Ein ganzes Jahr lang wird jetzt schon zwischen der Geschäftsführung und der IG Metall um einen Ergänzungstarifvertrag für die 125 Beschäftigten der Kugelfertigung bei NN Europe Kugelfertigung GmbH in Eltmann gerungen. Bis heute ohne Ergebnis.
Eine erneute Sonderrunde mit dem verantwortlichen Europamanager aus Turin brachte wiederum keine Einigung. Obwohl die IG Metall und der Betriebsrat bereit sind, einen Ergänzungstarifvertrag abzuschließen, der im Volumen annähernd die 39,5 Std.-Woche für die Beschäftigten bedeutet, üben der NN Euroball-Konzern und die örtliche Geschäftsführung in Eltmann massiv Druck auf die Beschäftigten, insbesondere den Betriebsrat, aus.
sechs Prozent Rendite müssen her – koste es was es wolle
Die Kugelfertigung GmbH (KFE) steht wirtschaftlich nicht gerade blenden da, das etwas getan werden muss ist unstrittig. Streit gibt es allerdings über den Umfang der notwendigen Maßnahmen.
Konzernführung und Geschäftsführung bestehen auf einem Jahresbeitrag der Beschäftigten von rund 1 Million Euro. Dies entspricht 17 Prozent der gesamten Lohn- und Gehaltssumme. Einsparungen in dieser Größenordnung sind jenseits aller Möglichkeiten der Belegschaft.
Ein Angebot der Arbeitnehmerseite liegt seit vier Monaten vor: IG Metall und Beschäftigte haben dem Unternehmen, befristet auf zwei, ggfls ein weiteres drittes Jahr, Einsparungen in einer Summe von knapp 500 000 Euro pro Jahr angeboten. Die Einsparungen sollen vor allem durch den Verzicht auf ERA und Verzicht aus den individuellen Zeitkonten erzielt werden.
Der Gewerkschaftssekretär Matthias Gebhardt von der IG Metall Schweinfurt, rechnet vor, dass die Angebote der Arbeitnehmerseite zu einer Unternehmensrendite in Höhe von 3 bis 4 Prozent pro Jahr führen würden.
Das ist dem Unternehmen aber offensichtlich zu wenig. Die Arbeitgeberseite fordert weiterhin die Einführung der 40 Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, eine Kürzung des Prämienlohnes und den Verzicht auf die ERA-Einmalzahlung.
Matthias Gebhardt: „Die Belegschaft geht mit ihrem Angebot bis an die Grenze des gerade noch Machbaren. Wenn 125 Beschäftigte einen Beitrag von knapp 500 000 Euro pro Jahr erbringen, kann sich jeder selber ausrechnen, wie hart das jeden Einzelnen trifft.“
Druck auf den Betriebsrat
Geschäftsführung und Konzernführung wissen natürlich, dass der Betriebsrat für Tarifverhandlungen nicht zuständig ist. Dennoch – oder gerade deshalb, weil die Gespräche mit der IG Metall nicht zu dem von den Herren gewünschten Ergebnis geführt haben – wird versucht mit versteckten Drohungen Druck auf den Betriebsrat auszuüben (war da nicht schon mal was in Eltmann?).
Da wurde letzte Woche gezielt das Gerücht gestreut, am Montag werde der Betrieb stillstehen. Was sich am Montag als Blödsinn erwies – logisch, denn die vorliegenden Aufträge müssen ja abgearbeitet werden.
Oder die Geschäftsführung macht die Herstellung neuer Produkte am Standort Eltmann offen davon abhängig, dass der Betriebsrat dem von ihr vorgelegtem Gesamtpaket zustimmt.
Wie gesagt: der Betriebsrat ist für Tarifverhandlungen nicht zuständig, dies ist Aufgabe der Tarifvertragsparteien. Und das ist auch gut so! Solche Versuche des innerbetrieblichen Drucks – man könnte es auch Erpressung nennen – belegen nur, wie richtig diese Aufgabenverteilung ist. Die Beschäftigten und der Betriebsrat werden sich durch solche versteckten und offene Drohungen nicht ins Bockshorn jagen lassen. Mit überwältigender Mehrheit haben sie auf einer Mitgliederversammlung dem Konzept der IG Metall zugestimmt und den Forderungen der Geschäftsführung eine klare Absage erteilt.
Schon in der Vergangenheit gab es Ärger
Schon in der Vergangenheit hat es immer wieder Ärger gegeben. So war die NN Europe Kugelfertigung GmbH Anfang März 2006 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. Erst in letzter Minute konnte damals nach rund siebenstündiger Verhandlungsdauer eine Einigung zwischen der KFE Geschäftsführung und der IG Metall herbeigeführt werden. Die IG Metall vereinbarte mit der Unternehmensleitung den Wiedereintritt in den Metall-Arbeitgeberverband, der die Gültigkeit aller Tarifverträge der bayerischen Metall- und Elektroindustrie umfasst.
In letzter Minute konnte mit dieser Vereinbarung ein drohender Arbeitskampf abgewendet werden. Die IG Metall Schweinfurt hatte beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt bereits einen Antrag auf Urabstimmung und Streik gestellt.


