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06.02.2009 Von: MJ
Hilfe für die Leiharbeiter bei Audi
Wen es in den Unternehmen schlechter läuft, sind Leiharbeiter meistens die ersten Opfer der Krise. In guten Zeiten wurden sie zu hunderten angeheuert, um jetzt einfach vom Hof gejagt zu werden. Für die etwa 800 Leiharbeitnehmer bei Audi in Ingolstadt soll das anders sein. Die IG Metall Verwaltungsstelle verhandelt mit den Entleihfirmen Adecco und Tuja.
Deutlicher Absatzrückgang im Januar
Lange Zeit sah es so aus, als ginge die weltweite Krise an Audi nahezu spurlos vorüber, die aktuellen Verkaufszahlen sprechen leider eine andere Sprache: Im Januar ging der Absatz im Vergleich zu den Rekordzahlen des Vorjahresmonats weltweit um mehr als 28 Prozent auf gut 56 000 Autos zurück, teilte das Unternehmen am Freitag in Ingolstadt mit. Im Januar 2008 war der neue A4 zum ersten Mail in Europa voll verfügbar, das sorgte im Vorjahresmonat für einen Absatzschub und verzerrt nun den Jahresvergleich.
Innerhalb des schwierigen Marktumfeldes konnte Audi seine Position sogar weiter stärken und seinen Marktanteil weiter ausbauen - in Deutschland wie auch in Westeuropa und den USA.
Aber ein Absatzrückgang von 28 Prozent ist natürlich dennoch deutlich. „Dieses Jahr wird für niemanden einfach“, sagte denn auch Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer laut Mitteilung. Für Ende Februar hat Audi sechs Tage Kurzarbeit für 25.000 Beschäftigte in den Werken in Ingolstadt und Neckarsulm angemeldet.
Faire Behandlung von Leiharbeitern auch in der Krise
Es liegt in der Natur der Leiharbeit, dass in schlechten Zeiten die Betriebe weniger Leiharbeitnehmer benötigen. "Aber wir werden alles ausloten, um diesen Leuten zu helfen", betont der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt, Johann Horn, im Gespräch mit dem Donaukurier. Die IG Metall hat dazu mit den Zeitarbeitsfirmen Adecco und Tuja das erste Gespräch über die Zukunft der bei Audi beschäftigten Leiharbeitnehmer geführt.
IG Metall hat dabei mehrere Vorschläge zur Zukunft der Leiharbeiter unterbreitet. Neben Kurzarbeit hat sie auch die Gründung einer Transfergesellschaft zur weiteren Qualifizierung ins Gespräch gebracht. Wunder dürfe man sich aber nicht erwarten: "Wir werden nicht alle Jobs retten können", räumt Horn ein. In etwa zwei Wochen soll ein weiterer Verhandlungstermin folgen.
„Zeitarbeit in Zeiten der Krise“
Die IG Metall bei Audi unterstützt das Vorgehen der Verwaltungsstelle. Die Vertrauenskörperleitung hat bei ihrer Klausur im Januar eine „Inzeller Erklärung“ beschlossen, in der sie fordert: „Zeitarbeit bei Audi in Ingolstadt muss auch in der Krise fair und gerecht sein.“
Die im letzten Jahr bei Audi eingesetzten Leiharbeiter der Firmen Adecco und Tuja hätten mit ihrer qualifizierten Arbeit zu dem herausragenden Ergebnis von Audi beigetragen. So konnte die extrem hohe Belastung der Beschäftigten im Zusammenhang mit Neuanläufen 2008 abgefedert werden, heißt es in der Erklärung.
Die IG Metall VK Leitung bei Audi Ingolstadt stellt fest: „Die Kolleginnen und Kollegen LeiharbeiterInnen haben auch deshalb in der Krise Anspruch auf eine faire und gerechte Behandlung. Für die IG Metall VK Leitung bei Audi steht die Sicherung der Beschäftigung, des Einkommens und die Möglichkeit der Teilnahme an geförderten Qualifizierungsmaßnahmen im Zentrum kurz- und mittelfristiger Maßnahmen für Leiharbeiter.“
Für Arbeitnehmer, die ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bei Adecco oder Tuja haben, und die nach der Abmeldung von Audi nicht weiter vermittelt werden können, soll Kurzarbeit eine drohende Kündigung vermeiden.
Etwa die Hälfte aller am Standort Ingolstadt beschäftigten Leiharbeiter wurden nur für den Auftrag bei Audi befristet bei den Zeitarbeitsunternehmen eingestellt. Diese Kollegen verlieren nun ohne, dass es einer Kündigung bedarf, mit der Abmeldung bei Audi ihren Arbeitsplatz.
Die Leiharbeitsunternehmen entziehen sich so vollständig ihrer sozialen Verpflichtung.
Dies war nur möglich, nachdem eine Gesetzänderung befristete Arbeitsverhältnisse auch in der Zeitarbeitsbranche zugelassen hat.
Die Vertrauenskörperleitung der IG Metall bei Audi fordert daher die Bundesregierung auf, das „Synchronisationsverbot“ (Ausschluss von Befristungen beim Entleihbetrieb) umgehend wieder gesetzlich zu verankern. Adecco und Tuja werden aufgefordert, allen Arbeitnehmern, die nach Beendigung ihrer Befristung von Arbeitslosigkeit direkt bedroht sind, eine Abfindung zu zahlen.
 

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