MAN plant die Schließung des Werkes in Pilsting
Mit einem Paukenschlag begann die Arbeitswoche für die Beschäftigten bei Neoplan in Pilsting. Die Geschäftsleitung, informierte die Belegschaft durch den Vorstand der Produktion bei MAN, Lars Wrebo über die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen beim bekannten Niederbayerischen Reisebushersteller.
Nach den Plänen des Managements soll die Neoplan Busproduktion nur noch am Standort in Plauen stattfinden. Folglich wird MAN sein Engagement am Standort in Pilsting bis Ende des Jahres 2008 einstellen. Das Werk in Pilsting soll sich künftig in „partnerschaftlicher Zusammenarbeit“ mit MAN auf die Fertigung sowie den Auf- und Ausbau von individuellen Kundenlösungen unter eigenen Namen spezialisieren.
Von den rund 600 Mitarbeitern sollen ein Drittel dort verbleiben. Alle weiteren Beschäftigen sollen im boomenden Lkw-Bereich am Standort München gleichwertige Arbeitsplätze erhalten.
Die Neustrukturierung soll im Einvernehmen mit dem Betriebsrat und der IG Metall umgesetzt werden.
Rudi Gallenberger, Sekretär der IG Metall sieht die geplanten Maßnahmen bei Neoplan sehr kritisch. „Seit Jahren verzichten die Beschäftigten bei Neoplan in Pilsting auf Lohnerhöhungen, arbeiten länger ohne Lohnausgleich und beweisen Tag für Tag durch ihre Flexibilität und Arbeitsbereitschaft, dass sie ihren Anteil zu einem positiven Geschäftsergebnis beitragen. Im Endeffekt wurden diese Beiträge der Belegschaft zur Reduzierung der Lohnkosten von der Geschäftsleitung mitgenommen aber durch eklatante Managementfehler wieder aufgefressen. Die Beispiele bei Nokia, AEG oder Siemens bekommen hier in Pilsting eine Fortsetzung. Die Gewinninteressen der Aktionäre werden vor den Existenzen der Belegschaften gesetzt.“
Die geplante Weiterführung des Standortes in einer abgespeckten Version wird ebenfalls kritisch vom Landshuter Gewerkschaftssekretär gesehen. „Es ist gut möglich, dass die Geschäftsleitung nun die Belegschaft mundtot machen will. Die Aussicht, dass es möglicherweise für ein Drittel der Beschäftigten eine Zukunft in Pilsting geben wird, soll die Belegschaft disziplinieren um ungehindert den Standort abzuwickeln.“
Die IG Metall steht zusammen mit dem Betriebsrat für Verhandlungen um den Standort in Pilsting zur Verfügung. „Uns geht es nicht um eine Abwicklung von Neoplan, sondern wir suchen das konstruktive Gespräch mit den Geschäftsleitungen von MAN und Neoplan. Uns geht es um jeden einzelnen Arbeitsplatz um den Erhalt des Standort Neoplan Pilsting, damit die Beschäftigen eine Zukunft hier in der Region haben.“ Um dies zu erreichen, werden wir uns alle zur Verfügung stehenden Rechte und Mittel einsetzen.“ Bisher fanden keine Verhandlungen statt – bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden nur die Pläne der Geschäftsleitung dem Betriebsrat und der IG Metall übermittelt.
August Hain, Betriebsratsvorsitzender bei Neoplan in Pilsting bringt die Situation auf den Punkt. „Die Belegschaft ist entsetzt, wie mit ihr umgegangen wird. Es ist nicht nachvollziehbar, dass MAN die Beschäftigten in Pilsting im Regen stehen lässt. Wir werden uns auf keinen Fall nun ruhig stellen und zuschauen wie 600 Arbeitsplätze verschwinden. Wir lassen es auch nicht zu, dass man den Beschäftigten den schwarzen Peter zuschiebt. Die Beschäftigten sind nicht schuld an der Misere. Die erfolgreichen Ergebnisse im produktiven Bereich in Pilsting zeigen dies deutlich. Gemeinsam mit der IG Metall werden wir uns in den nächsten Tagen darüber unterhalten, wie wir auf die Pläne der Unternehmensleitung reagieren. Auf jeden Fall werden wir nicht kampflos das Feld räumen.



