(Inzell) Vertreter der tschechischen Metallgewerkschaft (OS KOVO) der slowakischen (OZ KOVO) sowie Mitglieder betrieblicher Gewerkschaftsleitungen deutscher Tochterfirmen informierten sich drei Tage über das deutsche Krankenversicherungssystem in der Kritischen Akademie in Inzell.
Diese Informationstagung ist für die Gewerkschafter wichtig, da in ihren Ländern auch die Krankenversorgung und die Versicherungssysteme im Umbruch sind, sagte Albert Vetter von der IG Metall Bayern. Besonders interessierten sich die ausländischen Gäste für die Struktur der Krankenversicherung, speziell die Funktion der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung sowie das Gesundheitssystem zur Versorgung der Menschen.
Jaromir Endlicher, Vize-Präsident der tschechischen Metallgewerkschaft OS KOVO, sagte, dass das deutsche System im Wesentlichen ein Vorbild für ihn sei. Mit der Ansiedlung deutscher Betriebe werden „sozialpolitische Vorstellungen nach Tschechien transportiert. Darum müssen wir die Funktion und Struktur der deutschen Krankenversicherung kennen“.
Durch die Wandlung und Transformation der Wirtschaft, aber auch der Gesellschaft sind die Erfahrungen der Deutschen für die Slowaken wichtig, stellte Jozef Prekop, Leiter der slowakischen OZ KOVO-Delegation, zum Abschluss der Tagung fest: „Wir nehmen sehr viele Eindrücke mit. Da wir Tarifpolitik auf Betriebsebene machen, spielt die soziale Absicherung eine große Rolle“.
Detlef Arzt, Justiziar des Landesverbandes der Betriebskassen (BKK), stellte fest, dass von rund 82 Millionen Einwohnern Deutschlands etwa 71 Millionen Menschen in den 266 gesetzlichen Krankenkassen versichert. Der Rest hat durch private Kassen Versicherungsschutz oder wählte eine andere individuelle Absicherung. Die gesetzlichen Krankenkassen gliedern sich in 209 Betriebskrankenkassen, 17 Allgemeine Ortskranken- und 19 Innungskrankenkassen, elf Angestellten- und Arbeiter-Ersatzkassen, acht landwirtschaftlichen Krankenkassen, eine Seekasse sowie eine Bundesknappschaft.
Trotz vieler Mäkeleien und zum Teil unberechtigter Kritik, ist das deutsche Modell erfolgreich für die Kranken, da es niemanden von der medizinischen Versorgung ausgrenzt, modernen Standard und hohe medizinische Qualität gewährleistet. Arzt hob insbesondere die vier wesentlichen Grundsätze der gesetzlichen Krankenversicherung hervor: Solidarität und Eigenverantwortung, der Grundsatz des Sachleistungsprinzips, die Selbstverwaltung sowie der Wettbewerb und die Vielfalt.
Als großen sozialpolitischen Vorteil des deutschen Krankenversicherungssystems bezeichnete Arzt die Pflichtversicherung für breite Schichten, damit diese gegen die Risiken im Krankheitsfall abgesichert sind. So sind alle Arbeiter, Angestellten und Auszubildenden in Beschäftigung mit Entgelt, Leistungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch, Studenten, Rentner, Behinderte und Künstler in dieser Grundsicherung abgesichert.


