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28.06.2007
Telekom: Urabstimmung über einen Abschluss, der besser ist als sein Ruf

Bei der Deutschen Telekom stimmen am Donnerstag und Freitag rund 22.000 Beschäftigte über den Tarifkompromiss ab, der zwischen dem Konzern und ver.di ausgehandelt wurde. Der vorausgegangene Streik war die längste und härteste Auseinandersetzung in der Geschichte der deutschen Telekom. Das Ergebnis ist besser als es die Berichterstattung in den Medien vermuten lässt.

In den in den ersten Berichterstattungen durch die Medien wurde eine oft sinnentstellende und auf zwei Punkte reduzierte Botschaft vermittelt. Gehaltsabsenkung und Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 38 Std. ohne Lohnausgleich.

Das entstandene Bild ist falsch und hat verständlicherweise zu erheblicher Unruhe und zu großen Irritationen unter den Streikenden geführt. Die Streikenden fühlten sich als Verlierer, enttäuschte Reaktionen sind nur zu verständlich. Tatsächlich ist der Abschluss aber besser, als die durch die einseitige Berichterstattung von Teilen der Presse erzeugte Stimmung.

 

 

Fakten, Fakten, Fakten

Wichtiger als Stimmungen sind Fakten, und da dürfte die Kolleginnen und Kollegen bei der Telekom vor allem interessieren, wie viel sie denn nun nach diesem Tarifabschluss im Geldbeutel haben und wie es um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze bestellt ist.

 

Ver.di  hat mit diesem Abschluss nicht alles durchgesetzt, was die Kolleginnen und Kollegen sich erhofft hatten – aber bei welchem Streik gelingt das schon. Dennoch steht fest: Die wichtigsten Verhandlungsziele wurden erreicht.

 

  • Die bisherigen monatlichen Einkommen sind abgesichert, es gibt keinen Griff in die Taschen der Beschäftigten
  • Es gilt ein langfristiger Kündigungsschutz bis 31.12. 2012,
  • Die Beschäftigten haben einen Schutz vor Auslagerung bis 31.12. 2010, und eine weitergehende Sicherung des Kündigungsschutzes und aller Tarifverträge bis 2012
  • Es bleibt beim bisherigen hohen Niveau beim Ratio-Schutz für alle 3 Gesellschaften,
  • Soziale Besitzstände bleiben erhalten.

 

 

Verglichen mit den ursprünglichen Absichten der Telekom, wie:

 

  • Externe Auslagerung / Verkauf der Serviceeinheiten
  • Ausrichtung der Entgeltsysteme am „Marktniveau“ (minus 30 bis 50%)
  • Absenkung der Entgelte um mehr als 12%
  • Ausschluss von Entgelterhöhungen bis 01.01.2011
  • massive Variabilisierung der Entgelte ohne individuelle / kollektive Absicherung
  • Dumpinglöhne für Neueinstellungen
  • Qualifizierungsanteile in der Freizeit
  • massive Arbeitszeitverlängerung auf 40 Stunden und mehr
  • zusätzlich unbezahlte jährliche Arbeitszeitkontingente von 150 Std.
  • vollständige Flexibilisierung der Arbeitszeit mit bundesweitem Einsatz
  • Vernichtung vorhandener Tarifstandards

 

kann sich der Tarifabschluss wirklich sehen lassen:

 

Die Einkommen sind umfassend gesichert. Nicht nur für 18 Monate, sondern weit darüber hinaus. Da ein großer Teil der von der Ausgliederung betroffenen Arbeitnehmer seit Jahrzehnten im Unternehmen beschäftigt ist, wirkt das erreichte Beschäftigungssicherungspaket besonders gut. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2012, ein Verkauf der Gesellschaften bis 2010 vertraglich ausgeschlossen. Für den aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlichen Fall eines späteren Verkaufs, bleiben die strengen Kündigungsschutzregelungen (sog. Unkündbarkeit nach langer Betriebszugehörigkeit) erhalten. Der Rationalisierungsschutz und die betriebliche Alterversorgung bleiben erhalten. Ein Standortschutz sichert besonders Teilzeitbeschäftigte, Schwerbehinderte und Frauen mit Kindern.

 

Hofft die Telekom auf eine Abstimmungsniederlage?

Ver.di hofft, dass es für das Ergebnis in der Urabstimmung am Donnerstag und Freitag dieser Woche eine deutliche Mehrheit gibt.

Lothar Schröder, Mitglied des ver.di Bundesvorstandes: „Wenn nicht, wäre dies dramatisch für die Konditionen der Beschäftigten, denn die Telekom wird ansonsten ohne Skrupel die schlechteren Tarifbedingungen der Zielbetriebe zur Anwendung bringen. Wenn es zu keinem Tarifabschluss kommt, gilt nach der Überleitung in die drei Servicegesellschaften automatisch das dortige Tarifniveau.“

 

Aber offenbar hoffen nicht wenige im Arbeitgeberlager auf eine Abstimmungsniederlage. Denn dann könnte der Wechsel in die neuen Gesellschaften ohne tarifvertraglichen Schutz erfolgen, mit sofortigen Einkommenseinbussen von mindestens 12 Prozent und tatsächlichen Arbeitszeiten weit über 38 Stunden. Das wäre dann tatsächlich ein Triumph für die Hardliner im Telekomvorstand

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