Über 1.600 Beschäftigte beteiligen sich an ersten Warnstreiks
(Pressedienst 07 / 2008) Seit dem Ende der Friedenspflicht sind im Tarifkonflikt der Textil- und Bekleidungsindustrie bis Dienstag Mittag in Bayern über 1.600 Beschäftigte in 13 Betrieben in den Warnstreik getreten.
Jürgen Wagner, IG Metall Branchensekretär für die Textil- und Bekleidungsindustrie: „Die Textilindustrie hat einen gewaltigen Modernisierungsschub hinter sich. Die Unternehmer allerdings sind immer noch von vorgestern. Sie wollen die Löhne und die Arbeitsbedingungen aus der alten Zeit konservieren und gleichzeitig supermoderne Hightech-Textilien produzieren. Die große Beteiligung an den Warnstreiks in vielen bayerischen Textilbetrieben zeigen, dass der Ärger bei den Beschäftigten über die Zumutungen der Arbeitgeber groß ist.“
Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie waren am 25. Februar nach der dritten Verhandlungsrunde ohne neues Angebot der Arbeitgeber und ohne Festsetzung eines neuen Termins unterbrochen worden.
Während die IG Metall 5,5 Prozent höhere Einkommen fordert, blieben die Arbeitgeber auch in der dritten Verhandlungsrunde bei ihrem Angebot unterhalb der Inflationsrate. Sie bieten eine Erhöhung von 2,2 Prozent für 14 Monate sowie weitere 1,8 Prozent für die dann folgenden 10 Monate. Ein individueller Einmalbetrag von 0,5 Prozent soll - je nach Gusto des Betriebes - ganz, teilweise oder gar nicht ausbezahlt werden.
Mit 2,2 Prozent ab 1. März 2008 für 14 Monate und weiteren 1,8 Prozent ab 1. Mai 2009 für zehn Monate hätten die Beschäftigten weniger in der Tasche als vorher. Das Angebot spiegelt weder die Preissteigerung noch die Produktivität der Branche wider, kritisiert die IG Metall.
Wagner: „Das Angebot ist in der Höhe viel zu niedrig, in der Laufzeit deutlich zu lang und damit insgesamt nicht akzeptabel.“
Die von der IG Metall geforderte Übernahme der Ausgebildeten in unbefristete Arbeitsverhältnisse lehnen die Arbeitgeber ab.
In der bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie arbeiten ca. 27.000 Beschäftigte. Zur Branche gehören Automobilzulieferer (Filtersysteme, Autositze, Teppiche, Verkleidungen), Hersteller von Industrietextilien und Strümpfen, ebenso wie führende Modeunternehmen und Hersteller von Markenbekleidung.



