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08.09.2008
IG Metall-Vorstand empfiehlt Tarifforderung im Volumen von sieben bis acht Prozent

Der Vorstand der IG Metall hat für die anstehenden Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie eine Tarifforderung im Volumen von sieben bis acht Prozent empfohlen. Das teilte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, am Montag in Frankfurt in einer Pressekonferenz mit.

Auf dieser Basis werden die regionalen Tarifkommissionen in den nächsten zwei Wochen ihre Forderungsanträge stellen, den endgültigen Forderungsbeschluss wird der IG Metall-Vorstand in einer außerordentlichen Sitzung am 23. September treffen.

„Dieser Forderungskorridor berücksichtigt die gesamtwirtschaftliche Lage und er berücksichtigt die Erwartungen der Arbeitnehmer“, sagte Huber. Die Forderung in diesem Korridor werde darüber hinaus „den konjunkturellen Erfordernissen der Stützung der Binnenkonjunktur im nächsten Jahr gerecht“. Die IG Metall rechnet im kommenden Jahr mit einer Produktivitätssteigerung von 1,5 Prozent und einer Inflationsentwicklung von 2,5 Prozent. Daraus errechne sich ein verteilungsneutraler Spielraum von vier Prozent. „Uns geht es aber um mehr“, betonte der IG Metall-Vorsitzende, „es geht um mehr Gerechtigkeit und es geht um mehr Wachstum“.

Das aktuelle Wachstum sei unbalanciert und ungerecht, sagte Huber. Der Aufschwung sei ausschließlich exportabhängig, die Inlandsnachfrage komme nicht in Schwung.  „Soweit wir können, wollen wir mit unserer Tarifpolitik dazu beitragen, dass beide Beine der Wirtschaft, Export und Binnennachfrage, Wettbewerbsfähigkeit und gerechte Einkommen, gestärkt werden“. Zwischen 2004 und 2007 seien die Nettogewinne der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie um 220 Prozent gestiegen, die Entgelte der Beschäftigten nur um zehn Prozent und real nur um zwei Prozent im gleichen Zeitraum. „Wir haben einen hohen Nachholbedarf in Sachen Gerechtigkeit und Binnenwachstum.“

Die IG Metall erkenne, dass sich die konjunkturelle Dynamik verlangsamt habe. „Es gibt jedoch keinen Grund, an der wirtschaftlichen Potenz der deutschen Wirtschaft zu zweifeln“, sagte Huber. Er warf den Arbeitgebern vor, die Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung zu nutzen, um Belegschaften zu verunsichern, indem sie große Gefahren für Arbeitsplätze heraufbeschwören. „Es wäre fahrlässig, wenn die Kassandrarufe so laut werden, dass sie sich im stimmungsanfälligen Börsenkapitalismus als selbsterfüllende Prophezeiung erweisen.“

Das für Tarifpolitik zuständige Vorstandsmitglied, Helga Schwitzer, machte deutlich, dass die IG Metall eine schnelle Tarifrunde anstrebe. „Wir wollen frühzeitig wissen, wohin die Reise geht. Ich bin mir sicher, Metallerinnen und Metaller erwarten eine kurze und knackige Tarifrunde und ein Ergebnis deutlich vor Weihnachten“, sagte Schwitzer. Beide Tarifvertragsparteien hätten sich beim letzten Abschluss im Jahr 2007 darauf verständigt, auf die Einhaltung einer vierwöchigen Friedenspflicht nach Auslaufen der Tarifverträge am 31. Oktober  zu verzichten. „Dies kann der Tarifrunde eine besondere Dynamik verleihen“, betonte Schwitzer.

Ungerechtigkeit ist Realität

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hatte der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, gesagt, die IG Metall werde neben Inflation und Produktivität auch „das Ungerechtigkeitsempfinden der Menschen in unserer Forderung aufgreifen.“ Daraufhin hatte Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser vor einer ‚‚Gefühlstarifrunde’’ gewarnt.

Doch die Ungerechtigkeit ist nicht nur gefühlt. Sie ist Realität. Das belegen die Fakten. Diese Fakten hat Helga Schwitzer zuständiges IG Metall-Vorstandsmitglied für Tarifpolitik, in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Rundschau“ wie folgt zusammengefasst:

„Erstens: Der vielgepriesene Aufschwung ist nahezu spurlos an den Beschäftigten vorbei gezogen. Trotz der erfolgreichen Tarifabschlüsse, die in den letzten Jahren die Reallöhne verbessert haben, gilt dies auch in der Metall- und Elektroindustrie: Die Tariflöhne sind im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent gestiegen, die tatsächlich gezahlten Bruttolöhne pro Stunde dagegen nur um 1,8 Prozent. Ein wichtiger Grund: Viele Betriebe haben übertarifliche Leistungen abgebaut.

 


Zweitens: Die Schere zwischen Gewinn- und Lohnentwicklung klafft immer weiter auseinander, auch in der Metall- und Elektroindustrie. Erzielten die Unternehmen 2003 im Schnitt für 100 Euro eingesetztes Eigenkapital bereits üppige 8,90 Euro Rendite, so ist die Verzinsung 2007 auf 21 Euro angewachsen. Zum Vergleich: Für die Anlage in langfristigen Anleihen gibt es 4,2 Prozent. Von 2003 bis 2007 sind die Nettogewinne um 220 Prozent gestiegen, die Effektivlöhne nur um 8,7 Prozent.

Drittens: Die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten sind drastisch gestiegen. 2008 werden Verbraucher mindestens drei Prozent mehr ausgeben müssen.“

Weiterer Zeitplan

Die Tarifkommission der IG Metall Bayern wird am 17. September über die Forderung für die ca. 730.000 Beschäftigten in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie beschließen. Die endgültige Forderung beschließt der Vorstand  dann am 23. September, die Verhandlungen beginnen Anfang Oktober. In Bayern ist die erste Verhandlungsrunde für den 8. Oktober terminiert Der aktuelle Tarifverträg endet am 31. Oktober. Wegen des engen zeitlichen Korridors, der bis Weihnachten bleibt, hatten die Tarifparteien in der letzten Tarifrunde vereinbart, dass 2008 nicht die sonst übliche Friedenspflicht, von vier Wochen nach Ablauf des Tarifvertrages, gilt. Auch die Friedenspflicht endet daher am 31. Oktober. Danach könnte die IG Metall mit Warnstreiks beginnen.

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