Viele Beschäftigte arbeiten länger als 48 Stunden pro Woche
Viele Beschäftigte arbeiten erheblich länger als vertraglich vereinbart. 35,4 Prozent haben eine vereinbarte Wochenarbeitszeit von 40 und mehr Stunden, die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit liegt bei 61 Prozent der Beschäftigten sogar über dieser Grenze.
15,6 Prozent arbeiten sogar 48 oder mehr Stunden pro Woche. Berücksichtigt man die Beschäftigten, die neben ihrer Haupttätigkeit noch zumindest einer weiteren Erwerbstätigkeit nachgehen, ergibt sich eine wöchentliche Gesamtarbeitszeit von über 48 Stunden sogar für 21,4 Prozent aller Beschäftigten.
Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt die fünfte Erwerbstätigenbefragung durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die repräsentative Befragung von 20.000 Beschäftigten liefert aktuelle Daten über die Arbeitsbedingungen in Deutschland. Die BAuA wertete die Daten hinsichtlich Belastungen und Beanspruchungen der Beschäftigten sowie deren Gesundheitszustand aus.
Arbeitszeitgesetz
Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf die wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden pro Woche im Durchschnitt von zwölf bzw. 6 Kalendermonaten (je nach Tätigkeit und Genehmigungsverfahren) nicht überschreiten.
Schicht- und Wochenendarbeit
In dieser Befragung gab zudem jeder vierte Beschäftigte an, zumindest gelegentlich, in Schichtarbeit arbeiten zu müssen. An Wochenenden fällt zumindest gelegentlich für 70 Prozent der Samstag und für 40 Prozent der Sonntag als Ruhetag aus. Etwa jeder Fünfte kennt Nachtarbeit aus eigener Erfahrung. Der Anteil der Erwerbstätigen, die Bereitschaftsdienst leisten, liegt ähnlich hoch.
Andere besondere Belastungen
Mehr als die Hälfte der Befragten (53,5 %) ist Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt, fast 60 Prozent der Betroffenen empfinden ihn als belastend. Bei mehr als der Hälfte der Befragten wiederholt sich der Arbeitsgang häufig in allen Einzelheiten, fast 60 Prozent müssen oft mehrere Vorgänge im Auge haben. Jedoch nur jeder siebte beziehungsweise jeder vierte Befragte empfindet das als belastend.
Etwa drei von vier Befragten leiden darunter, wenn ihnen eine Entscheidung zu spät mitgeteilt wird oder wenn ihnen alle notwendigen Informationen fehlen. Ersteres widerfährt jedem Achten (12,9 %), letzteres immerhin jedem Zwölften (8,0 %) häufig. Zwar bezeichnen über 80 Prozent der an der Befragung Teilnehmenden die Zusammenarbeit mit den Kollegen häufig als gut, nötige Unterstützung erhalten jedoch nur knapp 70 Prozent häufig. Nur auf jeden zweiten Chef ist immer Verlass, wenn seine Mitarbeiter Unterstützung benötigen. Mangelnde Unterstützung durch Kollegen (6,1 %) und Vorgesetzte (16,1 %) kommt zwar seltener vor, führt jedoch zu hohen Belastungsquoten.



