aktueller Pfad: Home » Nachrichten » Ansicht
12.02.2008
Bei Audi droht Ärger

Audi will einen Ergänzungstarifvertrag deutlich ausweiten, für die betroffenen Beschäftigten soll eine 39-Stunden-Woche gelten und die Regelung zur schrittweisen Arbeitszeitverkürzung ab Vollendung des 58. bzw. 60. Lebensjahres entfallen, das hat der Vorstand der Audi AG den Bezirksleitungen der IG Metall in Bayern und Baden-Württemberg mitgeteilt.

Die Kolleginnen und Kollegen von AUDI
wissen sich durchzusetzen. Hier beim
Warnstreik in der Tarifrunde 2007

Zur Vorgeschichte

Seit 2005 gilt in der Audi AG ein Ergänzungstarifvertrag, der im Rahmen von „Zukunft Audi“ vereinbart wurde und für einige Bereiche eine abweichende wöchentliche Arbeitszeit regelt. In diesem Ergänzungstarifvertrag (ETV) wurde unter anderem die schrittweise Erhöhung der Arbeitszeit auf 37 Wochenstunden festgelegt.

 

Die geänderte Arbeitszeit gilt derzeit für rund 860 Belegschaftsmitglieder im Werk Ingolstadt und ca. 200 im Werk in Neckarsulm. Der Vertrag sieht vor, dass bis Ende 2007 die Wirkung des Vertrages hinsichtlich Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung überprüft wird. „Bei der Bewertung dieser Ziele sind Betriebsrat und Vorstand unterschiedlicher Auffassung", so Gesamtbetriebsratsvorsitzender Peter Mosch auf der letzten Betriebsversammlung.

 

Der Vorstand der AUDI AG hat nun in einem Schreiben an die Bezirksleitungen der IG Metall Bayern und Baden-Württemberg seine Forderungen für die anstehenden Verhandlungen zum „Ergänzungstarifvertrag für industrienahe Dienstleistungsbereiche in der Audi AG“ aufgestellt. Konkret fordert der Vorstand:

  • Verbleib der derzeit im ETV befindlichen Bereiche und Beschäftigten.
  • Ausweitung des Geltungsbereichs.
  • Erhöhung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit auf 39 Stunden pro Woche für die Beschäftigten in den derzeitigen und zukünftigen ETV-Bereichen unter Beibehaltung der bestehenden besonderen Mehrarbeitsregelung.
  • Entfall der Regelung zur schrittweisen Arbeitszeitverkürzung ab Vollendung des 58. bzw. 60. Lebensjahres.

 

Folgende Bereiche der Audi AG sollen dabei neu unter den ETV fallen:

  • Logistikfunktionen der Produktion (Markenlogistik, Werklogistik, logistische Funktionen der Fertigungsbereiche)
  • Logistikfunktionen des Vertriebs (Original Teile Logistik)
  • Logistikfunktionen in der Technischen Entwicklung
  • Service-Zentren Ingolstadt und Neckarsulm
  • Gesundheitswesen Ingolstadt und Neckarsulm
  • Fahrzeugvorbereitungen in den Kunden-Zentren Ingolstadt und Neckarsulm
  • Kunden-Zentren Ingolstadt und Neckarsulm (Fahrzeugauslieferung)
  • Verkaufspersonal der Audi Shops Ingolstadt und Neckarsulm
  • Audi Forum Neckarsulm

 

Begründet werden die Forderungen vom Vorstand mit der angespannten Wettbewerbssituation in den Dienstleistungsbereichen und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Audi AG. Nur durch die Erfüllung dieser Forderungen könne „eine vollständige oder weitgehende Trennung von diesen Bereichen“ vermieden werden, im Klartext soll das wohl heißen, Audi droht für den Fall, dass die IG Metall diesen Forderungen nicht nachkommen will. mit der Auslagerung einiger tausend Arbeitsplätze.

 

Finger weg von der Arbeitszeit

IG Metall und Gesamtbetriebsrat (GBR) sind zu Gesprächen bereit und wollen sich erst einmal von Audi erläutern lassen, wie denn diese Forderungen zu verstehen sind und wie sie begründet werden. Dann wird sich eine gemeinsame Tarifkommission für die Standorte in Ingolstadt und Neckarsulm mit den Vorstellungen des Vorstandes befassen und ggf. eigene Fordungen beschließen.

 

Für mögliche Verhandlungen haben GBR und IG Metall schon mal klar die Grenzen aufgezeigt. GBR-Vorsitzender Peter Mosch: „Im Interesse aller Kolleginnen und Kollegen der Audi AG, kann ich jetzt schon dem Vorstand sagen: Finger weg von einer weiteren Ausweitung der Arbeitszeit über 37 Stunden pro Woche hinaus! Wir werden die Einführung einer 39-Stunden - Woche nicht akzeptieren.“

 

Und Johann Horn 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Vorstand der AUDI AG an seinem Vorhaben festhält, möglichst viele Beschäftigte in den Ergänzungstarifvertrag zu bringen. Deshalb werden wir uns auf langwierige und schwierige Verhandlungen einstellen. Im Übrigen reden wir über einen Tarifvertrag, der eine Signalwirkung weit über die Unternehmensgrenzen hinaus hat.“

 

Auch der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer warnte ausdrücklich davor, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern: „Audi eilt von Rekord zu Rekord. Das hat selbstverständlich mit der Qualität der Produkte zu tun. Der Geschäftsleitung muss klar sein: Solch eine Höchstleistung schafft nur eine Belegschaft, die gute Arbeitsbedingungen hat. Ich warne ausdrücklich davor, diese Bedingungen verschlechtern zu wollen. Wer glaubt, sich durch Änderungen an der Arbeitszeit, Verringerung der Fertigungstiefe oder andere Maßnahmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu können, ist auf dem Holzweg.“

 

Druckansicht weiterempfehlen
Share/Bookmark/Subscribe


Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.