vier Monate, aber Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) mahnt schon mal zur Mäßigung
Vierteljährlich legt der VBM seinen M+E-Report vor. Der aktuelle M+E-Report 2/2008 stellt fest: „Die Lage in der bayerischen M+E-Industrie ist nach wie vor gut, vor allem der Beschäftigungsaufbau ist nahezu ungebrochen.“ Allerdings sieht der VBM "erste Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung". So seien Produktion und Auftragseingang im ersten Quartal 2008 leicht zurückgegangen.
Der Auftragseingang sei in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal saisonbereinigt um 0,9 Prozent zurückgegangen. Bei den Auslandsbestellungen waren es sogar 1,3 Prozent.
Derzeit laufe es im Großen und Ganzen zwar noch gut, erste Anzeichen einer Abschwächung seien aber unverkennbar, sagte der VBM gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Im Vorwort des Reports mahnt Brossardt daher schon mal "eine Tarifpolitik mit Augenmaß“ an – was immer das auch heißt. Und forderte Tarifabschlüsse, die die wirtschaftliche Lage berücksichtigen und „unsere Betriebe nicht überfordern.“
In den Betrieben: Diskussion zur Forderung
Von dpa zur Mahnung der Arbeitgeber befragt, wies der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer darauf hin, dass der Tarifvertrag noch bis Ende Oktober läuft. Über die Höhe der Forderung wird die IG Metall erst nach der Sommerpause entscheiden. Vor dem Forderungsbeschluss steht jetzt die intensive Diskussion mit unseren Mitgliedern in den Betrieben.
Neugebauer: „Wir kennen das Ritual: Vor den Tarifrunden reden die Arbeitgeber ihre Situation immer schlechter als sie ist. Auch 2007 waren die Gewinne viel höher, als von den Arbeitgebern und ihnen nahestenden Instituten prognostiziert.“
Der Metall- und Elektroindustrie in Bayern geht es glänzend, die Gewinne liegen über allen Erwartungen. Die enormen Exporterfolge, übervolle Auftragsbücher, die zunehmende Abwerbung von Fachkräften, das alles zeigt: Den Betrieben geht es so gut wie lange nicht mehr. Neugebauer: „Die Beschäftigten wissen um den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Betriebe. Sie wissen es gibt etwas zu verteilen und da wollen sie dabei sein – die Beschäftigten wollen mehr Geld. Die Verbraucherpreise steigen, die Gewinne der Unternehmen steigen, jetzt müssen auch die Einkommen der Beschäftigten steigen.“
Neugebauer: „Die Menschen haben in den letzten 12 Monaten gebuckelt und hervorragende Ergebnisse erzielt. An diesen müssen die Beschäftigten nun beteiligt werden. Alles Weitere klären wir dann in der Tarifrunde, basta.“



