(Frankfurt/München) Das klägliche Scheitern des bayerischen Elektrohandwerks vor dem Frankfurter Arbeitsgericht, der IG Metall die Tariffähigkeit gerichtlich absprechen zu lassen, hat die bayerische IG Metall mit Genugtuung aufgenommen.
„Jetzt sollten die Herren wieder an den Verhandlungstisch zurück kommen“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern nach dem Beschluss des Arbeitsgerichts. „Starrsinn gegenüber den Arbeitnehmern und der IG Metall hilft nicht die Probleme zu lösen. Wir sind nun mal eine starke Gewerkschaft und kein Bettelverein, der alles Vorgelegte unterschreiben wird“.
Die IG Metall Bayern hofft, nach dem Verschwinden der „juristischen Nebelkerzen und Muskelspiele des Verbands“, dass dieser wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. „Wir erwarten keine Demut“, so Neugebauer. „Wer aber so sang- und klanglos mit seiner Klage vor Gericht abblitzt, sollte nicht mit Übermut zum Verhandeln gehen“.
Gerade Handwerksbranchen brauchen motivierte Beschäftigte, damit die technologischen Umwälzungen qualifiziert umgesetzt werden können. „Das geht nicht mit tarifpolitischem Stillstand, sondern mit innovativen tarifpolitischen Fortschritten in den Tarifverträgen.
Statt qualifizierte Menschen für die Branche zu gewinnen, schrecken die bisherigen Maßnahmen ab und Fachkräfte orientieren sich anderweitig. „Eine gedankliche Umkehr der Branche ist notwendig, sonst ist der Fachkräftemangel vorprogrammiert. Das Ganze war bisher innovations- und imageschädigend für die gesamte Branche.“
Neugebauer fordert wiederholt den Elektrolandesinnungsverband auf, gemeinsam mit den Gewerkschaften, illegale Beschäftigung zu bekämpfen. „Ich will, dass die deutschen Arbeitnehmer und Betriebe mit qualifizierten Dienstleistungen weiterhin erfolgreich arbeiten können. Schließen wir doch einen Pakt gegen illegale Beschäftigung und Unterwanderung von sozialen und tariflichen Standards im Handwerk mit der Politik“, so Neugebauer.
Mit flexiblen Tarifverträgen und einem gemeinsamen Rahmenentgelttarifvertrag aus 2002 können nach Neugebauers Einschätzungen die strittigen Fragen gelöst werden. Wenn der Elektroarbeitgeberverband jedoch immer noch meint, die Beschäftigten finanzieren weiterhin durch Umschichtung, Umgestaltung oder neue Tarifregelungen ihre Tariferhöhung selbst, dann befindet er sich auf dem Holzweg.
Neugebauer fordert die bayerische Staatsregierung und Ministerpräsident Stoiber auf, jedem Arbeitgeber im Handwerk bei öffentlicher Auftragsvergabe klar zu machen, dass mit Billigarbeitnehmern aus Mittel- und Osteuropa oder anderswo die Beschäftigungsprobleme in diesem Land nicht zu lösen sind.


