(Fürth) Nach einer intensiven Diskussion in den Betrieben der bayerischen Metall- und Elektroindustrie hat die Große Tarifkommission der IG Metall Bayern das Forderungspaket für die Tarifrunde 2006 beschlossen: Die Einkommen sollen im Volumen um fünf Prozent angehoben, die Ausbildungsvergütungen jährlich erhöht und der Bundestarifvertrag über Vermögenswirksame Leistungen wieder unverändert in Kraft gesetzt werden.
Darüber hinaus wird ein Tarifvertrag zur Qualifizierung und Innovation angestrebt. „Dieses anspruchsvolle Forderungspaket müssen wir gegen den angekündigten Widerstand der bayerischen Arbeitgeber durchsetzen“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, bei der Beschlussfassung in Fürth.
In dieser Tarifrunde sollen die Arbeitnehmer am Erfolg des Erwirtschafteten teilhaben, da sie in den vergangenen Jahren keine realen Zuwächse erzielen konnten. Neugebauer: „Tägliche Erfolgsmeldungen bayerischer Unternehmen im Blätterwald widerspiegeln die gute ökonomische Situation. Deshalb passt die Forderung von fünf Prozent“. Selbst die bayerische Staatsregierung preist die hervorragende Export- und Ertragsituation der Unternehmen im „Musterland Bayern“. Wie vor jeder Tarifbewegung setzt die erwartete Jammerrunde der Arbeitgeber ein. „Diese wird die Beschäftigten nicht verunsichern, da sie die betrieblichen Realitäten kennen“.
Mit der Forderung nach einer tarifvertraglichen Rahmenregelung zur Qualifizierung für die Beschäftigten will die IG Metall einen Beitrag zum lebenslangen Lernen für die Belegschaften leisten. „Sie müssen beruflich fit sein. Das gilt für heute und die Zukunft“. Wenn die Arbeitgeber ihre Lippenbekenntnisse und Sonntagsreden endlich in die Tat umsetzen würden, dann haben sie in der IG Metall einen großen Verbündeten.
Da Forschung und Entwicklung, neue Produkte, Verfahrensweisen, Materialien und Prozesse maßgeblich über die künftige Beschäftigung in den Betrieben entscheiden, „müssen sich die Betriebsräte in diese Themenfelder einbringen können“. Mit der Forderung nach einem „Innovationstarifvertrag“ will die IG Metall Werkzeuge für Arbeitnehmer-vertretungen schaffen, damit sie Unternehmensplanungen und -strategien früh besprechen und vorausschauend zum Wohle des Betriebs, der Belegschaften und für den Erhalt von Arbeitsplätze beeinflussen können.
Neugebauer hofft, dass in dieser Tarifrunde die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber beim Tarifvertrag Vermögenswirksame Leistungen aufgebrochen werden kann, da seit einem Jahr alle Neueingestellten keinen Anspruch auf diese Tarifleistungen haben. „Wer auf Arbeitgeberseite für einen Neuabschluss nochmals einen Verzicht der Arbeitnehmer erwartet, wird bitter enttäuscht werden“, so Neugebauer.


